Inklusion im Brutkasten

Von: P. St.
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Kurz vor Ostern ging es mit dem tierischen Nachwuchs im Familienzentrum „Sonnenblume“ los: Im Rahmen des Projekts Hühner und Haustiere wurde ein Brutkasten in dem Kindergarten in Simmerath aufgestellt. Ein Landwirt begleitet das Projekt. Aber bald heißt es für Kinder und Küken Abschied nehmen: Die Küken ziehen auf zwei Bauernhöfe.

Simmerath. Wenn die rund 30 Kinder morgens die Tür zum Familienzentrum „Sonnenblume“ in Simmerath öffnen, dann führt der erste Weg zum Brutkasten. Jeden Tag passiert hier etwas Neues. Über Nacht sind wieder ein paar Küken geschlüpft, andere versuchen gerade, mit dem Schnabel die Eihülle von innen zu durchdringen.

Das ist ebenso faszinierend wie spannend für die Kinder, aber auch die Eltern und das gesamte Team verfolgen das Geschehen auf dem Flur und im Leiterinnen-Zimmer. Kurz vor Ostern ging es los mit der Nachwuchsförderung im Kindergarten. Im Rahmen des Projektes Hühner und Haustiere entstand die Idee, im Kindergarten einen Brutkasten aufzustellen.

In Günter Haas aus Witzerath, der auf seinem Kleinbauernhof über die nötige Erfahrung verfügt, fand man den idealen Begleiter für die Aktion. Er stellte die notwendige Ausstattung zur Verfügung, und dann konnte es los gehen. 30 Bio-Eier wurden bei einer gleichbleibenden Temperatur von 37,5 Grad und bei 80 Prozent Luftfeuchtigkeit im Brutkasten aktiviert.

Nach 21 Tagen passierte es dann: Die ersten Eier zeigten kleine Risse und die kleinen Küken erblickten das Licht der Welt. Der nächste Schritt führte dann den Nachwuchs unter die Rotlichtlampe eines Kleinstalls, wo die Küken gleich mitten in ihre typischen Alltagsbeschäftigungen einsteigen, die aus Picken, Suchen und Laufen bestehen. 22 Küken sind inzwischen geschlüpft.

„Es ist erstaunlich für die Kinder zu sehen, wie schnell sich im Gegensatz zum Menschen der Küken-Nachwuchs entwickelt,“ sagt Kita-Leiterin Margot Fietzek, die deutlich mehr Zeit als sonst im Kindergarten verbringt, denn auch abends und am Wochenende musste sie den Brutkasten stets im Blick haben, um Wasser zur Erhaltung der Luftfeuchtigkeit nachzufüllen.

Die Kinder erkennen zudem, dass die ersten Schritte ins Leben auch bei den Küken nicht für alle gleich sind. Manche Küken sind schwach und benötigen Unterstützung. Diese werden dann unter der Rotlichtlampe von den anderen in die Mitte genommen und geschützt. „Das ist gelebte und praktizierte Inklusion“, sagt Margot Fietzek, denn gerade Integration und die Akzeptanz der Andersartigkeit sind wichtige Ziele im Familienzentrum. Auch sind nicht alle Küken flauschig gelb, wie man es aus Bilderbüchern oder der Werbung kennt.

Paul, Lisa und Bella

Diese Woche stand dann ein weiterer großer Moment an: Die Küken sollten Namen bekommen, und an Ideen mangelte es nicht. Brutus, Cindy, Paul, Lisa, Bella standen hoch im Kurs, und ein Kind entschied sich für Mario, „weil mein Papa so heißt.“ Mit dieser sehr intensiven Beschäftigung sollte den Kindern auch deutlich gemacht werden, dass die kleinen Küken kein Spielzeug sind. „Von dieser Aktion werden die Kinder später noch viel erzählen“, ist die Kindergartenleiterin überzeugt. „Das ist Erlebnis-Pädagogik im eigentlichen Sinne.“

Anfang nächster Woche wird der Brutkasten dann abgebaut, aber was geschieht dann mit dem Nachwuchs? Eine Hälfte der Küken übernimmt Günter Haas, die andere Hälfte übernimmt eine Mutter auf ihren Hof in Simmerath.

Die Tiere werden dann regelmäßig besucht, gefüttert und durch ihr weiteres Leben begleitet. „Das bleiben immer unsere Hühner“, lacht Margot Fietzek.

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