Roetgen - Hörenswertes von der Insel in der Evangelischen Kirche Roetgen

Hörenswertes von der Insel in der Evangelischen Kirche Roetgen

Von: Dr. Josef Schreier
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Brachten englische Musik dem kleinen Zuhörerkreis in Roetgen näher: Barbara Mergelsberg (Sopran), Yvonne Schabarum (Oboe) und Viviane Heck (Piano). Foto: Josef Schreier

Roetgen. Eine originelle Idee mit tiefreichendem Hintergrund: den „Brexit“ zum Ausgangspunkt eines Konzerts zu machen, um damit zweierlei anzudeuten. Einmal die Frage, ob nicht tatsächlich hinter dieser im Schlagwort bezeichneten (und bedauerlichen) politischen Entscheidung eine bisher unterschätzte mentale Differenz liegt, die (auch) in den unterschiedlichen musikalischen Idiomen sich zeigt.

Und zweitens, ob vielleicht gerade im Musikalisch-Künstlerischen auch eine gemeinsame Basis deutlich wird, auf die man sich neu besinnen kann.

Auf diesem Hintergrund ist das Projekt der schon mehrfach im Monschauer Land aufgetretenen Oboistin Yvonne Schabarum sehr zu begrüßen. Zusammen mit der Pianistin Viviane Heck und der Sopranistin Barbara Mergelsberg bot sie am Sonntag in der Evangelischen Kirche in Roetgen einen „Streifzug durch die Musik Großbritanniens“, der sehr ansprach und überzeugte; es wäre ihm allerdings ein bedeutend größerer Publikumszuspruch zu wünschen gewesen.

Im Blick auf die anlässlich des „Brexit“ fraglich gewordene Einheit innerhalb Europas ist es in der Tat auffällig, dass die klassische Musik der britischen Insel hierzulande recht wenig bekannt ist. So werden die am Sonntag dargebotenen Stücke und selbst die Namen der Komponisten manchem Zuhörer neu gewesen sein.

Aber andererseits mögen doch die ansprechenden, in der Interpretation der ostbelgischen Künstlerinnen sogar anrührenden Werke einen Weg gebahnt haben zu einer emotionalen Annäherung an das, was zunächst fremd anmuten mochte.

Dowland und Purcell zum Beginn

Den Anfang des Konzerts bezeichneten zwei bekanntere Komponisten aus der Zeit des Renaissance und des Barock, nämlich John Dowland und Henry Purcell. Schon bei diesen beiden Gesangsstücken fiel die lebendige Gestaltung der Sopranistin Barbara Mergelsberg auf, die freilich unter der immer noch ein wenig ungünstigen Überakustik der restaurierten Roetgener Kirche zu leiden hatte. Dankbar begrüßte man die Lesung der übersetzten Texte durch Pfarrer Wolfgang Köhne.

Ein Höhepunkt war dann sogleich eine Auswahl aus den „Ten Blake Songs“ von Ralph Vaughan Williams für Sopran und Oboe. Hier hatte der Nestor der neueren englischen Musik (der bei uns leider trotz seiner Bedeutung immer noch weithin unbekannt ist) noch in hohem Alter, 1957, kurz vor seinem Tode, eine Reihe von Texten des berühmtesten Außenseiters der englischen Literatur, William Blake, ausgewählt und als eine Art Vermächtnis in Musik gesetzt.

Die einfache, auf Volkslieder zurückgehende Vertonung machte in der Interpretation durch Barbara Mergelsberg und Yvonne Schabarum einen intensiven und berührenden Eindruck.

Das gleiche gilt für das zweite Hauptwerk des Nachmittags, nämlich der Sonate für Oboe und Klavier von Edmund Rubbra, bei der auch der kundige und souveräne Klavierpart von Viviane Heck auffiel. Kleinere Beiträge stammten von den zwei allgemein – auch bei uns – bekanntesten Komponisten Englands, nämlich Edward Elgar und Benjamin Britten.

Etwas aus dem Rahmen fallend – auch qualitätsmäßig – war ein kleiner Song aus einem Musical von Andrew Lloyd Webber, bevor dann das Programm mit einer deutschen Arie von Georg Friedrich Händel zu Ende ging. Händel war zwar Deutscher, gilt aber dennoch, da er den größten Teil seiner Wirkung in London entfaltete, als einer der größten Komponisten Englands. Vielleicht kann er insoweit als ein Vorbild dienen für eine neu zu beschwörende und zu gestaltende Einheit des bald Getrennten.

Den drei Künstlerinnen galt ein überaus herzlicher Beifall des – wie erwähnt – leider allzu spärlichen Publikums; sie dankten es mit der Zugabe eines Songs der Beatles.

 

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