Gisela Nacken beißt in Roetgen heftig auf Granit

Von: Ernst Schneiders
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In dem aus dieser Perspektive Bereich links neben der Himmelsleiter soll der größte Teil des Windparks entstehen. Während für die Planer im Aachener Rathaus dieser Bereich des Münsterwaldes in großen Teilen nicht schützenswerter Nutzwald ist, macht in Roetgen das Wort von der „Verschandelung” der Landschaft die Runde. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. Sie traute sich in die Höhle des Löwen und wusste vorab, dass ihr keine Woge der Sympathie entgegenschwappen würde. Entsprechend kühl und distanziert verlief denn auch die anderthalbstündige Befragung der Aachener Umweltdezernentin Gisela Nacken im Roetgener Bauausschuss.

CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Seidel hatte einen rhetorisch guten Tag erwischt und setzte der grünen Dezernentin einige Male mächtig zu. Die meisten Argumente Für und Wider waren hinlänglich bekannt und schon an bei anderen Gelegenheiten ergebnislos hin- und hergedreht worden. „Wir machen das nicht, weil es uns Spaß macht, sondern weil wir auch an künftige Generationen denken müssen”, bekannte sich Nacken zu dem Bemühen, auch auf lokaler und regionaler Ebene dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Es gehe im Münsterwald nicht um die Verschandelung von Landschaft oder die Zerstörung von Naturschutzgebieten, sondern um einen Windpark, der in einen Nutzwald gestellt werden solle. Fichten-Monokulturen auf rund drei Hektar des insgesamt 172 Hektar großen Terrains sollen dem Windpark weichen, wenn er denn kommt.

Denn das hängt maßgeblich von einem Gutachten ab, das im Sommer erwartet wird. Darin geht es, unter anderem, um seltene Vogelarten, Fledermäuse und Zugvögel. Sehen wird man die Anlagen, die bei senkrecht stehenden Flügeln eine Höhe von etwa 185 Metern erreichen, weithin. Spätestens damit war der Punkt erreicht, an dem das Mühen um Verständnis endete. „Ich kann niemanden überreden, das schön zu finden. Ich versuche das deshalb auch nicht”, machte Gisela Nacken klar, dass es bei der Frage der Optik nicht um Sachargumente, Recht und Gesetz gehen könne, woran die Stadt Aachen als Planerin gebunden sei.

„Sinnbilder” für Umweltschutz

Beeinträchtigungen im touristischen Bereich sah die Umweltdezernentin nicht auf die Gemeinde Roetgen zukommen. In anderen Regionen habe man die Erfahrung gemacht, dass Windkraftanlagen „Sinnbilder” für Umweltschutz und ökologisches Handeln seien und viele Touristen gerade aus diesem Grunde dort ihren Urlaub verbrächten. Michael Seidels großer Auftritt nahte: „Wenn das alles so toll ist, warum bauen Sie den Windpark dann nicht in den Aachener Stadtwald? Dann hätten die Aachener den Nutzen davon. Ich habe das Gefühl, dass Aachen die Vorteile der Windenergie abschöpfen will. Roetgen soll die Nachteile in Kauf nehmen und das touristisch alles ganz toll finden!”

Tosender Applaus des völlig überfüllten Sitzungssaals, in dem etliche Zuhörer sich mit einem Stehplatz begnügen mussten, war Seidel sicher.

Als Gisela Nacken den Sitzungssaal verließ, wurde sie auf dem Flur von Mitgliedern der Bürgerinitiative gegen den Windpark in Empfang genommen, die der Umweltdezernentin aus der Kaiserstadt alle möglichen Alternativstandorte nannten und ihr einiges zu Denken mit auf den Heimweg gaben.

Nacken bot der Bürgerinitiative ein Gespräch im Aachener Rathaus an und lud alle Interessenten ein, am 30. März ins Inda-Gymnasium nach Kornelimünster zu kommen. Dort sollen ab 18 Uhr (Ende offen), Bürger die Gelegenheit haben, mit der Aachener Verwaltung über das Windparkprojekt zu diskutieren.

Doch waren es nicht nur Gegner des Windparks, die am Dienstagabend den Roetgener Ratssaal bevölkerten, wie eine Besucherin nach der Sitzung betonte: „Nicht alle Menschen in Roetgen sind gegen den Windpark. Es gibt eine ganze Menge Leute, die ihn genau dort befürworten.”

„Völliger Blödsinn”

Beschlossen wurde im Bauausschuss dann auch noch etwas, gegen die Stimmen von SPD und Grünen: Der Gemeinderat soll eine Resolution verabschieden, in welcher er gegenüber der Stadt Aachen die Ablehnung des Windparks im Münsterwald klar zu Ausdruck bringt.

Vergeblich hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Onasch zuvor versucht, diese Entscheidung zu verhindern: „Eine solche Resolution findet im Verfahren keinerlei Berücksichtigung. Das ist völliger Blödsinn!”
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