Haus Linde gehört bald der Vergangenheit an

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
Der Abriss des Gasthauses Zur
Der Abriss des Gasthauses Zur Linde in Imgenbroich hat begonnen. Wo in früheren Zeit Fuhrleute und Prozessionen ein Rast einlegten, soll jetzt ein Baumarkt entstehen. Foto: P. Stollenwerk

Imgenbroich. Die beiden Lindenbäume werden den Abriss wohl überstehen, und die Nachwelt daran erinnern, dass hier einmal ein ortsprägendes Gebäude für den Ort Imgenbroich stand, dem die Bäume seinen Namen gaben.

Das bekannte Haus Linde am Kreisverkehr in Imgenbroich wird bald der Vergangenheit angehören. Vor einigen Tagen wurde mit dem Abriss des Gebäudekomplexes begonnen, bis Ende Februar sollen die ehemalige Gaststätte mit Hotel sowie die landwirtschaftlichen Gebäude dem Erdboden gleichgemacht sein.

Über die zukünftige Nutzung des Grundstückes Linde am der Ecke B 258/B 399 ist schon viel spekuliert worden; jetzt sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Wie bereits mehrfach berichtet haben ein Unternehmer aus Simmerath und ein Projektentwickler aus Monschau ihre Absicht bekundet, auf dem Eckgrundstück einen Baumarkt zu errichten. Diese Absicht bestätigte am Montag erneut Projektentwickler Stefan Schepers.

Das Baugenehmigungsverfahren sei auf den Weg gebracht worden und liege bei der Städteregion Aachen; es müssten noch mehrere Gutachten erstellt werden.

Angepasst worden ist das Verfahren auch an die Vorgaben der Stadt Monschau und einen entsprechenden Beschluss des Bauausschusses, da der Bebauungsplan an dieser Stelle lediglich einen Baumarkt zulässt. In der ersten Bauvoranfrage hatten die Initiatoren auf dem Grundstück neben einem Baumarkt auch noch einen Vollsortimenter zum Gegenstand der Anfrage gemacht. Das Grundstück Linde umfasst etwa 9800 Quadratmeter; der Baumarkt soll 3000 Quadratmeter groß werden.

Zu welchem Zeitpunkt der Baumarkt dann konkret umgesetzt soll, kann laut Schepers derzeit noch nicht gesagt werden.

Mit Interesse beobachtet auch Ortsvorsteher Bernd Neuß die Entwicklung an diesem markanten Punkt in Imgenbroich. Er freue sich über „jeden Investor” und ein Baumarkt in Imgenbroich wäre eine „gute Entwicklung.”

Mit dem Verschwinden des Hauses Linde geht aber ein Stück Alt Imgenbroich verloren. So sieht Otto Drosson, Geschäftsführer des Vereins Heimatgeschichte Imgenbroich die Veränderung seines Heimatdorfes mit gemischten Gefühlen. Das über 200 Jahre Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, obwohl es ohne Zweifel zu den ortsprägenden Bauwerken gehört.

Als Besitzer sind im Urkaster „Weishaupt Theodor Erben” eingetragen, wie aus dem Archiv des Heimatvereins zu entnehmen ist. Der Sohn Wilhelm Theodor übernahm später die Gaststätte. Um 1820 soll schon eine Gastwirtschaft in dem Haus betrieben worden sein. Damit dürfte es sich nachweisbar um eine der ältesten Gaststätten im Ort handeln. Seit 1823 befand sich in dem Haus eine so genannte „Chausseegeld-Hebestelle,” oder anders ausgedrückt: An dieser Stelle mussten die Fuhrleute für die Benutzung der Straße (es handelte sich um die wichtige Verbindung von Aachen nach Düren) eine Gebühr entrichten. Diese erzwungene Pause nutzten sie auch gerne, um in die Gaststätte einzukehren.

Balthasar Hürtgen erwähnt im Jahr 1875 seine Kinder Leonhard, Heinrich und Catharina als Besitzer. 1895 sind Heinrich Weishaupt (Enkel von Wilhelm Theodor) und seine Ehefrau Katharina als Eigentümer eingetragen. Deren Sohn Johann und später seine Witwe Katharina, danach ihre Tochter Elvira mit Ehemann Karl Schreiber (Hännesse”) führten die Gaststätte und den dazugehörigen landwirtschaftlichen Betrieb weiter. Deren Sohn Bernd gab die Landwirtschaft auf und baute die Gastronomie aus. Zum Jahresende 2007 schloss den Betrieb.

Nach der Kritik an gefällten Bäumen im Gewerbegebiet Simmerath (wir berichteten) legt Projektentwickler Stefan Schepers Wert auf die Feststellung, dass die Aktion in keinem Zusammenhang mit der weiteren geschäftlichen Entwicklung in diesem Bereich steht.

An der Straße In den Bremen waren auf dem Baumarkt-Grundstück sieben Rotbuchen entfernt worden. Von den teilweise bereits morschen Bäumen, sagt Schepers, sei eine unmittelbare Gefahr ausgegangen, da ihre Standfestigkeit durch ständige Einwirkung von Streusalz geschädigt worden sei.

Vor diesem Hintergrund habe man die Bäume fällen müssen. Als Projektentwickler bemühe er sich bei neuen Bauvorhaben „wenn eben möglich, die Bäume zu erhalten.” In dieser Konsequenz würden daher auch neue Bäume angepflanzt

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert