Große Leidenschaft für kleine Bäume: Die Bonsai-Züchter

Von: M. S.
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Auch aus dem Spross einer riesigen deutschen Eiche gestalten die Züchter Günter und Irmgard Rohleder attraktive Nachkommen im Miniformat. Foto: Manfred Schmitz

Imgenbroich. Manche Zeitgenossen kommen auf den Hund der Rasse Zwergpinscher, anderen hat es die kunstvolle botanische Zuchtmethode von Zwergbäumen angetan. So wie dem Imgenbroicher Ehepaar Günter und Irmgard Rohleder.

„Wenn ich pensioniert bin, werde ich Bonsais züchten“, gelobte der ehemalige Bundeswehrfeuerwerker Günter Rohleder 1997 beim Bummel über den Simmerather Markt. Gesagt, getan! Er beobachtete, welch niedliche Minigewächse man mit Liebe, Geschick und grünem Daumen aus heimischen Hölzern und stattlich hohen Stämmen abzuleiten und zu formen vermag. „Sämtliche Nordeifeler Baumspezies wie Ahorn, Buche, Eiche, Lärche, Kiefer oder Tanne sind für Hege und Vermehrung der Gattung Bonsai prädestiniert“, sagt Rohleder. „Sie lassen sich aus Gewächsen mit urgenetischem Erbmaterial der Herkunftsländer Japan und China kultivieren und verändern.“

Zur Lehre bei „Mister Bonsai“

Einmal von Liebe und Tatendrang zu einem außergewöhnlichen Hobby gepackt, ließ es die Rohleders nicht mehr los. Der 79-jährige Gärtner mit spät erwachtem Drang zu asiatischer Floristik–Kunst besuchte etliche Kurse und Fachseminare beim Eifeler „Mister Bonsai“ Günter Maintz in Zerkall.

Rohleders erster eigener Zuchterfolg gelang mit einer Lärche. „Wir fanden zum Teil Setzlinge in heimischen Eifelwäldern und nahmen sie mit nach Hause“, erinnert sich Irmgard Rohleder. „Sie ließen sich wunderbar mit speziellen und ansehnlichen Konturen großziehen.“ Inzwischen zieren an die hundert Bonsai–Gewächse den mit pittoresken Winkeln zur Rast ladenden Garten des Paares im Hause Nummer 14 an Imgenbroichs „Rahm“.

Mancher in die Eifel importierte Topfschössling stammt aus den neuen Bundesländern, wo Sprengstoffexperte Rohleder – nicht von ungefähr Kaiser und Kommandant der Imgenbroicher Hubertus–Schützen – wie auch in Sarajewo als Minenräumer im Einsatz war. Irmgard Rohleder: „Beim Spaziergang in Eifelwäldern sehe ich manchen jungen heimischen Trieb. Dann sage ich: ‚Dich nehm´ ich mit‘, und wir beide haben es nie bereut.“ Das Wort „Bonsai“ stammt aus dem Japanischen und bedeutet „Baum in der Schale“.

Für die aus Bottrop stammende Altenpflegerin und Eifeler Landfrau Irmgard ist die Bonsai-Zucht ein Hobby, das große Ruhe und Entspannung bringt. „Ich sehe stetiges Wachstum, dieses positive Gefühl kommt erbaulicher Meditation gleich.“

„Man sieht Baumriesen anders“

Die Frage „Wie forme ich einen Baum?“ bewegt Günter, der gebürtig aus Pommern stammt, ständig. Er unterscheidet bei seinen Zöglingen klassische Merkmale wie Besenform, die Windgepeitschten, Kaskaden oder mit Felsgestein Verwachsene. „Wenn man Bonsai-Arbeit betreibt, sieht man unsere Eifel–Baumriesen mit ganz anderen Augen“, schwärmt Irmgard Rohleder.

Apropos Arbeit: Die ist für eine erfolgreiche Bonsai–Zucht unerlässlich. In Form bringen, umtopfen, neu verpflanzen, die Wurzeln zurückschneiden und drahten sind nur einige Aktivitäten auf dem Weg zu einer perfekten Topfzwergenpflanze.

Kein Wunder, dass die Rohleders „schon viele Freunde und Verwandte mit unserer Leidenschaft ansteckten“.

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