Grabstätte vor der Klotür sorgt für Verärgerung

Von: Ernst Schneiders
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Diesen Anblick auf den Rotter Waldfriedhof bezeichnen Hinterbliebene als pietätlos. Foto: Ernst Schneiders

Rott. Für einen selbst spielt es keine Rolle mehr, ob der Leichnam unmittelbar vor der Tür zu einer öffentlichen Toilette beigesetzt wird oder anderswo. Hinterbliebene können sich indes sehr wohl in ihren Gefühlen verletzt fühlen und eine solche Grabstätte als pietätlos betrachten, sobald die Trauergemeinde den Blick vom Grab erhebt und auf die Symbole für „Männer” und „Frauen” blickt.

Um einen solchen Fall geht es derzeit auf dem neuen Friedhof in Rott. Dort hat ein Einwohner von Roetgen vor kurzem seinen Vater bestattet, in einem Urnengrab und anonym. Allerdings, sehr zum Leidwesen des hinterbliebenen Sohnes, quasi direkt vor der Klotür. Der Roetgener hält diesen Begräbnisort für „nicht angemessen”, auch was die Kommentare der Trauergesellschaft betreffe.

„Welcher Architekt oder Planer hat hier die Hand im Spiel gehabt? Wäre es nicht eine große, pietätvolle Geste den Verstorbenen gegenüber gewesen, durch eine einfache gärtnerische Gestaltungsmaßnahme eine optische Trennung und ein wenig Abstand herzustellen?” Diese Frage hat der Sohn des Toten der Gemeindeverwaltung Roetgen gestellt. Für Michael Schlamann vom Bauamt ist die Reaktion „menschlich nachvollziehbar”.

Allerdings habe im Rathaus „niemand Böses dabei gedacht”. Schlamann weiß aus Erfahrung, dass besonders, wenn es um Friedhöfe geht, erhöhtes Fingerspitzengefühl gefragt ist. Deshalb hat er dem Hinterbliebenen auch inzwischen mitgeteilt, dass die Gemeinde mit Beginn der Pflanzperiode im Frühjahr die Angelegenheit mit einer bis zu 1,20 Meter hohen Buchenhecke aus der Welt schaffen werde.

Kein Gedenkstein

Der Sohn freut sich darüber auch. Dennoch hat er Bedenken, ob eine solch Hecke, sobald sie in diese Breite wächst, nicht doch irgendwann Exhumierungen der Urnen in diesem Bereich zur Folge hat, weil sie die Gräber überwuchert. Das sieht Michael Schlamann nicht. Bei einem anonymen Grab gebe es keinen Gedenkstein, der zuwuchern könne. Überdies könne man durch entsprechenden Schnitt dafür sorgen, dass die Hecke schmal bleibe.

Eine andere Grabstelle wäre dem Hinterbliebenen ohnehin lieber gewesen, in Nähe des Eingangs. „Sicherlich war es einfacher, im allgemeinen Schneematsch direkt vom Klo aus die Beerdigung durchzuführen als unter Umständen noch einen Zugang zu schaufeln oder drei Bretter auszulegen”, schreibt er.

Den unterschwelligen Vorwurf der Bequemlichkeit weist Michael Schlamann jedoch vehement zurück. Die Parzelle rechts des Weges sei in vier Grabfelder unterteilt: Urnengräber, Kindergräber, Urnenwahlgräber und anonyme Gräber. Und die anonymen Gräber seien nun einmal dort vorgesehen, in unmittelbarer Nähe der Toilettenanlagen.
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