Nordeifel - Im Lkw durch die Eifel: Mit freundlicher Stimme ins Verderben

Im Lkw durch die Eifel: Mit freundlicher Stimme ins Verderben

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
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Die bislang spektakulärste Irrfahrt eines Schwerlastzuges ins Grünental endete im Juni 2008 auf einem Feldweg in Widdau. Auch hier hatte sich der slowenische Fahrer auf sein „Navi” verlassen. Foto: Archiv/Stollenwerk

Nordeifel. Irrfahrt eines slowenischen Schwertransporters in Widdau, Sattelschlepper in den engen Gassen der Monschauer Altstadt oder wie erst diese Woche ein havarierter 40-Tonner im tiefen Grünental. Die „Segnungen” moderner Navigationstechnik, aber auch unzureichende oder nicht beachtete Beschilderung sorgen auf den Eifelstraßen zu erheblichen Problemen mit dem Schwerlastverkehr.

„Einige unserer Straßen sind einfach nicht für solche Schwergewichte gebaut”, stellte Ralf Arnolds vom gleichnamigen Rollesbroicher Abschleppunternehmen am Dienstag fest, nachdem er den Hamburger 40-Tonner in einer tagesfüllenden Aktion aus seiner misslichen Lage befreit und die mehr als 20 Tonnen schwere Papierfracht bei der Druckerei in Imgenbroich abgeliefert hatte.

Es war nicht der erste Einsatz dieser Art für Arnolds, und auch andere Firmen und Organisationen, die für die Bergung schwerer Kraftfahrzeuge ausgestattet sind, können nicht über einen Mangel an Beschäftigung klagen.

In der Regel ortsfremd

Warum aber kommen - in aller Regel ortsfremde - Brummifahrer im Monschauer Land gerade in jüngster Zeit immer häufiger vom rechten Weg ab? Ein Problem dürfte sein, „dass Lkw-Fahrer sich von einem Navigationsgerät mit nicht aktueller oder nur für Pkw geeigneter Straßensoftware leiten lassen”, ist unser Leser Manfred Jansen aus Rohren überzeugt. Jansen hatte sich, wie auch eine Vielzahl weiterer Leser, nach dem Vorfall am Dienstag zu dem Thema geäußert und eine öffentliche Diskussion angeregt, „ehe es den ersten Schwerverletzten oder Toten gibt”.

Neben der technischen Ursache für die vermehrten Irrfahrten komme erschwerend hinzu, dass mancher Fahrer nur auf das „Navi”, nicht aber auf die Beschilderung am Straßenrand achte. In Rohren beispielsweise, Jansens Wohnort, wird gleich zweimal auf das „Nadelöhr” Widdau/Grünental hingewiesen, zwei Schilder verbieten dort die Durchfahrt für Fahrzeuge schon über 3,5 Tonnen. Trotzdem begegnet man immer wieder „dicken Brummis”, die sich durch Widdau quälen.

Im Falle des am Dienstag verirrten Hamburger 40-Tonners war der Fall etwas anders gelagert. Auf der Grünentalstraße am Ortsausgang von Imgenbroich verbietet ein Warnschild lediglich die Durchfahrt für Gefahrguttransporte von mehr als 7,5 Tonnen, nicht aber für „normale” Lkw.

Doch selbst wenn die Beschilderung ordnungsgemäß sei, „verlassen sich viele Fahrer auf die elektronischen Ansagen, so unwahrscheinlich sich die Begebenheiten mit Blick durch die Windschutzscheibe auch zeigen”, verweist Manfred Jansen auf Aussagen von Verkehrspsychologen in den Medien.

Wenn sich Lkw-Fahrer dadurch in Schwierigkeiten bringen, ist das aber nur eine Sache - die schwerwiegendere ist für den Berufspendler aus Rohren die Gefahr für andere Autofahrer, wie er aus seiner tagtäglichen Beobachtung berichtet: „Die 40-Tonner und sonstigen Schwergewichte, die mir in letzter Zeit in Widdau oder auf der engen Kreisstraße 21 vom Grünental hoch nach Imgenbroich begegnet sind, kann ich nicht mehr zählen. Dabei kommt es speziell in Kurvenbereichen zu sehr gefährlichen Situationen. Was ein Lkw mit nicht angepasster Geschwindigkeit bei der Bergabwärtsfahrt mit einem Pkw veranstalten kann, dürfte jedem klar sein”, sagt der Autofahrer aus Rohren.

Monschau gesucht

„Brummis auf Abwegen” hat auch unsere Leserin Karin Frenken aus Monschau beobachtet, „und das nicht zu knapp”. Tagtäglich ist die Altstadtbewohnerin schon früh am Tage mit ihrem Hund auf der St. Vither Straße unterwegs und schickt beinahe täglich verirrte Lkw-Fahrer zurück, die schnurstracks auf die engen Altstadtgässchen zusteuern.

Auch Karin Frenken weiß, dass sehr häufig Navigationsgeräte mit einer freundlichen Stimme, aber nicht aktuellem Kartenmaterial an der Irrfahrt Schuld sind. Das größere Problem aber sei hier, dass ortsunkundige Lastwagenfahrer „Monschau” als Bestimmungsort auf ihrem Lieferschein stehen hätten und, auf der B399 von Höfen kommend, an der „Kalterherberger Kehre” dann auch nach „Monschau” rechts abbiegen, berichtet die Altstadtbürgerin.

Dabei verbietet gerade dort ein absolutes Verbotsschild für Lkw die Einfahrt in die Altstadt. Auch Imgenbroich und das Gewerbegebiet mit dem entsprechenden Symbol sind frühzeitig ausgeschildert, was aber offenkundig von vielen Fahrern übersehen wird. Bei älteren Karten und Software-Versionen heißt die Hans-Georg-Weiss-Straße im Gewerbegebiet ohnehin noch „Industriestraße”, und dann ist die Irrfahrt programmiert.

Vielleicht könnte ja in beiden Fällen - in Imgenbroich wie auch an der „Kalterherberger Kehre” - ein zusätzliches Schild für mehr Klarheit sorgen und auch den letzten ortsfremden „Brummifahrer” auf den rechten Weg bringen.
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