Hinter der Mauer: Statt Wiese, Pferde und Kühe nur noch Beton am Lidl

Von: hes
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„Das glaubt man erst, wenn man es gesehen hat”, sagt Tanja Jansen und führt sich, ihre Familie und die Nachbarn im Hengstbrüchelchen von der Politik buchstäblich und im übertragenen Sinne hinters Licht geführt. Den Kampf gegen die gewaltige Baumaßnahme am Lidl in Imgenbroich, so ist sie sicher, „hatten wir verloren, ehe er begonnen hatte”. Foto: H. Schepp

Imgenbroich. „Wenn wir hier zur Miete wohnen würden, wären wir längst weg”, sagt Tanja Jansen und deutet aus dem Wohnzimmerfenster. Noch vor einem guten halben Jahr hatten sie und ihre Familie von hier aus einen Blick auf eine große, weite Wiese, auf Pferde und Kühe, die hier weideten, auf viel Grün und „auf spielende Kinder aus dem ganzen Hengstbrüchelchen”, wie sich die junge Frau erinnert.

„Hier im Wohnzimer haben wir uns die meiste Zeit aufgehalten, hier haben wir gelebt”, erzählt Tanja Jansen. Doch das ist nun vorbei.

Seit einigen Monaten endet der Blick nach draußen kurz hinter dem Garten der Jansens, wo eine riesige, hässliche Betonwand jegliche Sicht nimmt. Knapp sechs Meter hoch und mehr als 100 Meter lang ist das Monstrum und erlaubt so auch nicht, rechts oder links vorbei zu schauen.

„Das glaubt man erst, wenn man es hier von uns aus sieht. Von der vorbeiführenden Straße aus wirkt das nicht so gewaltig, weil die neue Kreisstraße 16 etwas höher liegt”, weiß Tanja Jansen und hat sich vorgenommen, „jedem, der es sehen möchte, ihren neuen Ausblick zu präsentieren. „Radio, Fernsehen, Politiker, Bürger und Freunde - sie alle sind herzlich eingeladen, sich dieses Baudenkmal anzusehen”, sagt sie verbittert und weiß doch, dass sie und ihre Familie rechtlich keine Handhabe mehr gegen die Bebauung haben.

Bereits im Frühjahr soll im riesigen Gebäude der neuen Gewerbezone am Lidl in Imgenbroich Eröffnung gefeiert werden, ein Elektronikmarkt und ein Bettenhaus werden dann hier unter anderem einziehen und neue Kundenströme anlocken.

„Wo sollen unsere Kinder eigentlich noch spielen?” fragt sich Tanja Jansen, die sich sicher ist, „für die ganze Nachbarschaft zu sprechen”. Im Garten der Jansens verliert sich durch den Riesenbau kaum noch ein Sonnenstrahl, die Wiesen dahinter sind jetzt zubetoniert, und vor dem Haus ist es lebensgefährlich zu spielen, „weil hier seit dem Bau der neuen K16 noch schneller gefahren wird als vorher”, wie die Anwohner des Hengstbrüchelchen beobachtet haben.

„Unsere Nachbarn sind vor einiger Zeit aus Brand nach hier gezogen, weil sie einen Ausblick aufs Grüne haben wollten”, erzählt Tanja Jansen und fügt ironisch hinzu: „Aber Hengstbrüchelchen liegt jetzt im Osten”, erinnert sie der Bau an typische DDR-Betonklötze und an die Berliner Mauer. „Nur dass diese Mauer leider nicht eingerissen wird.”
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