Handwerk und Sport: Leidenschaften miteinander vereint

Von: Andreas Gabbert
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Hier, in der Werkstatt in Monschau, entsteht ein Fitnessstudio für draußen: Michael Kuck wird es ab morgen auf der FIBO, der Messe für Fitness und Wellness, in Köln präsentieren und hofft auf Aufträge von Kommunen, Vereinen oder Hotel- und Ferienanlagen. Foto: A. Gabbert
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Ein Fitnessstudio für draußen: An den Geräten können Sportneulinge und leistungsorientierte Athleten gleichermaßen trainieren.

Nordeifel. Noch einmal schleift Michael Kuck mit der Maschine über den massiven Holzbalken und pustet den Staub weg. Dann zeigt er auf ein Modell neben der Werkbank. „So soll das Gerät aussehen, wenn es fertig ist“, sagt Kuck, während er sich den nächsten Balken zurecht legt.

 Im Garten seiner Eltern in Monschau auf der Haag steht neben der Werkstatt das Original, der erste Prototyp eines „Outdoor-Fitness-Studios“.

Mit den massiven Holzbanken und den Stangen aus Edelstahl erinnert es an die Geräte auf den Trimm-Dich-Pfaden der 1970er-Jahre. Das ist kein Zufall, schließlich ließ sich Kuck von den Trimm-Pfaden inspirieren. Der 33-Jährige aus Strauch hat sie aber auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten kritisch unter die Lupe genommen. „Da waren Sachen dabei, die sowohl aus sportwissenschaftlicher Sicht als auch mit Blick auf die heutigen Unfallverhütungsvorschriften bedenklich waren“, sagt der gelernte Zimmermann und studierte Sportwissenschaftler, der inzwischen als Lehrer am St.-Ursula-Gymnasium in Geilenkirchen arbeitet.

Auf die Idee, ein Fitnessstudio für draußen zu bauen kam er kurz vor Abschluss seines Studiums an der Sporthochschule in Köln. Im Rahmen seiner Diplomarbeit entwickelte er Krafttrainingsmöglichkeiten für den Außenbereich, zunächst nur theoretisch mit Modellen und Zeichnungen. Als ihn sein Dozent fragte, ob er denn auch bauen könne, was er da entworfen hat, gab es natürlich nur eine Antwort für den gelernten Zimmermann.

Bei der Umsetzung war ihm der praktische Einsatz besonders wichtig. „Ich hatte immer im Hinterkopf, dass es keine Science-Fiction sein darf“, sagt Kuck. Nachdem der erste Prototyp fertig war, wollte er seine Idee auch vermarkten. Dazu bewarb sich Kuck auf ein Gründerstipendium, dass ihm dabei half, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Im vergangenen Jahr hat er sein Fitnessstudio erstmals auf der FIBO in Essen der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit Erfolg – die Uni Bonn wurde aufmerksam und bestellte eines der Geräte.

Durchdachtes Konzept

„Die Leute wollen draußen Sport machen“, sagt Dr. Peter Preuß, Hochschulbeauftragter der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Er hat sich seit 2008 intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Viele der Angebote seien speziell auf Senioren ausgerichtet und würden meist von Herstellern vertrieben, deren Schwerpunkt auf Spielplätzen liegt, erklärt Preuß. „Was es da alles für sinnloses Zeug gibt, hat mich manchmal fast in den Wahnsinn getrieben“, sagt er.

Im vergangenen Jahr ist er dann durch die Fibo auf Kucks Outdoor-Fitness-Studio aufmerksam geworden. Er ließ sich Kucks Diplomarbeit schicken und kam zu dem Schluss: „Das macht Sinn.“ Preislich gebe es bei den verschiedenen Angeboten wenig Unterschiede. Kucks Geräte seien aus Holz und Edelstahl und damit nahezu wartungsfrei, außerdem würden sie sich in die Landschaft einpassen.

Überzeugt hat ihn aber vor allem Kucks wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Projekt. „Das ist ein durchdachtes, gesundheitsorientiertes Konzept und ideal für unsere Zielgruppe im Hochschulsport“, lobt Preuß. Seit dieser Woche ist das Outdoor-Fitness-Studio in Bonn offiziell in Betrieb und hat bereits Skeptiker überzeugt, die das Ganze beim Aufbau noch belächelt haben.

Inzwischen gehören acht Trainigsgeräte zu Kucks Studio für draußen, weitere sind noch in der Entwicklung. Die Intention dabei ist klar. „Die Geräte sollen ein vollständiges und effektives Krafttraining im Freien ermöglichen – für untrainierte Sportneulinge aber auch für leistungsorientierte Athleten“, sagt Kuck. Trainiert werden können die unterschiedlichsten Muskeln an Armen, Beinen, Brust oder Rumpf.

Eine Erklärung ist für die verschiedenen Übungen eigentlich nicht nötig, zur Sicherheit werden sie auf Hinweisschildern doch noch mal erklärt. Wer ein Smartphone besitzt findet auf den Geräten auch einen QR-Code, über den sich ein Video auf dem Handy anschauen lässt.

„Handwerk und Sport waren schon immer meine Leidenschaft. Ob das mit der Kindheit auf dem Bauernhof zu tun hat, weiß ich selbst nicht genau“, sagt Kuck. Auch während der Lehre zum Zimmermann ist er dem Sport treu geblieben. Schwimmen, Radfahren, Skifahren und Klettern standen regelmäßig auf dem Programm. Das er aber nicht bis zur Rente als Handwerker arbeiten wollte, wurde ihm schon während der Lehre klar. Also kam ihm die Idee zu tauschen. Das Handwerk sollte zum Hobby werden und der Sport zum Beruf. Deshalb entschied er sich nach der Lehre für ein Studium an der Sporthochschule in Köln.

Der Tausch hat funktioniert: Wenn morgen in Köln die Fibo beginnt, ist der studierte Sportwissenschaftler mit handwerklichen Fähigkeiten wieder dabei, um sein Fitness-Studio für draußen zu präsentieren.

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