Gescheiterter Einbruch: Täter im Schwitzkasten

Von: Heiner Schepp
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Hier spielte sich das filmreife Geschehen in der Nacht zum Samstag ab: Michael Roder rang zunächst im Hausflur mit dem Einbrecher und konnte ihn schließlich vor der Haustür überwältigen. Aus dem gegenüber liegenden Haus eilten dann Nachbarn zur Hilfe. Foto: Heiner Schepp

Höfen/Simmerath. Beherztes Zugreifen und couragierte Nachbarschaftshilfe haben dazu geführt, ein Simmerather Einbrechertrio dingfest zu machen. In der Nacht zum Samstag wurde einem 27-Jährigen und zwei erst 15-jährigen jungen Männern, alle drei aus der Gemeinde Simmerath, der Einbruch in ein Einfamilienhaus in Höfen-Alzen zum Verhängnis.

Vieles spricht dafür, dass das Trio für weitere Straftaten in den vergangenen Wochen in Frage kommt.

Michael Roder, 37, wurde in besagter Nacht gegen 2.15 Uhr, im Schlafzimmer liegend, von verdächtigen Geräuschen geweckt. „Ich habe einen sehr leichten Schlaf“, bekannte der Krankenpfleger, der sofort erkannte: „Da sind Leute im Haus, die hier nicht hingehören.“ Denn seine Frau Katja und die kleine Tochter, die schon mal gerne im Elternschlafzimmer übernachtet, schlummerten da noch friedlich neben ihm, und der 37-Jährige wusste, dass auch sein im darunter liegenden Haus lebender Vater an diesem Wochenende nicht zuhause war.

Im Hausflur entdeckte Roder dann eine junge männliche Person, die ihm, sichtlich erschrocken in der Haustür stehend, die Geldbörse seiner Frau entgegenstreckte. „Katja, ruf‘ die Polizei! Hier sind Einbrecher im Haus!“ rief Michael Roder lauthals, woraufhin der ungebetene Gast aus der Tür stürmte. Als der 37-Jährige nach weiteren Personen in der Küche schauen wollte, stürmte ihm von dort ein weiteres Bürschchen entgegen, das aber so flink war, dass der Hausbesitzer nur noch dessen Rucksack zu packen bekam, in dem sich später allerhand Diebesgut fand. Wieder vergingen nur Sekunden, da stürmte auch schon Nummer drei aus dem Wohnzimmer Richtung Ausgang.

„Der trug eine Fliegerjacke – und die war griffiger“, berichtet der Alzener und meinte schmunzelnd: „Und dann haben wir ein bisschen gerangelt.“ Zwei, drei mal drehten sich die Kontrahenten noch stehend in Ringermanier im Hausflur und stürzten schließlich durch die geöffnete Haustür nach draußen, wo der fast 1,90 Meter große Krankenpfleger schließlich die Oberhand gewann, den Eindringling in den Schwitzkasten nahm und diesen mit seinem gesamten Körpergewicht minutenlang am Boden hielt. „Ich habe ihm dann noch massivere körperliche Gewalt angedroht, falls er sich weiter wehrt... genau genommen habe ich gesagt, dass ich ihm dann den Hals umdrehe“, wusste Michael Roder zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht, dass er es mit einem Landsmann zu tun hatte, der, immer noch im Schwitzkasten, kleinlaut meinte: „Is‘ ja gut, ich versteh‘ Dich ja!“

Lauthals um Hilfe gebrüllt

In dieser Situation kam Michael Roders Frau Katja hinzu und tat instinktiv das Richtige: Sie trat vor die Haustür und brüllte aus Leibeskräften um Hilfe. Dies geschah so laut, dass wieder nur Sekunden vergingen, ehe Nachbar Michael Nellessen, offenkundig aus dem Schlaf gerissen, aus dem unmittelbar angrenzenden Nachbarhaus kam und zur Hilfe eilte. „Michael erkannte sofort, dass er mir nicht helfen musste, aber alleine sein Hinzukommen hat wahrscheinlich verhindert, dass die beiden zuvor getürmten Mittäter ihrem am Boden liegenden Kumpel zur Hilfe eilten“, zeigte sich Michael Roder begeistert über die Nachbarschaftshilfe. Zumal mit Ralf, Walter und Katja Diewald kurze Zeit später auch die Nachbarn auf der anderen Seite hinzu stießen.

„Es war mutig, aber gefährlich“

„Eine kleine Ewigkeit“, erinnert sich Katja Roder, verging dann, bis die Polizei eintraf. Ihr Mann lag, nur mit Boxershorts und Shirt bekleidet, immer noch auf seinem Widersacher, was das inzwischen auch hinzugekommene Töchterchen zu der spontanen Bemerkung veranlasste: „Papa, Du hast ja keine Socken an!“

Papa Michael konnte sich dann auch etwas Wärmeres überziehen, denn inzwischen hatten sich die Streifenbeamten recht unsanft des bösen Buben angenommen und diesen abgeführt.

„Die Polizisten haben sich sogar bei mir bedankt“, berichtet Michael Roder, und geriet erst später ins Grübeln über das, was er getan hatte: „Es war mutig, aber gefährlich. Hätte der Einbrecher ein Messer oder eine andere Waffe gehabt, wäre es anders ausgegangen“, grübelt der 37-Jährige, stellt aber fest: „In einer solchen Situation denkt man nicht groß nach, sondern reagiert nur.“ Er habe sich in seinem ganzen Leben noch nicht geprügelt und lehne eigentlich jede Form von Gewalt ab, bekennt Michael Roder, Jugendleiter der Höfener Feuerwehr. Aber hier habe es einfach die Situation erfordert, wobei ihm seine „körperliche Präsenz“ zugute kam „und auch die Erfahrung, die er im Pflegedienst des Aachener Klinikums mit wehrigen Menschen hat“, wie Katja Roder ergänzt.

Was für das Paar aber bei allem Erlebtem am meisten haften geblieben ist, ist das Wissen, sich bei weiter Entfernung zur nächsten Polizeistation auf die Nachbarn verlassen zu können. „Das ist einfach ein unschätzbar gutes Gefühl und auch ein gewichtiges Argument für das Leben ‚auf dem Dorf‘“, sagen Katja und Michael Roder übereinstimmend.

Während für sie wichtig war, „dass unsere Tochter gesehen hat, wie der fremde Mann von der Polizei weggefahren wurde“, dürfte der Fall die Kripo noch einige Zeit beschäftigen. Einer der beiden 15-Jährigen wurde von einem zweiten nach Alzen entsandten Streifenwagen in Höfen erwischt und später den Eltern übergeben, der andere Jugendliche ist inzwischen ebenfalls ermittelt.

Auch ein gescheiterter und letztlich glimpflich verlaufener Einbruch wie dieser in Alzen darf sicher nicht verharmlost werden, doch zeigte sich im Nachgang, dass die Polizei es hier wohl nicht mit ganz schweren Jungs wie den organisierten Verbrecherbanden aus Südosteuropa zu tun hat. Kein Witz: Dem Vernehmen nach reisten das Einbrechertrio aus Simmerath mit dem Fahrrad an. Und wenn es nicht so traurig wäre, dass hier zwei Jugendliche kriminelle Energie offenbarten, könnte man über ihre Beute im Hause Roder fast schon schmunzeln. Im Rucksack, der einem der jugendlichen Täter entrissen wurde, fanden sich nämlich – neben anderem Diebesgut – Überraschungseier, Gummibärchen und drei Eis aus dem Gefrierfach der Roders...

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