Nordeifel - Im Wald Hände weg von Katzenkindern

Im Wald Hände weg von Katzenkindern

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Wildkatzenjunge sind nur schwer von Hauskatzenjungen zu unterscheiden. Deshalb raten Tierschützer, umhertollende Katzenkinder im Wald im Zweifelsfall nicht mit nach Hause zu nehmen, sondern die Forstbehörde zu informieren.

Nordeifel. Die Preußen werden wegen ihres Militarismus´ inzwischen oft belächelt. Ihre uniformierten Karikaturen stolpern noch heute durch den Schneematsch und nennen das Karneval. Doch dieselben Preußen waren in vieler Hinsicht auch ziemlich helle.

So haben sie in den 1920er Jahren in ihren Staatsforsten einen Totalschutz für die Wildkatzen verfügt, was sich im Nachhinein als sehr fortschrittlich erwiesen hat.

Denn während in anderen Regionen der heutigen Bundesrepublik die kleinen Räuber gnadenlos verfolgt und vielfach ausgerottet wurden, konnten sie sich beispielsweise unter dem Schutz der Preußen in dieser Region in aller Ruhe fortpflanzen und im Laufe der Jahrzehnte eine stabile Population bilden, um die andere die Eifel beneiden. In den Bayerischen Wald, zum Vergleich, kehrt die Wildkatze erst jetzt allmählich zurück. In der Eifel hingegen war die Wildkatze niemals ausgerottet.

Aufgeräumte Wälder überlebt

Sie hat auch die Phase der aufgeräumten Wälder überstanden, in der es verpönt war, abgestorbene oder entwurzelte Bäume einfach an Ort und Stelle der Natur zu überlassen. Denn in eben solchen Bäumen oder in deren versteckten Zwischenräumen pflegen die Wildkatzen ihre Jungen zur Welt zu bringen, aufzuziehen und sie vor den Fressfeinden, in erster Linie dem Fuchs, zu schützen. Inzwischen denkt der Mensch anders und sorgt dafür, dass hinreichend „Totholz” in den Wäldern zur Verfügung steht.

Im Nationalpark Eifel leben heute rund 50 Wildkatzen. Ermittelt wurde die Zahl mit „Fotofallen” und darauf basierenden Hochrechnungen. Diese Zahl ist verlässlich, weil Fachleute die Tiere allein anhand ihrer Fellzeichnung unterscheiden können.

„Die Zahl wird sich auch nicht großartig ändern”, prognostiziert Forstdirektor Gerd Ahnert vom Nationalparkforstamt, denn der Nationalpark ist angesichts des großen Reviers, das jede Wildkatze beansprucht, voll. „Von einer Verdichtung des Bestandes können wir deshalb nicht ausgehen, sondern höchstens von einer Ausdehnung.”

Das heißt, die Wildkatzen werden sich andere Reviere suchen. Aus diesem Grund sieht Ahnert den Nationalpark, die gesamte Nordeifel, den großen Teil der Eifel, der zu Rheinland-Pfalz gehört, und die belgischen Ardennen als einen „Verbund”, in welchem die „größte Wildkatzenpopulation Westeuropas” lebt.

Dass Katzenbabys, die im Wald umhertollten, mit nach Hause genommen worden sind, ist Ahnert nicht bekannt.

Allerdings wird in einer Fachzeitschrift von einem solchen Irrtum im Frühjahr 2009 in Baden-Württemberg berichtet. Dort hatte eine Joggerin zwei vermeintlich ausgesetzte Hauskatzenjunge eingesammelt. Doch schnell stellte sich heraus, dass die Tiere nicht zu domestizieren waren und es sich nur um Wildkatzenjunge handeln konnte.

Ließen sich nicht berühren

Die kaum fünf Wochen alten Kätzchen ließen sich nicht berühren und rannten bei Annäherung senkrecht die Wände hoch. Sogar die Hauskatze soll um die beiden „Findelkinder” einen großen Bogen gemacht haben. Auch noch mit knapp sechs Monaten im Auswilderungsgehege blieben die Tiere auf Distanz. Inzwischen leben „Hänsel und Gretel” wieder in der freien Natur, wo sie hingehören.

Auch wenn es, so Gerd Ahnert, eher unwahrscheinlich ist, dass es einen solchen Fall im Nationalpark gibt, so schließt er sich dennoch den Appellen anderer Tierschützer an: Im Zweifelsfall keine Katzenkinder aus der Natur mit nach Hause nehmen! Junge Wildkatzen sind nur sehr schwer von jungen Hauskatzen zu unterscheiden. Werden sie allein angetroffen, ist davon auszugehen, dass das Muttertier nach kurzer Zeit zurückkehrt.

Deshalb sollte man die jungen Katzen an Ort und Stelle lassen und die Forstbehörde informieren, die erst dann eingreift, wenn feststeht, dass die Katzenkinder nicht mehr von ihrer Mutter versorgt werden.
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