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Gemeinsamkeiten der Menschen im Fokus

Von: avl
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Ein Fotogruß von der Vernissage in Monschau an den Fotografen in New York: Die Ausstellung mit Bildern von Ken Heyman wurde jetzt im Kunst- und Kulturzentrum in Monschau eröffnet. Foto. Bert van Londen

Monschau. Fotografien, die mehr zeigen als nur künstlerisches Können oder den erstklassigen Umgang mit Licht und Schatten, sondern auch ganz besondere Geschichten des Lebens Sichtbarmachen – mit dem amerikanischen Fotografen Ken Heyman fand die Leiterin des Kunst- und Kulturzentrums (KuK) der Städteregion Aachen in Monschau, Dr. Nina Mika-Helfmeier, einen herausragenden Künstler, mit dem sie die Ausstellungsreihe 2016 fulminant eröffnete.

Wie sehr die Ausstellungen im Monschauer KuK inzwischen geschätzt und immer kostenfrei in Anspruch genommen werden, zeigte einmal mehr der rege Andrang der Besucherscharen: in den Ausstellungsräumlichkeiten stand man zwischenzeitlich Schlange bevor die Fotoarbeiten Heymans in Augenschein genommen werden konnten.

„Die Fotografie hat sich in den letzten Jahren zu einem besonderen Schwerpunkt im KuK entwickelt, und diesem widmet sich 2016 das gesamte Jahresprogramm mit vier Schauen, die den Blick in die Gegenwart und nahe Vergangenheit, auf faszinierende Metropolen dieser Welt und auf einflussreiche Kunstströmungen richten“, versprach Regionalrat Helmut Etschenberg bei der Eröffnung der Ausstellung. „Wer öfter die Ausstellungen im KuK besucht weiß, dass man bei uns internationale Top-Künstler wie jetzt Ken Heyman erwarten darf“, sagte Etschenberg.

„Ein gutes Bild ruft eine Emotion hervor – je stärker, desto besser. Ich versuche die Wahrheit der Menschen zu erfassen, indem ich das festhalte, was ich sehe“, so der 1930 in New York geborene Fotokünstler. Die Ausstellung, die 120 Werke aus den Serien „Willie in New York“, „World‘s Family“ und seinen Pop-Art-Fotografien umfasst, ist in diese Zusammensetzung zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. „Dies ist Norbert Bunge (Argus-Galerie für Fotokunst in Berlin) zu verdanken“, so Helmut Etschenberg.

Seine Fotografien, die Heyman in der New Yorker Kunstszene von Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, James Rosenquist, Tom Wesselmann und Andy Warhol gefertigt hat, sind ein wichtiges Dokument für den Aufbruch in der US-amerikanischen Kunst der frühen 1960er Jahre. Es sind Fotos, die Heyman im Auftrag von John Rublowsky 1964 für dessen Buch „Pop Art“ produzierte und die ihn berühmt machten.

Sein besonderes Interesse galt jedoch den sozialen Themen in der globalen Welt. Als Ethnologe und Fotograf bereiste er nach eigenen Angaben 60 Länder. Daher stammt das Bildmaterial, das er 1983 für seinen Bildband „The World‘s Family“ auswählte. Das Buch ist eine bewusste Hommage und Fortführung von Erward Steichens Ausstellung und Katalog „Family of Man 1954/1955“.

Ausschlaggebend für Ken Haymans fotografischen Ansatz war seine Beziehung mit der Autorin und Anthropologin Margaret Mead. Bei ihr studierte er an der New Yorker Columbia Universität zu Beginn der 1950er Jahre. Mead ermutigte ihre Studenten dazu, ihre Semesterarbeiten mit Zeichnungen oder Fotografien zu dokumentieren. Heyman, der zu dieser Zeit noch Sozialarbeiter werden wollte, kam dieser Anregung nach. Seine anthropologischen Beobachtungen von sieben- und achtjährigen Kindern aus Harlem, mit denen er auf der Straße arbeitete, dokumentierte er zusätzlich mit Fotos.

Mead erkannte in Heymans fotografischer Sozialstudie sein Gespür für menschliche Beziehungen und sein Talent als Fotograf. Sie nahm ihn deshalb nicht nur in ihre Abschlussklasse auf, sondern bot ihm 1957 sogar an, sie auf ihre Forschungsreisen nach Bali sowie später nach Mexiko und Sizilien zu begleiten. Auf die Frage, was Heyman fotografiert, antwortete Margaret Mead später einmal kurz: „Beziehungen“. Ken Heyman antwortete auf die Frage, inwiefern Mead ihn beeinflusst habe: „Sie öffnete mir die Welt.“

Ken Heymans Durchbruch als Fotograf ist sowohl seiner Spontanität als auch seinem Durchhaltevermögen zu verdanken. Selbst Ernest Hemingway und Leonard Bernstein konnte er durch seine ihm ganz eigenen Art überzeugen, sich von ihm porträtieren zu lassen. Im Laufe seiner Karriere fotografierte er mehr als 100 bekannte Persönlichkeiten – Politiker, Schauspieler, Schriftsteller und bildende Künstler, darunter Audrey Hepburn, Marilyn Monroe, Pablo Picasso, Anthony Quinn und herausragende Künstler der Pop-Art, allen voran Andy Warhol.

1983 entstand Heymans Buch „The World‘s Family“. Die Bilder zeigen, dass den Menschen auf der ganzen Welt viele Dinge gemeinsam sind. Sie teilen Gestik, Mimik und Emotionen. Indem Heyman gesellschaftliche und familiäre Beziehungen in den Vordergrund stellt, zeigt er, dass kulturelle Unterschiede gemessen an den schier unendlichen Parallelen aller Menschen marginal sind. „Ich habe vor vielen Jahren von meiner Freundin Margaret Mead gelernt, dass die Menschheit eine große Familie ist. Ich hoffe, dass die Menschen auf der ganzen Welt beim Anblick dieser Bilder begreifen, dass nie alle die gleichen Erfahrungen machen. Dann werden wir vielleicht erkennen, dass dies ihre Welt ist, auf die sie achtgeben sollten“, so die damalige Buchwidmung Heymans.

Auch heute, 30 Jahre nach dem Erscheinen von „The World‘s Family“, hat das Buch nichts von seiner Aussagekraft oder Aktualität eingebüßt. Gerade heute scheint es in der Welt notwendiger denn je zu begreifen, dass die Menschen viel mehr verbindet, als sie trennt. Es gibt eben nur eine Welt, die sie teilen und achten sollten – und das ist auch für die Besucher der grandiosen Fotoausstellung im KuK wohl die bedeutendste und nachhaltigste Botschaft, die sie mit nach Hause nehmen können.

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