Nordeifel - Halbnackte Kerle: Für Frauen war Fußballgucken verboten

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Halbnackte Kerle: Für Frauen war Fußballgucken verboten

Von: rpa
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In diesen Tagen schauen nicht nur Männer gebannt zu, wie 22 Spieler einem Ball nachjagen. Die Zeiten, in denen nur Männer den Ballsport verfolgen, scheinen mit dieser Weltmeisterschaft endgültig vorbei zu sein, denn immer mehr Frauen treffen sich ebenfalls zum „Rudelgucken”. Doch das war nicht immer so, denn in den Anfangsjahren des Fußball waren Frauen auf dem Sportplatz strengstens verboten. Foto: psm

Nordeifel. „Der Neuer kann bestimmt gut küssen.” Frauen schwärmen für ihre „Helden” auf dem Spielfeld, wie am Tag nach dem grandiosen 4:1-Sieg über England in den Aachener Zeitungen zu lesen war.

Frauen und junge Mädchen geraten aus dem Häuschen, wenn Bastian Schweinsteiger (längst nicht mehr Schweini), Lukas Podolski (kein Poldi mehr) Jerome Boateng, Thomas Müller, Mesut Özil und die anderen „Helden” hinter dem Ball herjagen und Tore schießen oder auch verhindern.

Frauen und Mädchen sind auf den Wangen schwarz-rot-gold geschminkt, sie tragen Trikots wie Lahm und Klose, sie singen Fangesänge und blasen in die Vuvuzela, sie grölen und pfeifen, sie jubeln und schwingen mit in der Laola-Welle auf den Rängen. So manche Tageszeitung hat im Internet sogar eine Extraseite „Sexy Fans bei der WM 2010” eingerichtet, eine ganze Galerie voll mit schönen Frauen, fotografiert in den WM-Stadien von Südafrika.

Sollten wir jetzt nach dem Super-Sieg gegen England sogar Weltmeister werden, dann sind auch die Frauen und Mädchen Weltmeister geworden. Und Mädchen und junge Damen, die Fußball spielen, sind auch hier in den Dörfern längst selbstverständlich. Das war aber bei weitem nicht immer so.

Mädchen waren früher als Zuschauer nicht willkommen. Mehr noch: Mädchen war der Besuch auf dem Fußball-Platz verboten. Über den Grund können wir heute nur lachen: Die Fußballer „liefen halb nackt herum”.

Glaube stand im Mittelpunkt

Der katholische Glaube bildete bei den Menschen des Ortes „neben der täglichen Arbeit der Mittelpunkt des Lebens”. Der Glaube an Gott und das Vertrauen auf seine Hilfe gab ihnen Mut, auch wenn „es persönliche Opferbereitschaft verlangte, die strengen Richtlinien der katholischen Kirche” zu befolgen. So war es eine selbstverständliche Pflicht, dass die Kinder noch vor der Schule in die „Messe gehen mussten”.

In jener Zeit also hielt der Fußball-Sport Einzug in das Dorf am Hohen Venn. Im Jahr 1928 wurde in Mützenich der Verein DJK Mützenich gegründet, der Verein war ein „reiner Fußballverein”, der sich dann ab 1929 „Sportclub Grenzwacht Mützenich” nannte. Die Anstoßzeit der Fußballspiele musste so festgelegt werden, dass es keine Überschneidungen mit den sonntäglichen Nachmittagsandacht gab.

Bernhard Claßen, der in der Festschrift „75 Jahre Sport in Mützenich” über die Anfänge des Fußballs in Mützenich berichtet, erklärt: „Mädchen durften die Spiele nicht besuchen, da die Spieler „bläckarsch” (halbnackt) herumliefen. Der damals noch vorhandene Fußpfad zwischen dem Sägewerk Steffens und dem Hause Meurer, an das der Sportplatz grenzte, durfte manches Mädchen während der Spielzeit aus demselben Grunde nicht benutzen. Die Eltern hatten ihnen dies verboten”.

Auch in Kalterherberg hatten die meisten Leute wenig oder kein Verständnis für den neumodischen Sport. Der Chronist berichtet: „Die Empörung der alten Leute über die kurzen Sporthosen der „Wilden” in Kalterherberg war so groß, dass sich die Spieler nur nach Überwerfen von langen Mänteln auf das Spielfeld wagten.”

Doch allen Problemen und Widerständen zum Trotz: Anfang Juli 1923 wurde der SV Kalterherberg gegründet. Das wachsende Interesse am Fußball bescherte dem jungen Verein immer mehr Mitglieder. Die Fußball-WM 2010 wird das Interesse am Fußballsport wieder neu beleben, wir werden es erleben.
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