Giora Feidman bei der Monschau Klassik: Die Musik ist seine Sprache

Von: Ricarda Schoop
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Ein außergewöhnlicher Solist
Ein außergewöhnlicher Solist mit individuellen Ansichten üner Musik ist Giora Feidmann, der in diesem Sommer bei der Klassik in Monschau gastierte. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Giora Feidman hat ein warmes und herzliches Lächeln im Gesicht. Obwohl er einen Gehstock benutzt, wirkt der 75-jährige Musiker, der vor zwei Wochen bei der „Monschau Klassik” gastierte, alles andere als gebrechlich.

Er strahlt eine Ruhe und Gelassenheit aus, als hätte er den ganzen Tag Zeit, um sich mit seinem Gegenüber zu unterhalten. Er spricht sehr leise, fast flüsternd und in einem Sprachgemisch aus Englisch und Deutsch.

Giora Feidman ist leicht anzumerken, dass Musik für ihn mehr ist, als nur ein Beruf. In vierter Generation setzt er diese Familientradition fort, ist „Klezmer-Musiker” geworden. Sein Instrument ist die Klarinette, seine Musik eine Mischung aus osteuropäischen Elementen, Klassik und südamerikanischen Rhythmen. Geboren und aufgewachsen ist er in Buenos Aires, als Sohn eines jüdischen Lehrers.

Das Genre der „Klezmer-Musik” ist für Feidman keine zufällige Wahl, auch wenn er betont, dass Gattungsbezeichnungen in seinem Berufsfeld überflüssig sein sollten. Musik ist, nach seiner Auffassung, eine „Sprache des Herzens”. Feidman spricht immer wieder von einer Intuition, einem Geist, den er mit seiner Musik transportieren will. Sie ist für ihn ein Mittel zur Identitätsfindung und Völkerverständigung.

Eine natürliche Gabe

Jahrelang spielte Feidman in verschiedenen Orchestern, bis er Anfang der 70er Jahre eine Solokarriere startete, die ihn nach New York führte. Dort heiratete er seine ehemalige Managerin Ora Bat-Chaim und gründete eine eigene Familie. Für den bekannten Klarinettisten mit der großen internationalen Karriere ist Musik keine Frage des Talents. Sie sei vielmehr eine natürliche Gabe, die jeder Mensch in sich trage.

Musik sei etwas Intuitives, fast schon Evolutionäres. Das eben erst geborene Baby, sagt er, höre doch schon auf das Singen seiner Mutter und trage somit Musik in sich. Diese kindliche Fähigkeit müsse nur gefördert werden. Diese Einstellung findet sich auch in seiner Biografie „Du gehst, du sprichst, du singst, du tanzt”. „Ich spiele Klarinette, um meine Gefühle mit den Menschen zu teilen”, beschreibt Giora Feidman sein Verhältnis zur Musik. Er spiele nicht in erster Linie, um auf der Bühne zu stehen und sich vom Publikum feiern zu lassen.

Den Austausch mit den Zuhörern genieße er zwar, doch er spiele vorrangig für sich. Und wer ihn mit seiner Klarinette sieht, kann dies auch nachvollziehen: Mit verträumten, halb geschlossenen Augen und diesem Lächeln im Gesicht spielt er die Musik, die ihn glücklich macht.
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