Grenzlandtheater Aachen: Dunkles Geheimnis hinter glatter Fassade

Von: Ulrike Wimmer
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Im Stück „Ohne Gesicht“ im Grenzlandtheater spielen Ute Wieckhorst und Thomas Pohn das Ehepaar Demalénes.

Monschau. Haben Sie schon mal etwas getan, was Sie später bereut haben? Ein kurzer Augenblick reicht oft aus, um das spätere Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Genau darum geht es am Freitagabend, 7. Dezember, um 20 Uhr, bei dem neuen Kammerstück „Ohne Gesicht“ des Grenzlandtheaters Aachen. Die Aufführung findet in der Aula des St. Michael-Gymnasiums Monschau statt.

In dem Zweimannstück von Irene Ibsen-Bille, Enkelin des weltberühmten Dramatikers Henrik Ibsen, geht es um Identitätsfindung und Seelenforschung. Genau wie ihr berühmter Großvater liebt Irene Ibsen-Bille psychologisches Verwirrspiel.

Im Mittelpunkt des Spiels steht das wohlhabende Ehepaar Demalénes. Zu seinem 50. Geburtstag zieht sich das Paar in ein nobles Hotel zurück. Auf den ersten Blick führen die beiden eine Bilderbuchehe. Er ist erfolgreicher Schriftsteller und auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Sie hält ihm in allen Lebenslagen den Rücken frei. Dennoch gibt es seit vielen Jahren ein dunkles Geheimnis.

„Ohne Gesicht“ ist ein Stück, das noch nicht oft aufgeführt wurde, aber dennoch wie gemacht ist für das Grenzlandtheater. „Dieses Stück fanden wir spannend und absolut sehenswert, aber auch sehr, sehr schwierig“, erklärt Intendant Uwe Brandt, der für die Inszenierung daher einen besonders erfahrenen Regisseur gesucht hat. „Wir suchten einen alten Theaterfuchs, einen der auch in die Tiefe gehen kann“, so Brandt. Gefunden wurde der Regisseur Jens Pesel, ehemaliger Generalintendant der Vereinigten Städtischen Bühnen Krefeld und Mönchengladbach. Er hat sich in den letzten Wochen gemeinsam mit der Dramaturgin Anja Junski und dem Bühnen- und Kostümbildner Siegfried E. Mayer intensiv mit dem Stück beschäftigt.

Von der Wahl des Stücks war auch der Regisseur überrascht. Dass ein Werk der Ibsen Enkelin existiert, war ihm bisher vollkommen unbekannt. „Als ich gehört habe, dass eine Enkelin von ihm ein Stück geschrieben hat, war ich sofort elektrisiert“, so Pesel. Umso größer also der Anreiz, die Geschichte szenisch so umzusetzen, dass wie bei Ibsen auch, eine Mischung aus Beziehungs- und Identitätskrimi entsteht. „Ich habe das Stück gelesen und fand es spannend, es hat eine Art Krimicharakter“, erklärt er. Beim Lesen stellten sich ihm immer wieder neue Fragen. „Jeder wird sein eigener Kolumbus und entdeckt sein eigenes Amerika und seine Antworten auf eigene Fragen“.

Wie bei einem Verhör

Im Stück selber werden wie bei einem Verhör auch, viele Fragen gestellt und es entsteht eine Atmosphäre des Misstrauens und des Verbergens. Das fordert vor allem bei den beiden Schauspielern Thomas Pohn und Ute Wieckhorst große Verbergungstaktiken. Die Atmosphäre des Stücks wird auch im schlichten Bühnenbild deutlich. Mit der kühlen Eleganz der 60er Jahren bleibt viel Platz für die Aussagen und die Nahaufnahmen der Schauspieler.

Das Stück greift die Frage nach der Einmaligkeit eines Menschen auf. Viele Fragen werden jedoch weiter offen bleiben, auch für die Zuschauer.

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