Im Reisefieber: Von Dedenborn über Java nach Neuseeland

Von: Peter Stollenwerk
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Genießen vor ihrer Weltreise noch die Welt in Dedenborn: Jessica Hommelsheim (li.), ihr Freund Dominik Rüttgers sowie Melanie Wijnhoven und ihr Freund Chris Beckers (re.) . Foto: P. Stollenwerk

Dedenborn. Der Traum von einer Weltreise ist schon älter, aber jetzt wird er Wirklichkeit: Am Montag, 22. Juli, beginnt für vier junge Leute der bisher abenteuerlichste und ungewöhnlichste Abschnitt ihres Lebens.

Jessica Hommelsheim (25) aus Dedenborn, ihr Freund Dominik Rüttgers (27) aus Vossenack sowie Melanie Wijnhoven (26), ebenfalls aus Dedenborn und ihr Freund Chris Beckers (26) aus Schinveld/NL, wollen wissen wie es ist, wenn man Familie und Freunde für sechs bis acht Monate zurücklässt, den Job kündigt, die Wohnung räumt und dann die Welt erkundet.

Der gemeinsame Traum, auf Weltreise zu gehen, ist schon drei Jahre alt. Nach anfänglicher Euphorie ruhten die tollkühnen Pläne zunächst, ehe das Quartett am Anfang des Jahres beschloss Nägel mit Köpfen zu machen. Jetzt oder nie, sagten sich die Freunde und die Vorbereitungen konnten beginnen.

Eine Menge zeitraubender Formalitäten wie Impfungen und Visa waren zu erledigen, vor allem aber zog das Quartett einen Strich unter die bisher in sicheren Bahnen verlaufende Lebensplanung. Jessica hängte ihre Arbeit an der Friseurmeisterschule an den Nagel, Melanie kündigte ihren Job als Physiotherapeutin in einer Reha-Klinik, Dominik stieg nach seiner Referendarzeit aus, und Chris kündigte seinen Job als Ingenieur in der Fahrzeugentwicklung.

Auch die Chefs ziehen mit

Diese Entscheidung war für die vier jungen Leute durchaus mit großen Bedenken verbunden, aber alle Chefs konnten gut nachvollziehen, dass man eine solche Chance ergreifen muss und deshalb haben sie ihren Mitarbeitern auch die Option eingeräumt, später wieder in den Job zurückkehren, auch wenn es dafür keine feste Zusage gibt.

Am 22. Juli startet das Unternehmen „Weltreise“ ab dem Flughafen Köln. Die erste Station ist die russische Hauptstadt Moskau. Drei Tage später heißt es dann einsteigen in die transmongolische Eisenbahn, quer durch Sibirien bis nach Peking.

Die mehrtägige Eisenbahntour dürfte dann schon zu einer Prüfung der besonderen Art werden, denn obwohl sich die vier Weltreisenden lange kennen, viel Zeit miteinander verbringen und Jessica und Melanie seit Dedenborner Kindergartenzeiten die besten Freundinnen sind, ist man gespannt, wie sich das ununterbrochene Zusammensein auf engem Raum auf das zwischenmenschliche Gefüge auswirkt. „Diese Reise wird für unsere Beziehungen ganz sicher zu einem Härtetest“, sind sich die Freunde einig, und Chris sagt wie es ist: „Wir können uns nicht aus dem Weg gehen.“

Gegenseitige Rücksichtnahme aber war schon bei der Vorbereitung angesagt. „Wir haben die Reiseroute an unseren Wunschzielen orientiert“, sagt Chris, „aber dabei mussten wir auch Kompromisse eingehen,“ ergänzt Melanie. Mit „riesiger Vorfreude, aber auch einer gehörigen Portion Respekt“, so Dominik, nehme man das Projekt in Angriff.

Die exotischen und nicht alltäglichen Ziele genossen natürlich Vorrang, aber da auch die Reisekasse und der Faktor Zeit eine Rolle spielten, wurden zwei Kontinente, Amerika und Afrika, aus dem Programm gestrichen.

Dennoch ist es nicht gelungen, alle Wunschziele unter einen Hut zu bekommen, deshalb werden sich in der chinesischen Hauptstadt auch für anderthalb Monate die Wege trennen.

Chris und Melanie zieht es über Nepal zum Himalaya. Hier begibt man sich zum Basislager der Mount Everest-Route auf 5700 Meter und man ist gespannt auf die Verträglichkeit der Höhenluft. Die beiden haben sich einer Gruppe angeschlossen, denn es ist inzwischen ausgeschlossen, selbstständig aufs Dach der Welt zu gelangen.

Jessica und Dominik werden unterdessen drei Wochen in China unterwegs sein, um das indonesische Inselreich, vor allem Java und Bali, zu entdecken.

Ende September, so ist geplant, treffen sich alle vier wieder in Bangkok. Über Thailand und Malaysia führt diese Reise dann Mitte November nach Australien. Auf dem fünften Kontinent ist eine Tour mit dem Wohnmobil entlang der Ostküste geplant. Zum Jahreswechsel wollen die Weltreisenden in Neuseeland sein.

Am anderen Welt wird die Reisekasse geprüft und das weitere Vorgehen erörtert. „Ab da ist alles offen“ , sagt Dominik. Wenn noch Geld und Lust vorhanden sind, wird die Reise fortgesetzt. Spätestens Mitte März 2014 aber müssen alle wieder zurück sein.

Geld und Gepäck sind zwei wesentliche Faktoren bei der Reiseplanung. Etwa 12000 Euro hat jeder gespart, und da man ohnehin nicht alles für eine monatelange Reise mitnehmen kann, muss die Minimal-Ausstattung in einen 40- bzw. 55 Liter-Rucksack passen, der zwischen zehn und zwölf Kilogramm wiegen wird. „Wir haben weniger Gepäck als ein Pauschal-Urlauber in seinem Koffer dabei“, lacht Dominik, und Melanie verlangt von sich selbst strengste Disziplin beim Packen: „Es kommt auf jedes Gramm an. Da merkt man erst einmal, was man alles nicht braucht.“

Und auch Chris denkt ganz praktisch, da man sich ohnehin in klimatisch höchst unterschiedlichen Regionen befindet. „Am Himalaya kaufe ich mir einen Pullover, den ich anschließend wieder verschenke.“

Einige Dinge aber dürfen im Reisegepäck überhaupt nicht fehlen. Für Jessica ist es die Haarschneidemaschine und für Melanie ein Reisebegleiter mit vielen praktischen Tipps bis hin zu einem umfangreichen Telefonverzeichnis - natürlich als E-Book.

Am Wochenende stieg in Dedenborn die große Abschiedsparty mit 150 Gästen. Da mangelte es nicht an ehrlich gemeinten Tipps und intensiven Abschiedsszenen.

Und was sagen eigentlich die Eltern zum Ausstiegsprojekt auf Zeit? Auch in diesem Punkt erhielten die Vier volle Unterstützung vom Elternhaus, sich auf das Abenteuer einzulassen: „Macht es auf jeden Fall und kommt wieder gut nach Hause!“

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