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Innig-intensive Barockmusik am Fronleichnamstag

Von: Josef Schreier
Letzte Aktualisierung:
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Ludwig Frankmar spielte das Barockprogramm auf einem Cello aus der Zeit. Foto: J. Schreier

Monschau. Es war etwas besonders Innerliches, was die Evangelische Kirchengemeinde am Fronleichnamstag den Monschauer Musikfreunden bescherte. Zum wiederholten Male gastierte der Cellist Ludwig Frankmar in der Monschauer Stadtkirche mit einem reinen Barock-Soloprogramm.

In dessen Mittelpunkt standen zwei der Cellosuiten von Johann Sebastian Bach. Diese waren eingerahmt von Werken eines italienischen Meisters aus der frühen Barockzeit namens Giovanni Bassano, der rund 100 Jahre vor Bach lebte.

Die Musiksprache des früheren Komponisten war deutlich noch der Renaissance und dem Mittelalter zugewandt. Seine Ricercate waren als Solostücke für beliebige Instrumente gedacht; in seinen Angaben war auch ein Cello als mögliches Instrument genannt. Ludwig Frankmar spielte die Stücke so innig und intensiv, dass sie genau für sein Barockcello aus dem Jahre 1756 gemacht schienen.

Gefälligkeit zurückgenommen

Es war interessant zu hören, wie im Vergleich zu dieser, trotz ihrer Einfachheit und Klarheit etwas fremdartig wirkenden Musik, die Werke Bachs eher einem modernen musikalischen Idiom entsprachen. Und das, obwohl auch diese Werke für Cellosolo – wie einige andere ähnlicher Art aus der mittleren Lebens- und Schaffensphase Bachs in Köthen – für einen unvorbereiteten Hörer alles andere als leicht zugänglich sind.

Auch dies ist nämlich eine ganz verinnerlichte und nicht auf äußere Effekte angelegte Musik, die gerade in ihrer – vielleicht von manchem Zuhörer so empfundenen – Sprödigkeit dem Publikum einiges abverlangte. Hinzu kam in diesem Fall, dass der Interpret selbst jene Stellen, die noch am ehesten einem unvermittelten Verständnis sich anbieten, in ihrer möglichen Gefälligkeit offenbar ganz bewusst zurücknahm.

Dies fiel vor allem bei den Schlusssätzen der beiden Suiten auf. Das war jeweils eine Gigue, von Hause aus ein lebhafter, heiterer Tanz und meist auch von den Interpreten so gespielt, vielleicht um einen Schlussbeifall zu provozieren. Darum ging es Ludwig Frankmar aber offenbar gar nicht.

Man spürte, dass es ihm eher darum zu tun war, das eigentlich theologische Programm, das hinter den beiden Suiten zu erschließen ist, musikalisch auf eine hintergründige Weise spürbar zu machen. Sicher würde man nicht aufs erste Hören auf die Idee kommen, dass es sich in der Suite Nr. 2 in d-Moll um die Passion Jesu und in der dritten in C-Dur um das Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten handelt.

Der Hörer kann aber, sobald er nur einmal von der Tiefe der Musik angerührt ist, die inneren Bezüge selbst weiterverfolgen und dadurch in die Struktur der musikalischen Bewegungen wie auch in die theologischen Hintergründe eindringen, die dem Komponisten selbst gewiss bewusst waren.

Auf diese Weise war das Konzert am Spätnachmittag des Fronleichnamsfestes zweifellos auch ein geistliches Ereignis, für das sich das nicht allzu zahlreiche Publikum, aber auch die Vertreter der Kirchengemeinde dem sympathischen und bescheidenen Künstler dankbar zeigte.

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