Gewerbegebiet Imgenbroich: Angst vor Umsatzeinbußen und Leerstand

Von: Ernst Schneiders
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Selbst mit den abgespeckten Mo
Selbst mit den abgespeckten Monschauer Plänen im Gewerbegebiet Imgenbroich Nord-West kann sich im Simmerather Rathaus niemand anfreunden. Foto: Heiner Schepp

Simmerath. „Wir sind nicht die Verhinderer oder die bösen Buben!” Simmeraths Beigeordneter Roger Nießen schiebt allen Spekulationen einen Riegel vor, die Gemeinde sei mit ihrer ablehnenden Haltung zum von der Stadt Monschau geplanten Gewerbegebiet Imgenbroich Nord-West dem Nachbarn, zu dem das Verhältnis traditionell etwas störanfällig ist, ohne sachlichen Grund in die Parade gefahren.

Der Planungsausschuss der Gemeinde hatte am Dienstagabend, nach Nießens Worten ohne große Emotionen und einstimmig, den Plänen der Nachbarkommune eine Absage erteilt und gegen die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes „erhebliche Bedenken” geäußert.

In der Vergangenheit hatte die Gemeinde Simmerath schon einmal Bedenken gegen das Großprojekt vorgebracht, was man im Monschauer Rathaus zum Anlass nahm, die Pläne einzudampfen. Doch auch diese abgespeckte Version macht im Simmerather Rathaus niemanden glücklich.

Ganze Liste von Argumenten

Bei Umsetzung der überarbeiteten Planung mit nunmehr einem Lebensmittel-Vollsortimenter (Verkaufsfläche 3000 Quadratmeter) und einer so genannten Vorkassenzone (Bäckerei, Schlüsseldienst, Kiosk etc.) von 200 bis 300 Quadratmetern befürchtet man in Simmerath eine erhebliche Umsatzumverteilung in den Segmenten Lebensmittel und Drogerie, mit erheblichen Leerständen im Ort als letzte Konsequenz. In der Vorlage der Verwaltung für den Planungsausschuss ist von insgesamt 2,5 Millionen Euro die Rede.

„Die Größenordnung des geplanten Lebensmittelmarktes geht weit über die Nahversorgung hinaus”, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung, die sie als Verfahrensbeteiligte abgeben wird. Das Gutachten lege einen Einzugsbereich von 36.240 Einwohnern zugrunde, wobei Monschau lediglich über 12.440 Einwohner verfüge. Das bedeute im Umkehrschluss, dass zwei Drittel der Kaufkraft aus den Nachbarkommunen Simmerath und Roetgen abgezogen würden. Der bis 2030 prognostizierte Bevölkerungssrückgang werde diese Entwicklung noch verschärfen.

Nicht einverstanden ist man im Simmerather Rathaus ferner, dass die Stadt Monschau ihre Pläne unter anderem mit ihrer Funktion als Mittelzentrum begründe. Nach dem Landesentwicklungsprogramm hätten Mittelzentren die Funktion, den gehobenen Bedarf für die ihnen zugeordneten Bereiche zu decken. Davon könne in Imgenbroich Nord-West allerdings keine Rede sein. Dort gehe es um die Grundversorgung. Das Monschauer Vorhaben „behindert daher die Gemeinde Simmerath, die Grundversorgung ihrer Bevölkerung selbst sicherzustellen”. Geschädigt werde auch die Nahversorgung in Eicherscheid.

Schließlich und endlich wird in der verabschiedeten Stellungnahme darauf verwiesen, dass der ins Auge gefasste Standort außerhalb des zentralen Versorgungsbereichs der Stadt Monschau liege und wegen der dort verlaufenden Höckerlinie, wie der Westwall aus der Nazi-Zeit auch genannt wird, „ein räumlicher und funktionaler Zusammenhang zum bestehenden zentralen Versorgungsbereich nicht zu erkennen” sei.

Roger Nießen ist erleichtert, dass es im so genannten Strikt-Arbeitskreis, wo städteregional die Einzelhandelskonzepte auf dem Prüfstand stehen, auch andere Stimmen gibt, die Bedenken gegen das Monschauer Projekt haben. Diese Stimmen kämen aus Kommunen, die in keiner Weise tangiert seien. Nießen: „Ich bin froh, dass man dort unsere Auffassung teilt.” Auch sei das ein Beleg dafür zu werten, dass das Thema im Simmerather Rathaus ausschließlich „sachlich und fachlich” behandelt werde.

Sollte es aber noch eines weiteren Beweises bedürfen, verweist Beigeordneter Nießen auf die Haltung der Gemeinde zum Thema Baumarkt in Monschau. Dagegen gebe es in Simmerath keine Widerstände, weil man im Rathaus der Meinung sei, dass der Wettbewerb in diesem Segment gefördert werden solle. „Daran erkennt man, dass wir die Dinge objektiv sehen.”
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