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Häftling legte Feuer, weil sein Gebiss fehlte

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Gebiss
Symbolbild: Ein Gebiss in einem Glas. Foto: dapd

Aachen. Die Sache begann wie eine unglaubliche Geschichte. Der am Freitag wegen schwerer Brandstiftung in der Aachener Justizvollzugsanstalt zu eineinhalb Jahren Strafhaft verurteilte Mustafa A. (50) war vergangenes Jahr in die Niederlande an seinen Wohnsitz Heerlen nach der halben Zeit einer zu verbüßenden Haftstrafe abgeschoben worden.

Was er anscheinend nicht wusste: Falls er vor einer Verjährung wieder nach Deutschland einreist, müsste er die andere Hälfte der Strafe ebenfalls absitzen. Und der gläubige Moslem reiste Anfang September 2011 tatsächlich ein, um am Zuckerfest in einer Aachener Moschee teilnehmen zu können.

Das Schicksal wollte es: Man stahl ihm sein Portemonnaie, und der Geschädigte ging zur Polizei. Als die Beamten die Anzeige aufnahmen, warfen sie einen Blick auf die Fahndungsliste. Da fanden sie den Mann, weil der im Fall seiner Einreise noch knapp zwei Jahre abzusitzen hätte. Gesetz ist Gesetz - man nahm in fest und brachte ihn am Freitag, 2. September, in die Aachener JVA.

Dort nahmen die Dinge dann erneut ihren schrecklich Lauf, so, wie sie es eigentlich nicht hätten tun sollen. „Ich hatte kein Gebiss dabei und wollte nur meine Lebensgefährtin in Heerlen anrufen, damit sie mir die Zähne bringt”, erklärte der in Zypern geborene und in Köln groß gewordene Angeklagte dem erstaunten Vorsitzenden Richter des Aachener Schöffengerichts. Er habe das in der JVA dem Vollzugsbeamten oftmals nachdrücklich gesagt, berichtete er Richter Markus Vogt.

Der Beamte ließ ihn aber nicht telefonieren. Erstens, sagte er aus, habe der Häftling kein Telefonkonto besessen, und der Sozialdienst sei freitags bereits im Wochenende. Es kam noch schlimmer. Der Häftling forderte zusätzlich einen neuen Rasierer, weil der alte bei der Hälfte der Rasur kaputt gegangen sei. Doch auch hierfür war keine Zeit.

Als beide Wünsche ausgeschlagen wurde, habe er nachdrücklich auf seine Lage aufmerksam machen wollen: „Ich wollte einen Vorgesetzten sprechen und nicht wieder vertröstet werden”, meinte Mustafa A. am Freitag. Am Montagmorgen gegen 7.25 Uhr war es soweit. Er schob von innen einen Tisch vor die Türe der Zelle 227 in Haus V, stellte einen Stuhl darauf und legte seine Matratze obenauf. Dann zündete er das Gebildfe, wie er am Freitag klaglos zugab, mit einem Feuerzeug an, rief die Wachbeamten über den Notruf und stellte sich in aller Ruhe ans offene Zellenfenster.

Gefährliche Rettungsaktion

Der aufsässige Häftling zwang drei JVA-Beamte, die später mit Rauchvergiftungen ins Klinikum eingeliefert werden mussten, zu einer gefährlichen Rettungsaktion. Der für den Flur zuständige Beamte schilderte, wie er die bereits von den Flammen heiße und sich verbiegende Zellentüre kaum noch aufbekommen habe. Der Rauch habe sich „sehr schnell” im ganzen Flur breit gemacht. Den kokelnden Tisch zog man mit einem Schlauch aus der Zelle, dann wurde der Rest gelöscht und der Häftling herausgebracht.

Das Gericht hielt dem Angeklagten zugute, er habe anscheinend wirklich gedacht, seine Aktion sei nicht gefährlich. Ansonsten sei nicht zu erklären, wie er sich seelenruhig ans Fenster gestellt habe.
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