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Im Scheärmull-Bräu ist das letzte Bier gezapft

Von: ale
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Sein Projekt war ein Erfolgsmodell: die Kneipe Scheärmull-Bräu an der Roetgener Wilhelmstraße. Nun hört Rolf Schermuly auf. Foto: A. Lennartz

Roetgen. Das Scheärmull-Bräu in der Wilhelmstraße ist nun geschlossen. Am Sonntag hatte Rolf Schermuly seine Stammgäste eingeladen zum „Küchenkehraus und Fassleertrinken“. „Wir sind traurig“, sagten viele Roetgener. „Ich bin nicht traurig“, sagte Rolf Schermuly, „ich freue mich auf neue Aufgaben.“

Nach viereinhalb Jahren zieht er sich aus dem Wirtsleben zurück. „Ich habe mir hier einen Traum verwirklicht“, berichtet er, „ich wollte immer eine eigene Hausbrauerei haben und eine Schenke dazu. Das hatte ich hier, es hat sehr viel Anklang gefunden und viel Freude gemacht. Aber ehrlich gesagt, es artete in harte Maloche aus.“

Das Scheärmull-Bräu, anfangs ein Geheimtipp, mit bürgerlicher Küche und uriger Atmosphäre, entwickelte sich mehr und mehr zum beliebten Treff. „Ich fand es sehr schön, diese Kneipe zu führen. Es kam zu interessanten Begegnungen. Da gab es Leute, die wohnten 20 Jahre in der gleichen Straße und kannten sich nicht; die haben sich dann hier getroffen“, erzählt Rolf Schermuly.

Obwohl er nur von donnerstags bis sonntags geöffnet hatte und obwohl er keine Werbung für seine Kneipe machte, wurde der Zulauf immer stärker. „Wenn wir Reibekuchen anboten, saß die Terrasse rappelvoll mit Leuten. Überhaupt herrschte im letzten Sommer immer Hochbetrieb an den schönen Tagen. Man kann nämlich von morgens bis abends in der Sonne sitzen“, hebt der Wirt hervor.

Als dann seine selbst gebrauten Biere in den Ausschank kamen – ein Scheärmull-Bräu blond und ein Scheärmull-Bräu braun – sprach sich auch diese Neuheit rasch herum, und wieder fanden neue Kunden den Weg in die Wilhelmstraße. „Im Scheärmull-Bräu trifft man Menschen, die den Genüssen des Lebens zugänglich sind“, so lautete ein Grundsatz des humorvollen Wirtes, der stets für einen Scherz zu haben ist und sich auch mal gern selbst auf die Schippe nimmt. Auch Gäste aus Eschweiler, Aachen, Düren und Düsseldorf wurden „integriert“, die deftigen Gerichte aus der Brauhausküche schmeckten allen.

„Meine Hausbrauerei und Schenke, das sollte eine gemütliche Sache werden. Aber es hat sich zu einem stressigen Job entwickelt“, stellt Rolf Schermuly fest. „Es wurde einfach zu viel“, das hat auch seine Partnerin, Claudia Glasen, festgestellt. Auf einem kleinen Plakat, das mit „Time to say Good Bye“ überschrieben ist, kann man den Grund nachlesen, aus dem die Beiden nun aufhören: „Was als nette Rentnernummer gedacht war, hat sich so entwickelt, dass für Privates kaum noch Zeit bleibt…“

Eine Erfolgsgeschichte war das Scheärmull-Bräu auch für die Köchin, Tanja Busch. Rolf Schermuly hatte sie im ABK-Hilfswerk kennengelernt, dort war er 25 Jahre lang in verantwortungsvoller leitender Position tätig. Das ABK-Hilfswerk hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, junge Erwachsene, die aufgrund von psychischen Defiziten und/oder Verhaltensstörungen nicht in der Lage sind, ein selbstständiges Leben zu führen, auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Rolf Schermuly kannte Tanja Busch und wusste, dass sie gut kochen konnte. Sie machte eine Ausbildung und kochte mit Leidenschaft und Hingabe in der Brauhausküche. „Sie hat sich zu einem selbstständigen und selbstbewussten Menschen entwickelt, den alle sehr mögen. Fachlich als Köchin steht sie jenseits aller Kritik“, lobt sie ihr Chef. Für sie bedeutet die Schließung sicher eine nicht ganz leichte Umstellung; da aber wieder eine Gastronomie im Hause betrieben werden soll, wird sie ihre Tätigkeit beibehalten.

Rolf Schermuly geht nicht so ganz; er hat Baupläne in Roetgen. Möglicherweise wird man wieder von ihm hören, wenn er es im Unruhestand nicht aushält.

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