Große griechische Familie findet in Steckenborn neues Zuhause

Von: Peter Stollenwerk
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Das ist die Familie Kontogeorgalos: Vater Apostolos (49), Mutter Maria (45) sowie die Kinder Despina (23), Theodoros (19), Eleftheria (17), Antonia (15), Marina (13), Eleni (11), Porfyrios (10) Epifanios (8), Angelos (6) und Ivana (14 Monate). Foto: P. Stollenwerk

Steckenborn. Überraschung: Keine lauten Stimmen, kein Geschrei, keine Hektik verspürt der Besucher, wenn er das Haus der Familie Kontogeorgalos auf der Höhe in Steckenborn betritt. Damit hätte er nicht gerechnet, denn in dem kleinen Haus, zwischen Pfarrheim und Kindergarten gelegen, lebt immerhin eine 12-köpfige Familie.

Zwischen 14 Monate und 23 Jahre sind die Kinder alt, doch schon nach wenigen Minuten ist zu erkennen, dass in dieser Familie die Struktur stimmt, jeder seinen Platz und seine Aufgabe hat und an Kommunikation wirklich kein Mangel herrscht. In mancher Kleinstfamilie liegt der Stressfaktor da um einiges höher.

Seit August wohnt die aus Griechenland stammende Familie in Steckenborn: Die Familie Kontogeorgalos, das sind: Vater Apostolos (49), Mutter Maria (45) sowie Kinder Despina (23), Theodoros (19), Eleftheria (17), Antonia (15), Marina (13), Eleni (11), Porfyrios (10) Epifanios (8), Angelos (6) und Ivana (14 Monate).

„Jeder Tag ist ein Fest“

Mit zehn Kindern ist die Familienplanung aber noch keineswegs abgeschlossen, wie die Mutter sagt: „Wenn Gott uns noch weitere Kinder schenkt, dann wird die Familie noch größer.“ Dabei ist die Familie im Moment nicht vollständig, da die älteste Tochter Despina derzeit ein freiwilliges soziales Jahr im Naturkindergarten Oppenheim bei Mainz absolviert. Weihnachten ist das Dutzend aber wieder voll.

Dann besucht die Familie zunächst den Festgottesdienst der griechisch-orthodoxen Gemeinde in Aachen. Daheim in Steckenborn gibt es Süßigkeiten, einen kleinen Weihnachtsbaum und natürlich ein gemeinsames Essen an zwei Tischen. „Eigentlich haben wir jeden Tag ein Fest“, sagt die aus Zypern stammende Maria Kontogeorgalos, „denn die Kinder sind unser ganzer Reichtum. Jedes neue Kind hat mir auch neue Kraft gegeben.“

Von einem materiellen Reichtum kann bei der Familie Kontogeorgalos, die in einer 107 Quadratmeter großen Wohnung lebt, wahrlich nicht die Rede sein. Noch ist die Situation im neuen Domizil nicht wesentlich besser als zuvor in Griechenland, noch sind zu viele Dinge ungeklärt. Die Anträge auf Kindergeld und Wohngeld sind noch in Bearbeitung. Als Apostolos Kontogeorgalos zunächst noch ohne Familie im April nach Deutschland und auf Arbeitssuche ging, stufte sich der studierte Chemiker beim Jobcenter als selbstständig ein, womit er zunächst einmal den Anspruch auf finanzielle Unterstützung verwirkt hatte.

Trotz über 200 Stellen-Bewerbungen, die er bereits von Griechenland aus startete, blieb es für Apostolos Kontogeorgalos, der in seiner Heimat nahe der Hauptstadt Athen in einem staatlichen Laboratorium beschäftigt war, trotz seiner Qualifikation letztlich bei zwei Vorstellungsgesprächen. Inzwischen hat er Arbeit gefunden – als Stromableser beim RWE. Als Arbeitnehmer hat er nun gesetzlichen Anspruch auf staatliche Leistungen. „Viele nette Leute“ hätten ihn bei den zahlreichen Behördengängen unterstützt, und auch aus dem Dorf heraus und von der griechisch-orthodoxen Gemeinde hat die tief-religiöse Familie tatkräftige Hilfe erfahren. Die gesamte Wohnungseinrichtung stammt aus Spenden, denn der größte Teil des Hab und Gutes befindet sich noch in Griechenland.

Zwar folgte die Familie drei Monate später nach Deutschland, nachdem der Vater nach vielen Absagen (meist wegen der hohen Kinderzahl) endlich eine Wohnung gefunden hatte, aber sämtliche Elektrogeräte wie auch das Doppelbett befinden sich noch in Griechenland. Dass man eine Wohnung fand, war ein reiner Glücksfall, weil der Vermieter, die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, sich zwar ausführlich nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der neuen Mieter erkundigt hatte, aber die Zahl der Kinder nicht nachgefragt hatte.

Die Familie Kontogeorgalos kennt die Region Aachen schon recht gut, denn die damals noch etwas kleinere Familie lebte 14 Jahre lang bis zum Jahr 1997 schon einmal in Deutschland. Apostolos Kontogeorgalos studierte an der RWTH Aachen und war zeitweilig bei der damaligen KFA Jülich beschäftigt. Die Rückkehr mit drei Kindern nach Griechenland erwies sich einige Jahre später als Fehlentscheidung, denn Apostolos Kontogeorgalos wurde in voller Härte von der Euro-Krise getroffen.

Immer drastischer wurden die Maßnahmen des angeschlagenen Staates: Zunächst wurde sein Gehalt als Chemiker im Staatsdienst halbiert, dann wurde das Kindergeld gestrichen, dann gab es von der Krankenversicherung kein Geld mehr und es war kaum noch möglich, einen Arzttermin zu bekommen. Maria Kontogeorgalos: „Unter dieser Umständen hätten wir nicht mehr überleben können.“ Also wählte die Familie den Ausweg nach Deutschland.

Obwohl man sich recht wohl fühlt, ist die Phase der Eingewöhnung noch nicht ganz abgeschlossen. Der älteste Sohn möchte ein Studium aufnehmen, die Mädchen besuchen die St. Ursula Realschule in Monschau und die anderen schulpflichtigen Kinder besuchen die Grundschule in Steckenborn. Maria Kontogeorgalos fühlt sich allerdings schon richtig wohl in Steckenborn: „Wir haben einen kleinen Garten, der Spielplatz ist in der Nähe, und es gibt so gut wie keine Kriminalität.“

Nachmittags sind alle mit den Hausaufgaben beschäftigt und die größeren Kinder passen mit auf die kleineren Geschwister auf, denn die Augen der Mutter können nicht überall sein, die an der Fülle der Aufgaben aber nicht verzweifelt: „Gott hilft uns, sonst wir würden wir das alles gar nicht schaffen.“ Die Mutter ist vor allem glücklich, „dass jetzt wieder alle zusammen sind“. Bei aller Last des Tages, der früh beginnt und spät endet, bekommt jedes Kind seine Zeit, und Maria Kontogeorgalos lässt sich trotz eines enormen Pensums an Hausarbeit nicht aus Ruhe bringen: „Ich wasche so oft ich kann“, und wenn man sie nach einem Wunsch fragt, braucht sie nicht lange zu überlegen: „Ich hoffe, dass die Kinder nicht krank werden.“

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