Nordeifel - Hilfe aus der Eifel kommt auf dem Balkan an

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Hilfe aus der Eifel kommt auf dem Balkan an

Von: Andreas Gabbert
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Nordeifel. Eindrucksvoll hatten die Eifeler ihre Hilfsbereitschaft unter Beweis gestellt, als die Familie Halilovic aus Höfen einen Hilfstransport für die Flutopfer auf dem Balkan organisieren wollte. Nachdem die zahlreichen Hilfsgüter in einem 40-Tonnen-Lkw und einem Sprinter-Bus verstaut waren, machten sich die Halilovics sowie Bernd Kreutz und Thomas Palm an dem Freitag nach Christi Himmelfahrt auf den Weg nach Bosnien in die Gegend um die Stadt Modrica.

Die Fahrt verlief zunächst ohne größere Probleme, die gab es erst, als sie am Samstag gegen 21 Uhr an der kroatisch-bosnischen Grenze ankamen. Ohne Bestechungsgeld wollten die Beamten den Transport nicht weiterfahren lassen. Lediglich die Tatsache, dass es sich um Hilfsgüter handelte und die Drohungen eines mit der Familie Halilovic befreundeten Polizisten bewogen die Zöllner zum Umdenken. „Sonst hätten wir noch lange da gestanden“, sagt Thomas Palm.

Bis dahin hatten die Helfer noch nicht viel von den Flutschäden mitbekommen. „In Kroatien standen einige Felder unter Wasser. Das war nicht so dramatisch“, sagt Bernd Kreutz. Das änderte sich nach dem Passieren der Grenze. Die teilweise ausgespülten Straßen mit zahlreichen Baustellen zogen sich wie Dämme durch die Landschaft. In der Luft lag ein starker Modergeruch. Links und rechts der Straße konnten sie das Wasser blitzen und im Scheinwerferlicht der Fahrzeuge den Müll in den Bäumen hängen sehen.

Gegen Mitternacht war die rund 1400 Kilometer weite Fahrt beendet. Die Transporter wurden auf einem bewachten Parkplatz abgestellt und im Elternhaus von Jasna Halilovic gab es erstmal eine Stärkung für die Helfer aus der Eifel.

Nach einer recht kurzen Nacht machten sie sich dann am Sonntag um 10 Uhr mit rund 40 Helfern aus der Region in einer vom Roten Kreuz angemieteten Halle ans Abladen. Begrüßt wurden die Eifeler dort von offiziellen Vertretern der Stadt Modrica und des Roten Kreuzes. „Die Leute waren begeistert, dass die Menschen in der Eifel an sie denken. Unser Lkw war der größte, der dort angekommen ist, und die Sachen, die wir mitgebracht haben, konnten sie auch wirklich brauchen“, sagt Mirsad Halilovic.

Von dort wurden die Hilfsgüter aus der Eifel dann mit Kleinbussen und Autos weiter verteilt. Wohin, entschied das Rote Kreuz. „Ich habe gesehen, wie etwas in der Straße meiner Schwester verteilt wurde. Es ist schön zu sehen, dass die Dinge ankommen“, sagt Jasna Halilovic.

Auf einer Tour durch die nähere Umgebung trafen die Eifeler auf brennende Müllhaufen, hohen Schlamm, Mücken und furchtbaren Gestank. Hinzu kommt, dass oft die simpelsten Dinge nicht funktionieren. Fließendes Wasser oder Strom gibt es vielerorts nicht. „Was mich am meisten geschockt hat, ist, dass es kaum nationale Hilfskräfte gibt. Die Leute müssen sich meist selber helfen“, sagt Thomas Palm. Manchmal hat er seine Kamera wieder weggepackt, weil er sich geschämt hat, als Deutscher, dem es gut geht, das Unglück anderer zu dokumentieren.

Am Montagmorgen sind Palm und Kreutz wieder aufgebrochen. Die Halilovics sind noch bis zum Freitag geblieben und haben sich noch andere Gegenden angesehen. „Da war es noch schlimmer, insbesondere wegen der Erdrutsche, die ganze Häuser begraben haben“, sagt Mirsad Halilovic.

„Ich bin froh, dass wir das gemacht haben. Mir ging das Herz auf, als ich gesehen habe, wie die Hilfe ankommt“, sagt Jasna Halilovic rückblickend. Das sieht auch Thomas Palm so: „Die Tour war sehr eindrucksvoll, mit einem hohen Maß an Emotionen – von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Wenn man sieht, dass die Hilfe an den richtigen Stellen ankommt, macht das froh.“ „Zurück bleibt ein Gefühl von Demut. Da sieht man erstmal, wie gut es uns eigentlich geht und in was für einem tollen Land wir leben“, lautet das Fazit von Bernd Kreutz. Mirsad Halilovic ist immer noch überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Eifeler. „Das macht Mut, weiter zu helfen. Ich bin froh, in der Eifel zu leben“, sagt der 56-jährige Höfener.

Nun gibt es Überlegungen, einen weiteren Transport zu organisieren. Diesmal würde dann gezielt nach Bedarf gesammelt. „Wenn in zwei Monate keiner mehr darüber spricht, ist der Bedarf aber immer noch da“, sagt Palm. Zuerst ist jetzt aber ein Grillfest mit allen Helfern und Spendern geplant. Der Termin wird noch bekanntgegeben.

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