Heide lässt das Hohe Venn jetzt aufblühen

Von: dm
Letzte Aktualisierung:
heideblüte-bu
Jetzt, da das Heidekraut angefangen hat zu blühen, beginnt die schönste Zeit des Hohen Venns. Besonders große Heideflächen gibt es im südlichen Brackvenn kurz hinter Mützenich an der Nationalstraße nach Eupen. Die Besonderheiten in diesem weiten Venn: die Pingos, die alten Torfstiche und der Rundweg, der die Wanderer sicher über die Moore führt. Foto: dm

Nordeifel. Jetzt beginnt die schönste Zeit für das Hohe Venn: Aus dem braunen Moorboden ist das erste Heidekraut aufgeblüht, die schöne Vennheide, deren Blüten groß und rosa-rot sind. Besonders große Heidefläche gibt es im Brackvenn.

Und eine Wanderung dort ist in den Tagen der Heideblüte besonders erholsam, auch wenn die Sonne nicht immer scheint und das Heidekraut dann nicht so richtig „strahlen” kann. „Und das Venn flammt in leuchtendem Rot seiner höchsten Blüte”, lesen wir im „Kreuz im Venn” von Clara Viebig.

Und weiter „Röter und röter erglüht die Heide. Ihr Braun ward jetzt tiefpurpurn, von einer solchen Kraft des Leuchtens, dass der Himmel blass und farblos dagegen erschien. Wie in einem gewaltigen Brand lohte das ganze Moorland.”

Geprägt von Pingos

Das Brackvenn rechts und links an der Landstraße von Mützenich nach Eupen gehört neben dem Steinley-Venn zu den schönsten und urtümlichsten Landschaften des Hohen Venns, stark geprägt von den Pingos, das sind runde „Weiher” aus der Eiszeit. Durch das südliche Brackvenn führt auf Bretterstegen ein Rundweg, der in gut 50 Minuten zu schaffen ist.

Der „Eingang” zu diesem Naturparadies ist gleich gegenüber am Parkplatz Nahtsief. Ein anderer Einstieg: Der Parkplatz „Grenzweg”, das ist der erste Parkplatz an der Straße (auf der linken Seite) von Mützenich nach Eupen.

Der Pfad vom „Nahtsief” führt hinauf auf eine Plattform am „Hellenketel” (Höllenkessel), der weite Blick geht über die südliche Brackvenn, ein herrliches Stück Wildnis. Am Anfang des Rundweges liegt ein stattlicher Pingo (mehr als 300 Meter Durchmesser), der heute auch Lithalsen genannt wird, er ist mit Torfmoos und Wasser gefüllt, jetzt im Sommer schwirren Libellen darüber. Eine Tafel berichtet über das Entstehen einer „Mineral Palsa” vor rund 8000 vor Christus: Damals habe sich das Klima erwärmt, das Bodeneis sei geschmolzen, der Boden habe sich gesenkt.

Das Schutzgebiet Brackvenn, das ist eine weite Landschaft mit Buschwerk, Heideflächen, Moor und Moosen, mit Wald- und Rauschbeeren, mit Birken und Ebereschen, die jetzt purpurrote Beeren tragen. Und zwischen den Heidesträuchern Preiselbeeren, die Clara Viebig als das „köstliche Obst aus dem Venn” pries. In diesem Vennstück haben die Vorfahren (vor allem aus Mützenich) Torf als Heizmaterial für die kalten Venn-Winter gestochen, die alten Torfstiche, die von Erdmauern umgebenen Senken, sind noch deutlich zu erkennen.

Das Torfstechen begann im Mai, die getrockneten „Briketts” wurden im August auf Ochsenkarren eingefahren und im Truffstälchen aufgeschichtet. Eine Familie verbrauchte bis zu 20000 Torfbriketts im Jahr. In den Öfen der Vennhäuser wurden rund 200 Hektar Moorfläche verbrannt.

Der Bretter-Pfad führt ein großes Stück parallel zur Nationalstraße 67, die am 10. Mai des Jahres 1846 eröffnet wurde. Und wenn nicht gerade Autos über diese Straße rauschen, herrscht im südlichen Brackvenn eine wohltuende Stille: Balsam für die Seele. An so manchen Stellen führt der Brettersteg sicher über den tiefen Sumpf, über das Moor, das an Regentagen voll gesogen ist mit Wasser.

Im Westen wird das Brackvenn vom Torfmoor Misten, um 1840 von der preußischen Forstverwaltung in „Königliches Torfmoor” umbenannt, begrenzt.

Dieses Stück Venn ist unzugänglich, da geht kein Weg, kein Pfad durch. Die Misten (der Name bedeutet so viel wie Torfmist) ist eine so genannte D-Zone, die für Trittschäden und Störungen sehr empfindlich ist, sie gilt als eines der größten aktiven Hochmoore Belgiens. An der Schnittstelle Brackvenn/Torfmoor tritt der schwarze Torf stark an die Oberfläche.

Und mitten drin im südlichen Brackvenn ist die Erde aufgegraben: Der Torfaufstich gibt viele Tausend Jahre Vegetationsgeschichte preis, die auf einer Info-Tafel zu verfolgen ist. Am Torfaufstich wird das Wasser aufgestaut und bildet einen kleinen See, der dem Moor davor und dahinter die nötige Nässe gibt.

Der Rückstau soll helfen, das Hochmoor wiederherzustellen: Das dominante Pfeifengras wird überschwemmt, damit sich die Torf bildende Vegetation wieder durchsetzen und ausbreiten kann. Eine ein Meter dicke Torfschicht ist etwa 1000 Jahre alt. Noch recht neu im Brackvenn (einige hundert Meter am Pfad vor oder hinter dem Torfstich): der „See”, der mit Wasser gefüllte große Pingo.

Der Bretter-Pfad erreicht in dem welligen Brackvenn einen seiner höchsten Punkte, östlich und südöstlich am Horizont wachsen die Wälder des Hahnheister, die am Horizont deutlich die Blick-Grenze bilden. Vom Torfstich führt der Bretter-Pfad zurück zum Ausgangspunkt, nach vielleicht zehn Minuten schließt sich der Kreis des Rundweges, der den Wanderer sicher durch ein schönes Stück Venn gebracht hat, das zur Heidezeit richtig „aufblüht”.

Der Eifelverein Monschau lädt für Donnerstag, 13. August, zu einer Familien-Wanderung ein, das Thema: Heideblüte im Hohen Venn in der Abendstimmung. Treffpunkt ist um 18.20 Uhr der Parkplatz am ehemaligen Zoll in Mützenich.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert