Kornelimünster/Roetgen - Großer Protest gegen die „Riesenmühlen”

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Großer Protest gegen die „Riesenmühlen”

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:

Kornelimünster/Roetgen. Aachen ist nicht Waldalgesheim. Und zehn ist auch nicht vier. Das musste am Ende eines langen Info-Abends über den geplanten Windpark im Münsterwald auch Dr. Gerhard Hanke feststellen.

Dr. Hanke reiste eigens aus der rheinland-pfälzischen 4200-Einwohner-Gemeinde an, um im Inda-Gymnasium über die Vorzüge von Windkrafträdern zu referieren.

Die Mission des Bürgermeisters klappte letztendlich nur bedingt, in erster Linie weil sich das rheinhessische Modell mit vier - im Gemeindegebiet im April in Betrieb gehenden - Windkrafträdern nicht so einfach auf den Münsterwald übertragen lässt. Nach dem Willen der Stadt Aachen sollen neben der Himmelsleiter gleich zehn dieser Anlagen gebaut werden.

Und genau das ist das Problem, das schon vor Monaten eine erbitterte Grundsatzdebatte auslöste. Der emotionale Info-Abend vor rund 300 Interessierten, darunter fast ausschließlich betroffene Anwohner, offenbarte die völlig unterschiedlichen Positionen noch einmal aufs Neue. Auf der einen Seite die Stadt in Person von Umweltdezernentin Gisela Nacken und Klaus Meiners, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Umwelt. Sie versuchten, die Notwendigkeit eines solchen Parks aus umwelttechnischer Sicht zu verteidigen. Nacken: „Wir müssen den CO2-Ausstoß verringern. Jetzt!”

Auf der anderen Seite brachten sich Schmithofer, Roetgener, Walheimer, die sich nicht nur durch die Bürgerinitiative „Kein Windpark im Münsterwald” nach Kräften dagegen wehren, in Stellung: 185 Meter hohe Windräder wollen sie nicht vorgesetzt bekommen und forderten alternative Standorte: „Hitfeld ist ein Schandfleck. Warum nicht da?”. Von „monströsen Anlagen” und „Riesenmühlen” war die Rede, auch wenn die Bürger klarstellten: Windenergie ja, nur nicht im Münsterwald.

Kommt der Windpark, werden etwa zwei bis drei Prozent des Waldes abgeholzt, drei Hektar, was etwa der Größe des Tivolis entspricht. Doch der Hauptvorwurf der Anwohner wiegt schwer: „Die Anlagen werden da hingesetzt, wo sie das schöne Stadtbild nicht beeinträchtigen, uns aber dafür viel Lebensqualität nehmen”, empörte sich eine Frau aus Mulartshütte und verwies auf Infraschall und Schlagschatten. Klaus Meiners versuchte zu beruhigen: „Der Schatten und Lärm werden nicht die Hauptprobleme sein.”

Ein Anwohner aus Schmithof ergänzte im Hinblick auf angeblich im Wald bereits angebrachte Stawag-Fähnchen: „Die Sache ist doch schon durch.” Diesen Vorwurf wies die Umweltdezernentin entschieden zurück: „Das Verfahren ist bis zum Ende offen.” Das Ende der Diskussionen soll etwa in einem halben Jahr sein, wenn die letzten Gutachten zum Arten- und Landschaftsschutz ausgewertet und die Pläne ein letztes Mal offen gelegt werden. Auch dann soll den Bürgern, wie im Inda, noch einmal die Möglichkeit gegeben werden, Wünsche und Bedenken zu äußern.

Bei allen Vorwürfen gab es dann doch noch eine Besonderheit an diesem Abend: ein Lob an die Stadt „für die ausführlichen Vorabinformationen”. Kritik wurde unterdessen laut an der Bürgerinitiative, die, wie es ein Anwohner ausdrückte, „nur mit Halbwahrheiten argumentiert”.

Gerhard Hanke wunderte sich über so viel Missgunst: „Bei uns im Ort gab es keine einzige Gegenstimme.” Wie gesagt, Aachen ist halt nicht Waldalgesheim...
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