In der Aukirche: Stuhl frei! Nehmen Sie bitte Platz!

Von: js
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Monschau. Mancher Gottesdienstbesucher mag sich am Sonntagmorgen gewundert haben. Da standen Stühle in der Monschauer Aukirche, auffällig gestaltet und mit einer Botschaft, einer Frage, einem Appell verbunden.

Und wenn das zugehörige Plakat aufforderte „Stuhl frei, nehmen Sie bitte Platz”, so war das gar nicht so einfach. Denn die Stühle waren, zeichenhaft, künstlerisch ausgearbeitet. Einer war sogar zusammengebrochen, unbrauchbar. Und das mit Absicht. Worum ging es?

Während des Gottesdienstes konnte in der Predigt Pastoralreferent Hannes Peters die Aktion erläutern. Peters ist Mitglied einer Arbeitsgruppe im Bistum Aachen, die sich um behinderte Menschen kümmert.

Mit Bezug auf das Evangelium des Tages machte Peters klar, dass es Jesus gerade darum ging, ausgegrenzten Menschen einen Platz in der Gesellschaft zu geben, nicht am Rand, sondern in der Mitte.

Heute sei es in Gesellschaft und Kirche immer noch eine nicht bewältigte Aufgabe, diesem Vorbild Jesu gerecht zu werden. So war in der diözesanen Arbeitsgruppe die Idee entstanden, dass behinderte Menschen selber einmal ihren Platz in der Gesellschaft darstellen, sich und die „Nichtbehinderten” fragen, wie ihr „Stuhl” aussieht und ob sie darauf wirklich „Platz nehmen” können. Einfache Holzstühle sollten in Kunstobjekte verwandelt werden, und zwar in der Weise, dass dadurch die Situation der behinderten Menschen anschaulich wird.

So sind im gesamten Bistum Aachen 270 Stühle bearbeitet worden und werden nun an verschiedenen Orten gezeigt. Am Schluss der Aktion soll im Sommer ein Großteil der entstandenen Werke an zentraler Stelle in Aachen gemeinsam ausgestellt werden.

Räder und Flügel

In der Monschauer Aukirche sind bis zum 15. Februar, täglich von 10 bis 18 Uhr, sechs dieser Stuhlobjekte zu sehen. Die „Monschauer” Stühle sind von Bewohnern des St. Josefs-Hauses in Höfen und von Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs des Vinzenz-Heims in Aachen gestaltet worden.

Einige Bewohner des St. Josefs-Hauses wohnten dem Gottesdienst bei, darunter auch Fritz Hemme und Hans-Joachim Birgel, die zwei der Stühle gestaltet hatten. Ines Mahl, pädagogische Mitarbeiterin des Hauses, hatte mit den beiden gearbeitet und bei der Arbeit assistiert. Auch Rita Baumbach, Leiterin des Hauses, freute sich über das gelungene Werk.

Fritz Hemme, im Rollstuhl, thematisierte sein Problem und stattete „seinen” Stuhl mit Rädern aus. „Die Räder sind da, um wegzukommen”. Hans-Joachim Birgels Thema bei seinem „Wackelstuhl” ist der Kampf, aber doch auch die Sehnsucht nach Frieden. Seine Stuhl-Lehne ist mit Federn beflügelt, die „alles gut machen” sollen.

Viele Gottesdienstbesucher nahmen sich nach der Messe die Zeit, die Stuhlkunstwerke anzusehen. Große Anerkennung für die Initiative war zu vernehmen, nicht zu überhören war aber auch die Feststellung, dass gerade in Monschau hierfür Bedarf bestehe. Betroffene meinten, dass vergleichbare Städte mit historischer Substanz in der Berücksichtigung behinderter Mitbürger schon weiter seien.
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