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„Happy Halloween”: Monster machen Monschau zum Ort des Grusels

Von: Egl
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Das Geheimnis um die Farbe am
Das Geheimnis um die Farbe am „Roten Haus” ist seit letztem Wochenende nun endlich geklärt: Die dortigen Hinrichtungen hatten die Fassade jedes Mal so beckleckert, dass man sich entschloss „das Haus aus Kostengründen gleich rot anzustreichen”. Foto: H. Egerland

Monschau. Es ist kalt, es ist dunkel, es ist „Happy Halloween” in Monschau. Das heißt, dass am vergangenen Wochenende die Altstadt voller seltsam kostümierter Menschen war, die Spaß am wohligen Grusel hatten und in Partystimmung waren.

Alt und Jung genossen das Fest und vor allem die zahlreichen Angebote, die die Monschauer ihren Gästen boten, allenm voran die schaurig-lustigen Stadtführungen.

Sechs ehrenamtliche Geisterführer begleiten dabei Jahr für Jahr ihr Publikum durch die Sträßchen und Gassen der Altstadt und erzählen dabei Schauriges mit einer großen Prise Humor, der auch Ereignisse der jüngsten Monschauer Vergangenheit aufgreift.

In deutlicher Anspielung auf das in diesem Jahr erstmalig im Juli veranstaltete „Dîner en blanc” eine grauenhafte Variante desselben, inklusive einer Verspeisung von Menschen - „weiß, denn man weiß nie, was da alles gegessen wird”, so erläutert Franz-Josef Kaulen in der Verkleidung eines Mönchs. Er ist einer der Geister, die unaufhörlich die Gruppen mit auf den unheimlich-komischen Rundgang mitnehmen.

Sein Sohn Christoph, Paul Siebertz, Peter Dick, Uwe Kappe und Anne Pröpper sind ebenfalls schon seit einiger Zeit beim Geisterteam dabei, das organisiert und zusammengehalten wird von Helga Janke-Offermann, der „Geister-Chefin” beim Karneval im Dunkeln.

Besucher der Stadt erhalten hier, so die Geister, „völlig neue und natürlich immer wahre Einsichten”: So hört man davon, dass in Front des Roten Hauses einst die Hinrichtungen stattfanden. Das Blut sei immer wieder gegen die Wand gespritzt und habe hässliche Flecken hinterlassen. „Und so”, erläutert Anne Pröpper in schrecklich weißer Kostümierung, „hat man sich entschlossen, das Haus aus Kostengründen gleich rot anzustreichen.”

Mit Detailreichtum und einem hohen Grad an Kreativität hatten einige Altstadtbewohner ihre Häuser geschmückt. Manche hatten daraus regelrechte Geschichten entwickelt, wie zum Beispiel die Bewohner eines Hauses in der Kirchstraße, die einen ganzen Raum in ein Gräberfeld umgewandelt hatten.

Drei Leichen mit Scream-Maske liegen dort in ihren Särgen, ermordet mit Kreissäge, Axt und Messer, im Hintergrund eine teuflische Gestalt, dabei Geräusche und aggressiv-beunruhigende Musik. Die Halloween-Geisterbahn in Monschau hat durchaus etwas Morbides, der Spaß am Schrecken ist den Monschauern anzumerken. Manchmal stellt man sich gar die Frage, für wen sie das alles tun, diese aufwendigen Arrangements in stundenlanger Arbeit.

Für die Besucher - sehr wahrscheinlich. Weil sie selbst so viel Spaß dabei haben - ganz bestimmt! Die schönsten Häuser wurden beim Hausschmuckwettbewerb mit Preisen geehrt. Am Sonntag fand die Siegerehrung auf dem Marktplatz statt. „Interessanterweise sind die bestplatzierten Kandidaten des letzten Jahres auch 2012 wieder die, die unter sich die Führung ausmachen”, erläuterte die Jury-Vorsitzende Barbara Frohnhoff, „nur diesmal in anderer Reihenfolge.”

Ein strenges Punktsystem urteilt nach den Gesichtspunkten Gesamteindruck, Originalität der Idee, Arbeitsaufwand und Effekte - die drei Besten lieferten sich ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Diesmal gewann Peter Dick, der nicht nur eine grauenvolle Hexenfigur, die Körperteile zerhackte, nebst dampfendem Kessel im Garten errichtet hatte, sondern darüber hinaus noch diverse Apparaturen für andere Stationen - zum Beispiel eine zwei Meter hohe Guillotine für das Rote Haus.

Knapp dahinter platzierte sich die Gruppe um Karina Böhmer mit der fantasievollen Ausgestaltung ihres Garagenhäuschens, dicht gefolgt von Siegfried Engert mit jenem morbiden Arrangement in der Kirchstraße. Die Plätze vier und fünf wurden von Hans-Peter Kals und Familie Jakobs vom Mühlenberg belegt.

Zum mittlerweile dritten Mal führte die Monschauer Autorin Corinna Griesbach im Café Weekend ihre Lesung „nur für Erwachsene” auf, wieder mit neuen eigenen Texten aus dem Reich des Unheimlichen. Zur Verstärkung hatte sie ihre Autorenkollegin Regina Schleheck mitgebracht, die aus Leverkusen in die Geisterstadt der Eifel angereist war.

Unter dem Titel „Das Böse hat einen Namen” präsentierten sie im steten Wechsel ihre Storys und verbreiteten unter ihren zahlreichen Besuchern „angenehmes Unbehagen”. Gastronom Wolfgang Kaever konnte sich zu später Stunde wieder einmal über ein volles Haus freuen.

Schaurige Lesungen

Dass schaurige Lesungen durchaus zu dem manchmal sehr lauten Halloween-Getöse in Monschau passen, das gilt in gleichem Maße für die jungen Fans des Unheimlichen, fand Organisatorin Barbara Frohnhoff. Und so trug Bettina Gonnermann den Kindern - manchmal im Vorfeld, manchmal im Anschluss der Gruselführungen - Geschichten der düsteren Art vor: „Der Mann mit dem blutigen Daumen” hießen sie etwa oder „Das Silberbein und „Der Affe im goldenen Käfig”.

In einem dunklen Hinterzimmer im urigen Kolpinghaus wurde eigens ein Geschichten-Raum mit Matratzen gestaltet, und die Kinder lauschten gespannt der unheimlichen Märchentante. Für die Geistersprecherin Helga Janke-Offermann und die Märchenerzählerin steht fest, dass die durchweg positive Annahme dieses neuen Angebots kein Einzelfall bleiben darf: „Das machen wir nächstes Mal auf jeden Fall wieder!”

Ebenfalls nach einer Wiederholung schreit die Hexe im Weihnachtshaus am Markt, die den Kindern Hexengeschichten vorlas. Dahinter steckte die Autorin Claudia Satory-Jansen, die eigene Geschichten Kindern präsentierte. Die jungen Geschichten-Fans wollten jedenfalls immer mehr davon.

Halloween ist auch immer eine große Party. Fans der dunklen Kostümiererei feiern und tanzen mit Vorliebe in düster geschmückter Atmosphäre die ganze Nacht durch. Diese Möglichkeit bot sich dem erwachsenen Publikum im Felsenkeller-Brauhaus, wo den Gästen mit fetziger Musik kräftig eingeheizt wurde.

Das Monschauer „Happy Halloween” ist im zwölften Jahr längst kein Geheimtipp mehr. Ganze Gruppen von Halloween-Touristen in Verkleidungs-Outfits mit detailreichem Equipment reisen eigens dafür Jahr für Jahr in die Geisterstadt. Einfallsreichtum, ehrenamtliches Engagement und eine Menge Spaß an der Sache sorgen dafür, dass Halloween ein Monschauer Fest mit einer ganz eigenen Qualität ist.
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