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In Malmedy nicht so ganz wohl gefühlt

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Vorübergehend zu Gast in der Eifel: Adolf-Hitler-Schüler auf dem Appellplatz in Vogelsang. Foto: Sammlung Rainer Hülsheger

Nordeifel. Vogelsang. Von 1936 bis zum Beginn des 2. Weltkriegs fanden in der Schulungsanlage Vogelsang drei Lehrgänge zur Ausbildung politischer Leiter statt. Ende April/Anfang Mai 1942 sind die drei Adolf-Hitler-Schulen (AHS) Moselland, Franken und Westmark von Sonthofen aus nach dort verlegt worden.

Während ihres Aufenthaltes in Vogelsang haben die jungen Leute Erlebnisberichte über Ausfahrten in die umliegenden Orte verfasst. Vogelsang-Referent Rainer Hülsheger (66) aus Rott, ehemals Lehrer von Beruf, gelangte an Berichte aus dieser Zeit. Das Material wird Hülsheger später dem Vogelsang-Archiv zur Verfügung stellen.

„Wichtigstes pädagogisches Ziel dieser Fahrten war das Zusammenschweißen von sich zunächst völlig fremden 14-jährigen Jungen zu einem Block”, erläutert Hülsheger.

Bei der Positionierung der Adolf-Hitler-Schulen im Deutschen Reich sollten Standorte in dessen Grenzregionen und insbesondere in ländlichen und kirchlich-religiös bestimmten Gebieten bevorzugt werden, um so den Einfluss des Nationalsozialismus u.a. hier in der Eifel und darüber hinaus im deutsch-belgischen Grenzraum in größerem Maße zu fördern.

In diesem Sinne ist auch das „Werbespiel” der Vogelsanger AHS-Handballmannschaft zu Pfingsten 1943 in Malmedy einzuordnen.

Fremdheitsgefühl

Der im Sinne dieses „Werbefeldzugs” in seiner Grundstimmung positiv verfasste Bericht spiegelt jedoch auch wider (erkennbar an einer Reihe von Formulierungen und Erlebnissen der Hitlerjungen im wallonisch-sprachigen Malmedy), dass man sich dort vor dem Hintergrund der militärischen und lokalpolitischen Ereignisse nicht der ungeteilten Zustimmung sicher war. Die Landschaft und die Stadt muten ihnen stark französisch an, so dass in ihnen ein Fremdheitsgefühl aufkommt. In einer gewissen Naivität beruhigen sie sich jedoch selbst und stellen für sich fest, dass Malmedy ja nun deutsch geworden sei.

Erst zwei Jahre vor dieser Pfingstfahrt, nämlich nach dem Überfall der Wehrmacht am 10. Mai 1940 auf die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich, hatte der Erlass Hitlers vom 18. Mai 1940 die Gebiete von Eupen, Malmedy und Moresnet zum deutschen Staatsgebiet erklärt und damit die Einwohner der deutschen Gesetzgebung und Wehrdienstpflicht unterworfen.

„Zu Pfingsten (Anm.: 1943) war es uns wieder vergönnt, aus diesem Kloster herauszukommen und eine Fahrt in die schöne Umgebung der Eifel zu unternehmen,” beginnt der Bericht der Vogelsang-Schüler, die mit Fahrrad aufbrechen: „Da die Leistungswoche in Sonthofen voraus stand, musste der größte Teil des Zuges auf der Burg bleiben und Vorbereitungen treffen für den Geländesport, Schießen und Keulenzielwurf usw. Nur wir vier, E., G., N. und H., hatten unserer Einladung zum Werbespiel nach Malmedy zu folgen, um das Spiel AHS Vogelsang gegen Aachen auszutragen.

Das Land, welches rechts und links lag, trug einen uns ganz eigenartigen Charakter. Weit geschwungene Wellen, Weiden mit zahlreichem Vieh, abgeteilt durch Baumreihen und Zäune. Die Straßen zogen sich lang und breit durch die Landschaft und erinnerten uns an französische Bilder. Auf diesen Straßen zogen wir hinein nach Malmedy, in diesen ehemals fremden Ort.

Das Wetter verschlechterte sich plötzlich und es begann zu regnen. Jetzt wohin mit den Rädern? Ganz Malmedy haben wir abgesucht, in jedem Hotel angefragt, aber überall waren die Zimmer voll besetzt. Guterletzt stießen wir auf ein deutsches Lokal, den Frankfurter Hof. Die Wirtsleute stammten aus der Stadt und kannten die Ordensburg von einem Besuch her sehr gut. Also, wieder einmal Schwein gehabt, wie immer! Zwei Zimmer stellten sie uns zur Verfügung und wir waren ganz zufrieden, wenigstens ein Dach über dem Kopf zu haben. Die Stadt selbst trägt einen starken französischen Charakter,” heißt es weiter im Bericht der Jugendlichen.

Und weiter: „Die Einwohner sprechen französisch und sind sogar stolz darauf, wenn ihr kleiner Sohn etwas deutsch zu reden versteht. Das waren unsere ersten Eindrücke über die nun deutsch gewordene Stadt.”

Eine längere Beschreibung wird auch der am nächsten Tag anstehenden Handballbegegnung gewidmet: „Als die Mannschaften auf dem Platz einander gegenüber standen, kam auf einmal einer angelaufen mit einem Paket unterm Arm. Auf dem Felde packte er aus und überreichte uns mit den Worten „Hoffentlich wird unser Verein auch bald eine solche Mannschaft auftreten lassen können” einen Bildpreis zu diesem nicht zu vergessenden Tage.”

Das Spiel endete übrigens mit einem 8:5-Sieg für Aachen. „Wir waren jedoch zufrieden, denn unser Gegner hatte wirklich auf ein besseres Ergebnis gerechnet, lautet die Bilanz. Am gleichen Abend traten wir noch die Fahrt zurück zur Burg an, und es war wirklich ein anstrengender Tag, nach dem Spiel noch 45 Kilometer Rad zu fahren.

Etwa um 24 Uhr kamen wir auf Vogelsang an. Diese Pfingstfahrt war uns trotz der vielen Anstrengungen eine willkommene Abwechslung, an die wir gerne zurückdenken werden.”
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