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Hendrik Ritter startet bei den Special Olympics in den USA

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
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Der 13-jährige Hendrik Ritter aus Imgenbroich startet bei den Special Olympics im Ski Langlauf. Foto: A. Gabbert

Imgenbroich. Seine Aufregung wächst von Tag zu Tag. Bald ist es soweit, dann fliegt Hendrik Ritter (13) aus Imgenbroich zu den Special Olympics nach Idaho in den USA, um dort im Skilanglauf anzutreten. Die Special Olympics sind die Weltwinterspiele für Menschen mit geistiger Behinderung.

Vom 7. bis zum 13. Februar werden in Idaho über 3000 Athletinnen und Athleten aus mehr als 100 Ländern erwartet.

In den Sportarten Ski Alpin, Ski Langlauf, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Snowboard, Schneeschuhlauf und Floor Hockey werden die sportlichen Wettbewerbe nach dem Motto des Special Olympics Eids ausgetragen: „Lasst mich gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann, so lasst mich mutig mein Bestes geben.”

Hendrik ist Autist, bei ihm wurde das Asperger-Syndrom (AS) diagnostiziert. Es gilt als leichte Form des Autismus und manifestiert sich etwa ab dem dritten bis fünften Lebensjahr.

Eines der schwerwiegendsten Probleme für Menschen mit AS ist das beeinträchtigte soziale Interaktionsverhalten. Es fällt ihnen schwer zwanglose Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen, problematisch ist auch die nonverbale Kommunikation, zum Beispiel das Deuten von Gestik und Mimik.

Menschen mit AS haben nach außen hin keine offensichtlichen Anzeichen einer Behinderung. So können selbst Menschen, die sich ansonsten durch Toleranz gegenüber ihren behinderten Mitmenschen auszeichnen, die Schwierigkeiten von Menschen mit AS als bewusste Provokation empfinden.

Wenn etwa eine betroffene Person auf eine an sie gerichtete Frage nur mit Schweigen reagiert, wird dies oft als Sturheit und Unhöflichkeit gedeutet. Soziale Regeln, die andere intuitiv beherrschen, müssen erst mühsam angeeignet werden.

Daher haben Menschen mit AS oft keine oder kaum Freunde. So geht es auch Hendrik. „Freunde hat er nicht”, sagt seine Mutter Sieglinde. Hendrik nimmt nicht wahr, wenn ihn jemand mag.

Viel gemeinsam machen

Unter der Woche besucht Hendrik das Internat des IDGS (Institut der Deutschsprachigen Gemeinschaft für Sonderunterricht) in Eupen. Dort wird viel gemeinsam gemacht, so soll Hendrik seine soziale Interaktion verbessern.

Dazu beitragen sollen auch seine Aktivitäten im Behindertensportzentrum der Deutschsprachigen Gemeinschaft. „Der Verein hat Hendrik viel geholfen, er hat sich einen kleinen Bekanntenkreis aufgebaut, den er auch nach dem Wechsel von der Grundschule wiedergetroffen hat”, freut sich Sieglinde Ritter.

Seit fünf Jahren trainiert Hendrik jeden zweiten Freitag von 17.30 bis 20 Uhr im Sportzentrum Worriken. Im Behindertensportclub fühlt er sich sicher und wohl.

Sieht man ihm beim Training zu, merkt man wieviel Spaß es ihm macht und mit welchem Eifer er bei der Sache ist. Hendrik strahlt dann über das ganze Gesicht.

„Hier kommt eine bunte Mischung von Menschen mit den verschiedensten Behinderungen zusammen. Sport wird hier ganz anders betrieben, der eine guckt gerade mal wieder an die Decke während andere einem Ball hinterherjagen, das Mitmachen steht hier im Vordergrund”, erklärt Sieglinde Ritter.

Die meisten der rund 45 Mitglieder des Vereins sind Schüler bzw. ehemalige Schüler der Grundschule für differenzierten Unterricht in Elsenborn.

Alex Langer ist Sportlehrer an der Grundschule und gemeinsam mit seiner Frau Dominique Trainer und Geschäftsführer des Vereins. Vor 20 Jahren hat er den Verein gegründet, um nach der Grundschulzeit seiner Schüler weiterhin mit ihnen sportlich aktiv sein zu können und sie zu begleiten. Seit 14 Jahren ist der Verein jetzt als „Leistungszentrum für Athleten mit einer geistigen Behinderung” anerkannt.

Sammlung von Medaillen

Jedes Jahr treten die Athleten des Vereins bei den nationalen belgischen Special Olympics an. Hendrik war schon dreimal dabei und hat sich schon eine ganze Sammlung von Medaillen zugelegt, die er gerne stolz präsentiert.

Sechs der Athleten aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft werden nun mit 13 anderen Sportlern das Königreich Belgien bei den Winterspielen in Idaho vertreten.

„Die Stimmung ist auch bei den nationalen Spielen super, die Menschen stehen im Mittelpunkt und werden gefeiert so wie sie sind. Jeder einzelne wird mit einem Trommelwirbel ausgerufen”, erzählt Hendriks Mutter begeistert.

Am meisten freut sich Hendrik aber auf den Flug, auch wenn dieser 19 Stunden dauern wird, denn das Fliegen ist seine große Leidenschaft. Schon so manche Strecke hat er hinter dem Steuer seines Flugzeugsimulators zurückgelegt.

Natürlich ist die ganze Familie etwas aufgeregt, schließlich ist das „eine große Sache” für Hendrik, und so weit weg war er auch noch nie. Sorgen machen sich die Ritters aber nicht. Schließlich wissen sie, dass ihr Sohn gut aufgehoben ist.

„In der Schule und im Verein trifft man viele Bekannte aus Deutschland, die die Betreuung der Kinder in Belgien zu schätzen wissen - die Herangehensweise ist anders als bei uns”, sagt Sieglinde Ritter.

Außerdem haben die Langers und die anderen Betreuer des Vereins bereits eine Menge Erfahrung mit solchen Veranstaltungen. Sechsmal haben Athleten des Behindertensportclubs, darunter auch Sportler aus der Eifel, bereits an den Winterspielen teilgenommen und dabei zum Beispiel Nagano in Japan oder Toronto in Canada kennengelernt. Das alles ist nur durch Sponsoren möglich.

Zu den Unterstützern zählen u.a. auch der ehemalige belgische Radprofi Eddie Merks und das belgische Königshaus. Um dies alles stemmen zu können ist auch der Verein auf die Unterstützung von Sponsoren und ehrenamtlichen Betreuern angewiesen. Interessierte können sich bei Alex und Dominique Langer unter 0032 80 570071 oder bsc.dg@skynet.be melden.
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