Nordeifel - „Geschichte und Geschichten“ vom Bau der Rurtalsperre

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„Geschichte und Geschichten“ vom Bau der Rurtalsperre

Von: ag/ P.St.
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Ausflug mit Käfer: Si sah das Sonntagsvergnügen am Rursee während der Wirtschaftswunderjahre aus. Im Hintergrund der alte Seehof Schwammenauel.

Nordeifel. Wer an den Rursee kommt, ist meist auf der Suche nach Erholung und möchte die idyllische Kulisse genießen. Wenn der Blick dann über Wasser, Wald und Wildnis schweift, denkt kaum einer an die Geschichte des Rursees.

Die Journalistin Ulrike Schwieren-Höger lenkt mit ihrem jetzt erschienen Buch „Der Rursee – Geschichte und Geschichten“ die Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse der Vergangenheit und geht in ihrer Betrachtung weit über die hinreichend bekannten Werbebotschaften der heute 200 Millionen Kubikmeter Wasser fassen Talsperre hinaus.

Bis zu 1700 Menschen waren an ersten Ausbaustufe des Rursees beschäftigt. „Bei der Grundsteinlegung am 2. Mai 1934 wurde er von den Nazis als Propagandamittel missbraucht und in den Zeitungen als ‚lebendiges Zeugnis deutschen Aufbauwillens‘ gefeiert. Im Zweiten Weltkrieg hat er dazu beigetragen, die grausamen Kämpfe im Hürtgenwald um Wochen zu verlängern. Auch manche private Biographie nahm hier eine Wende: Für die erste und zweite Ausbaustufe mussten Gutshöfe und Dörfer geräumt werden – zum Vorteil vieler Anrainer und der Industrie, denn mit dem Rursee wurde das ‚schauerliche Gespenst der Wasserklemme‘ bekämpft.

Wie viele Diskussionen, wie viel Freude, wie viel Erfolg, wie viel Arbeit, wie viel Segen, wie viele Tränen und wie viel Ärger der Rursee in die Region gebracht hat, zeigen die Bilder und Berichte über die Talsperre und ihre Erbauer – Geschichten von Arbeitern, Helden, Kämpfern und Träumern“, heißt es in der Buchbeschreibung und die Autorin verspricht damit nicht zu viel.

Auf 70 Seiten im Format 24,5 cm x 22,7 cm beschreibt sie die verschiedenen Ausbaustufen des Rursees, sie geht auf die Rolle und Bedeutung der Talsperren ein und vergisst dabei nicht den Blick auf die Menschen. Sie beschreibt die Wut und Verzweiflung, als bekannt wird, dass Pleushütte und Teile von Einruhr im Rahmen der zweiten Ausbaustufe im See versenkt werden sollen. Auch die Menschen, die beim Bau der Talsperren ihr Leben ließen, finden im dem Buch ihren Platz. Die Rolle des Rursees in der Nazipropaganda wird ebenso dargestellt wie die Bedeutung für die Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg.

Auf nahezu jeder Seite des Buches begleiten den Leser zahlreiche sehenswerte historische Aufnahmen, die zum Teil kaum einer größeren Öffentlichkeit bekannt sein dürften. Die Aufnahmen lockern nicht nur den Text auf, sondern ermöglichen dem Betrachter einen ganz anderen Blick auf den Rursee. So ist es der Autorin gelungen, ein eindrucksvolles Dokument zu schaffen. Leider fehlt dem Buch das bislang letzte Kapitel in der Geschichte des Rursees: Die heftige Diskussion über das schließlich gescheiterte Pumpspeicherkraftwerk wäre noch in interessanter Aspekt gewesen.

Das Buch ist im Wartberg Verlag erschienen und für 16,90 Euro im Handel erhältlich.

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