Nordeifel - In der Schlange stehen für eine Operation

In der Schlange stehen für eine Operation

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
Walter Gerhards im Einsatz fü
Walter Gerhards im Einsatz für Interplast: Die Bedingungen in den Operationssälen in Entwicklungsländern sind nicht immer leicht.

Nordeifel. Man kann es kaum glauben, wenn man einen Blick in die Jahresberichts-Helfte von Interplast wirft, der inzwischen größten Vereinigung für plastische Chirurgie in Entwicklungsländern. Die Jahresbilanz blickt zurück auf die Einsätze in Brasilien und Ecuador, in Nigeria und Ghana, in Nepal und Indien.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Was der Außenstehende zu sehen bekommt, lässt fast den Atem stocken. Verbrannte und verstümmelte Menschen, Kinder mit Lippenverschlüssen und Gesichtsspalten, Menschen mit riesigen Abzessen und extremen Hautkontraktionen. Man mag kaum hinschauen.

Diesen Menschen, die unter normalen Umständen niemals eine Chance auf eine Operation hätten, helfen die bei Interplast zusammengeschlossenen Ärzte und Krankenpfleger. Einer dieser Helfer ist Walter Gerhards. Der 54-jährige gelernte Krankenpfleger stammt aus Steckenborn, lebt jetzt in Herzogenrath und ist als Anästhesiepfleger am Medizinischen Zentrum der Städteregion in Würselen beschäftigt.

Als aktiver Helfer bei Interplast war er seit dem Jahr 2004 schon zehn Mal im Einsatz. Er weiß inzwischen, was die Organisation für Menschen in den Entwicklungsländern bedeutet und er weiß, was Interplast leisten kann. Er findet, dass die weltweit tätige Organisation „noch zu sehr im Verborgenen” arbeitet, trotz der Kooperation mit „Ärzte ohne Grenzen”. Daher sei man ständig auf Spenden angewiesen. Auch der Rotary-Club Monschau hat bereits einen Einsatz in beträchtlichem Umfang finanziert.

150 Operationen in zwei Wochen

Walter Gerhards war in Tansania, Indien, Pakistan und auf den Philippinen im Einsatz. Maximal 10 Leute, bestehend aus Ärzten und Pflegern, bilden ein Team, das nach einer langen und akribischen Vorbereitungszeit startet. Während des zweiwöchigen Aufenthalts stehen bis zu 150 Operationen an. Insgesamt sind es jährlich rund 4000 Operationen, die Interplast weltweit abwickelt. Medikamente, Verbandsmaterial und medizinisches Material gehen mit auf die Reise.

Was das Team vor Ort vorfindet, ist schwer kalkulierbar. Mal steht in einem Krankenhaus ein Operationssaal zur Verfügung, manchmal muss man sich aber auch mit einem Flur begnügen. „Da kommt es auch schon einmal vor, dass Hühner durch den OP laufen oder im Schein der Taschenlampe gearbeitet wird, weil der Strom ausgefallen ist”, schmunzelt Walter Gerhards, der wie alle anderen im Team auch ein Meister der Improvisation sein muss und sich auf keinen Fall aus der Ruhe bringen lassen darf.

Die hygenischen Bedingungen sind oft katastrophal, wenn das Team bei 40 Grad Raumtemperatur 12 Stunden pausenlos operiert. Da bleibt es nicht aus, dass auch die Teammitglieder selbst mit Infekten reagieren. „Da legen wir uns eben selbst eine Infusionsflasche an und arbeiten weiter,” erzählt Walter Gerhards als wäre das alles selbstverständlich.

Zu den Prinzipien von Interplast gehört es, dass den Ärmsten der Armen geholfen wird, und das die Teams bei einer Operation kein Risiko eingehen oder gar experimentieren. Der Bedarf an Operationen wird immer größer, erzählt der 54-Jährige. Beim zurückliegenden Einsatz im Hochland von Tansania „standen fast 1000 Menschen in einer Schlange, um operiert zu werden”. Da komme man nicht umhin, eine Auswahl zu treffen. Solche Entscheidungen sind für das Team weitaus schlimmer als unter Extrem-Bedindungen zu operieren.

Erstaunlich wenig Komplikationen

Trotz der schwierigen Umstände, erzählt Walter Gerhards, stellten sich erstaunlich wenige Komplikationen ein. Als weitaus gefährlicher stuft er die Arbeit in bestimmten Ländern ein, wie zum Beispiel Pakistan. Hier sei das Risiko für die Helfer inzwischen zu groß geworden. Auch nach dem schwerem Erdbeben in Haiti 2010 sei das Team nach wenigen Tagen wieder abgereist, da „absolut keine Infrastruktur” zur Verfügung gestanden habe.

Wenn Walter Gerhards von einem Einsatz zurückkehrt, dann muss er sich zunächst wieder an das Leben im Überfluss gewöhnen. Hier in Deutschland wäre es ein Leichtes, noch vielen Menschen zu helfen, aber durch die Arbeit bei Interplast „sehe ich jetzt in meiner Arbeit wieder einen Sinn.” Die Menschen, denen das Team helfe, seien „unendlich dankbar.” Das werde ihn weiter anspornen.

Inzwischen blickt Walter Gerhards schon wieder auf den nächsten Einsatz, der im kommenden Februar in den Süd-Philippinen ansteht: Für die Arbeit bei Interplast opfert er einmal mehr seinen Urlaub. Das kann er sich kaum noch anders vorstellen.
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