Monschau - Hollywood stellt Monschau auf den Kopf

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Hollywood stellt Monschau auf den Kopf

Von: Andreas Gabbert
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„Monschau ist absolut Hollywood tauglich“: Produzent Daniel Hetzer ist von der Stadt begeistert. Foto: A. Gabbert

Monschau. Der Marktplatz in der Altstadt ist verwüstet. Zertrümmerte Blumenkübel und zerstörte Autos liegen herum. Scheinwerfer werden aufgebaut, Touristen halten an und beobachten neugierig das Geschehen, Leute reden in verschiedenen Sprachen wild durcheinander.

„Hier können Sie nicht stehen bleiben, wenn wir drehen“, sagt ein junger Mann mit Sonnenbrille auf den Augen und einem Funkgerät in der Hand. „Alles auf Anfang bitte“, ruft eine Frau mit Hut. In Monschau wird wieder ein Film gedreht – Hollywood stellt die Altstadt auf den Kopf.

„Autobahn“ lautet der Arbeitstitel des Actionthrillers mit Top-Besetzung. Das junge amerikanische Liebespaar Casey (Nicholas Hoult) und Juliette (Felicity Jones) wird in ein adrenalingeladenes Katz-und-Maus-Spiel quer durch Deutschland verwickelt und gerät zwischen die Fronten zweier gnadenloser Gangster, die von den Oscar-Preisträgern Sir Anthony Hopkins und Sir Ben Kingsley gespielt werden. Diese Beiden sind bei den Dreharbeiten in Monschau aber nicht dabei.

Das Budget für diesen Film liegt bei 29 Millionen Euro. Die internationale Koproduktion wird komplett in Nordrhein-Westfalen gedreht. Außerdem sind auch hochkarätige deutsche Schauspieler wie Joachim Król, Aleksandar Jovanovic und Erdal Yildiz dabei. Die Regie hat Eran Creevy übernommen, für das Drehbuch ist er zusammen mit F. Scott Frazier verantwortlich.

„Absolut Hollywood-tauglich“

„Wir drehen in Monschau, weil es einer der schönsten Orte in Deutschland ist. Ich hatte hier schon mal einen Kaffee getrunken. Als mir dann ein befreundeter Regisseur erzählte, er habe von Monschau in der Los Angeles Times gelesen, sind wir zusammen noch mal hergekommen und waren völlig begeistert“, sagt Daniel Hetzer, der zu den Produzenten der internationalen Produktion gehört. Gerade auch wegen der engen Gassen passe die Altstadt sehr gut zu diesem Film.

„Monschau ist ein pittoresker Ort und absolut Hollywood-tauglich. Deshalb sind wir hier“, sagt Hetzer. Die Idylle der Stadt biete einen tollen Kontrast zu den Autobahnszenen. „Im Film werden bestimmt fünf bis sechs Minuten aus Monschau zu sehen sein. Auch das Ortsschild werden wir zeigen. Was wir hier drehen, wird ein wesentlicher Bestandteil des Films sein. Es handelt sich um Schlüsselszenen“, erklärt Hetzer.

Die besondere Herausforderung des Filmteams ist, den Film umzusetzen, ohne das Leben der Anwohner und Geschäftsleute zu sehr zu stören. „Eine Crew aus 250 Leuten, Hunderte von Statisten und Touristen zu koordinieren ist nicht einfach. Deshalb haben wir auch zahlreiche Mitarbeiter dabei, die auf einen reibungslosen Ablauf achten“, sagt Hetzer. Die meisten Anwohner hätten Verständnis für die Umstände. Natürlich sei ihm bekannt, dass es durch die Dreharbeiten Einschränkungen gebe, da falle dann auch schon mal ein Kommentar.

Ortsvorsteher Georg Kaulen hat von den Bewohnern der Altstadt viele positive Reaktionen erhalten. Die meisten fanden es interessant zu sehen, mit welchem Aufwand solch ein Kinofilm produziert wird. Negative Reaktionen habe es von zwei Geschäftsleuten gegeben, weil Absprachen nicht eingehalten worden seien, sagt Kaulen.

Für Jochen Kaulard, der sein Café direkt am Marktplatz betreibt ist „alles ok“. Jetzt seien die Dreharbeiten zwar nicht förderlich für das Geschäft, Kaulard hofft aber auf einen enormen Werbeeffekt durch den Film. „Vielleicht halten die auch mit der Kamera auf das Café, dann hat sich ohnehin alles rentiert“, sagt Kaulard. Die Mitarbeiter des Filmteams seien sehr umgänglich, die Verständigung sei kein Problem, ein Kompromiss werde immer gefunden. „Ich sehe das positiv, andere vielleicht nicht“, sagt Kaulard.

Mindestens 100 Autos zerstört

Der Betreiber des Lütticher Hofs, Frank Vecqueray, rechnet zwar mit Einbußen ist aber froh, „dass etwas in Monschau passiert“. Außerdem hätten die Geschäftsleute in der Altstadt teilweise auch Entschädigungen erhalten. Auch er bezeichnet das Filmteam als nett, freundlich und geduldig. „Die bisherigen Drehs für Fernsehfilme waren ein Kindergarten im Vergleich zu dem Aufwand, der jetzt betrieben wird. Da wird in zehn Jahren noch drüber gesprochen“, sagt Vecqueray.

Bei den Verfolgungsjagden, die in der Altstadt gedreht werden, kommen keine Computertricks zum Einsatz. „Die Geschwindigkeit der Fahrzeuge ist echt“, sagt Hetzer. In der Altstadt sei aber „noch nichts Nennenswertes kaputt gegangen“. Ganz im Gegensatz zu den zahlreichen Autos, die für den Film zerschrottet wurden. „100 Autos werden wir auf jeden Fall zerstören. Manchmal ist das wirklich schade“, sagt der Produzent.

Am Mittwoch war der letzte Drehtag in Monschau. Der letzte Drehtag in Deutschland wird der 9. Juli sein. „Dann haben wir insgesamt 48 Tage in NRW gedreht“, sagt Hetzer.

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