Simmerath - Großeinsatz im Lammersdorfer Wald: Gut geübt ist halb gerettet

Großeinsatz im Lammersdorfer Wald: Gut geübt ist halb gerettet

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Personenrettung genießt stets oberste Priorität bei den Einsätzen der Feuerwehren und Rettungskräfte. Bei einem angenommenen Verkehrsunfall (oben) und einer Vermisstensuche bei schlechter Sicht (Bild unten) wurde dies auch im Rahmen der Gemeindeübung demonstriert. Foto: J. Ammann

Simmerath. Den fußballfreien Freitagabend hatte die Gemeinde Simmerath festgelegt, um die diesjährige Gemeindeübung ihrer Freiwilligen Feuerwehr durchzuführen. Gemeindewehrführer Christian Förster begrüßte pünktlich um 19 Uhr zahlreiche Gäste und Beobachter am Feuerwehrgerätehaus in Lammersdorf und wies in die Ausgangslage, die Szenarien und die Zielsetzungen der Übung ein.

Die Anwesenheit von Lammersdorfs Ortsvorsteher Franz-Josef Hammelstein, des Simmerather Beigeordneten Roger Nießen, der Mitglieder der Feuerwehrkommission Michael Huppert, Ralf Löhr und Siegfried Lauscher sowie von Manfred Prinz, Ordnungsamt, unterstreicht den hohen Stellenwert der Simmerather Wehrleute in ihrer Gemeinde.

„Wir schützen unsere Heimat“ ist das Leitmotiv der Freiwilligen Feuerwehr Simmerath, die in Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Gemeinde, die Gefahrenabwehr bei Bränden und Unglücksfällen im Gemeindegebiet Simmerath sicherstellt. „Diese Gemeindeübung wird in Simmerath jährlich durchgeführt, sie ist Teil des Gesamtübungsplan und ermöglicht uns Handlungstraining fachspezifischer Themen“ erläutert Bernd Hollands, der Kreisbrandmeister der Städteregion Aachen.

13 taktische Einheiten

Vier unterschiedliche und voneinander unabhängige Lagen hatten Christian Förster und sein fünfköpfiges Planungs- und Vorbereitungsteam für die aus sechs Löschzügen bestehenden 13 taktischen Einheiten vorgesehen. „Unser Ziel ist es, so realistisch wie möglich zu üben, um unsere Männer und Frauen bestmöglich auf ihre Einsätze vorzubereiten“, so Übungs-Leiter Förster.

Das Übungsgelände auf dem Areal der Flüchtlingsunterkunft „Langschoß“ in Lammersdorf bot zum einen allen Beteiligten dazu optimale Bedingungen, zum anderen konnte die dortige reale Löschwasserversorgung mit positivem Ergebnis getestet werden.

„Alarmierung der Feuerwehr, der THW-Kräfte und Einheiten des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes hat stattgefunden. Sie alle sammeln sich nun im Bereitstellungsraum auf dem Gelände der ortsansässigen Firma Junker, werden dort registriert und dokumentiert, entsprechend ihrer Fähigkeiten und zielgerichtet abgestimmt auf die Unfall- bzw. Schadenssituation zusammengestellt und zum Einsatzort entsandt“, erläutert Pressesprecher Sander Lutterbach aus Rurberg die erste Phase des Übungsablaufs. „So ist das auch vor einigen Tagen abgelaufen, als wir in Folge der Unwetter in Stolberg eingesetzt wurden“, ergänzte er. Ein Beleg dafür, wie wichtig das Einüben von Standards und Automatismen ist.

Spezialfahrzeug eingesetzt

Eine grüne Dampfwolke und Flüssigkeitsausfluss aus einem Kunststoffkanister – was ist das? Gefährliche und gefährdende Stoffe? Wie hoch ist die Konzentration dieser? Lagefeststellung und Schadensbegrenzung – das war die Herausforderung am vorbereitenden Unfallort für die dort eingesetzten Kräfte. Männer in ihren Schutzanzügen näherten sich dem Schadensort, während parallel alle Vorbereitungen für eventuelle Dekontaminationsmaßnahmen getroffen wurden. Die Verfügbarkeit eines der in der Städteregion Aachen zweimal vorhandenen „Gerätewagens Meßtechnik“ (stationiert in Steckenborn) ermöglichte den Einsatzkräften die schnelle Ermittlung und Feststellung der Substanzen – als effektives Mittel ihrer Auftragserfüllung.

Eine zweite Gruppierung der Einsatzkräfte wurde zu einem nachgestellten Verkehrsunfall mit mehreren Kraftfahrzeugen entsandt. Auch hier waren die schnelle Lagefeststellung und die Koordination in Abstimmung mit der sich im Einsatz-Leit-Wagen (ELW) befindenden Leitung der Schlüssel zum erfolgreichen Wirken der Einsatzkräfte.

Zahlreiche verletzte Personen mussten, auch unter Zuhilfenahme der Rettungsschere aus ihren Autos befreit, und durch DRK und Malteser Hilfsdienst versorgt werden. Das Zusammenwirken zwischen Feuerwehr, dem THW und den sanitätsdienstlichen Rettungskräften wurde hier bei diesem Übungsszenario effektiv praktiziert und geschult. „Psychologische Betreuung ist mit der Aufgabe von Rettungskräften unmittelbar verbunden“, sagte Kreisbrandmeister Hollands bei der Beschreibung des Gesamtaufgabenspektrums.

Mut und Selbstvertrauen

Zwei Brände, Klassiker im Aufgabenspektrum der Feuerwehr, an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Sachlagen waren die Ursache für die Alarmierung und den Einsatz weiterer Feuerwehreinheiten und Rettungskräfte. Ein elektrischer Betriebsraum eines Gebäudes stand in Flammen, starker Qualm, verletzte Personen, weitere Gefährdung durch Elektrizität möglich, und drei Techniker werden vermisst – mit diesen Faktoren wurden die Einsatzkräfte an der Brandstelle eins konfrontiert.

Auch an der zweiten Unglücksstelle hatte die Suche nach drei bis vier Personen oberste Priorität; Mitarbeiter einer Im- und Exportfirma, in deren Räumlichkeiten es aus unbekannter Ursache zum Brand gekommen war, wurden gesucht. Hier galt es sehr große Flächen bei stark eingeschränkter Sicht in einem beschädigten Gebäude abzusuchen. Mut, Selbstvertrauen und fachliches Können, basierend auf einer guten Ausbildung, und eine zweckmäßige Einsatzausrüstung von der Taschenlampe über die Atemschutzmaske bis hin zur notwendigen Funkausrüstung sind die Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Wirken der Feuerwehrmänner- und Frauen.

Davon konnte man sich bei dieser Übung in Simmerath überzeugen. Auch das Zusammenwirken mit den Simmerather THW- und DRK-Kräften sowie dem Malteser Hilfsdienst funktionierte gut und beispielgebend. „Wir schützen unsere Heimat – mit diesem Motto engagieren sich 328 Freiwillige ehrenamtlich im Dienst der Feuerwehr Simmerath, damit sind wir nach Aachen die personenstärkste Freiwillige Feuerwehr in unserer Städteregion“, betonte Roger Nießen, und stellte den Stellenwert einer leistungsfähigen und leistungsstarken Feuerwehr für den gesamten Gemeindebereich heraus. Mit dieser Zielrichtung blickt man in Simmerath auch in die Zukunft und investiert in die Jugendfeuerwehr. Diese besteht aus drei Gruppen, umfasst derzeit ca. 50 Mädchen und Jungs und bildet die Basis für den Nachwuchs der Feuerwehren.

„Das war unsere erste Übung in dieser Größenordnung, an der nahezu 130 Einsatzkräfte beteiligt waren und in ihren Funktionen übten“, stelle der Simmerather Feuerwehrchef Christian Förster mit Zufriedenheit fest. „Auftrag ausgeführt, Zielsetzungen erfüllt, eine rundherum gelungene Übung“, so der Übungsleiter in Übereinstimmung mit Kreisbrandmeister Holland und seinen beiden Stellvertretern Jürgen Förster und Werner Graff.

Dialog mit Arbeitgebern

Ziele für die Zukunft der Simmerather Feuerwehr sind, so der Wehrleiter, den derzeitigen guten Ausbildungs- und Leistungsstand zu halten, die vorhandenen Fähigkeiten weiter optimieren und weiter mit allen Verantwortlichen an einem Strang in die gleiche Richtung zu ziehen, um eine leistungsstarke und effiziente Feuerwehr in Simmerath verfügbar zu haben, zum Wohle und zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger. Dazu gehören auch der ständige Dialog mit den Arbeitgebern in der Region, sind sie es doch, die ihre Mitarbeiter letztendlich für Feuerwehreinsätze freistellen müssen, sowie die Verbesserung der Straßen und Wege-Infrastruktur in der hügeligen und von erheblichen Höhenunterschiedenen geprägten Eifellandschaft. Für eine Rettung können Minuten entscheidend sein.

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