Gemeindebücherei überzeugt mit neuem Raumkonzept

Von: Stefan Herrmann
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Die Herrin der Bücher: Anfang Oktober 2011 hat Rita Plum die Leitung der Gemeindebücherei Simmerath übernommen. Sie initiierte die Gründung eines Fördervereins und hat nun zusammen mit fleißigen Helfern die Räume Foto: Stefan Herrmann

Simmerath. Regierungen erhalten zum Antritt eine 100-Tage-Frist. Dann wird das erste Mal abgerechnet: Was haben die Politiker bisher erreicht? Konnten sie erste Versprechen einlösen? Stimmt die Bilanz? Nun ist Rita Plum keine Kanzlerin.

Aber als neue Leiterin der Gemeindebücherei Simmerath kann Plum bereits nach kurzer Zeit Beachtliches vorweisen. Seit vier Monaten ist die Diplom-Bibiliothekarin im Amt. Und schon erstrahlen die Räume an der Bickerather Straße in neuem Glanz.

Frische Ideen

Sie hat den großen Kehrbesen mitgebracht, frische Ideen hatte die 53-Jährige ebenfalls im Gepäck. Das man aus den 113 Quadratmetern noch mehr herausholen könnte, das habe sie sofort erkannt, sagt Plum.

Um Projekte umsetzen zu können, initiierte sie Ende vergangenen Jahres die Gründung des Fördervereins „Freunde fürs Lesen”. Fast 40 Mitglieder hat die Gruppe der Unterstützer mittlerweile. Und einige packten in der ersten Januarwoche gleich tatkräftig mit an. Denn Rita Plum hatte einen ehrgeizigen Plan im Kopf: Sie wollte die Bücherei einmal auf Links drehen.

„Neues Jahr, neues Glück, neue Bücherei” lautet das Motto der gebürtigen Hückelhovenerin, die seit 2006 in Kesternich wohnt. Viele fleißige Hände halfen mit, die beiden Bücherei-Räume neuzugestalten. Regale wurden verrückt, Fenster geschrubbt und massenweise Bücher gestapelt.

Es wurde geschraubt, gestemmt, gemalt, geputzt und... entsorgt. „Das gehört dazu”, sagt Plum. Die Fachfrau, die zuletzt in der Stadtbücherei Düren arbeitete, hat eine eiserne Regel: „Was im Regal steht, muss neu, muss interessant sein.” Alte Schinken, womöglich längst überholte Sachbücher locken keine Leseratte hinter dem Ofen hervor.

Daher sortierten Plum und ihre Helfer aus. 1000 Exemplare des 10.500 Bücher umfassenden Bestands wurden aussortiert. „Das fiel einigen richtig schwer”, erinnert sich Plum an harte Kämpfe um einzelne Titel. Doch die Bücherei-Leiterin ist von ihrem Weg überzeugt.

„Es ist immer wieder interessant zu sehen: Wenn wir neue Bücher kaufen, dann steigt direkt die Ausleihe.” Zwanghaftes Büchersammeln, ellenlange Regalwände voller verstaubter Schmöker, „das schreckt viele Menschen eher ab”, glaubt Plum.

Trotzdem soll der Bestand in Simmerath die 10.000er-Marke möglichst bald wieder knacken. Der Medienetat der Gemeinde ist mit 4500 Euro pro Jahr überschaubar. Aber auch hier hofft Plum, mit dem Förderverein neue Quellen erschließen zu können. „Gerne würde ich auch den Bereich der neuen Medien ausbauen”, sagt sie.

Ihre Entscheidung, nach Simmerath zu kommen, bereut sie keinen Deut. In anderen Städten und Gemeinden diskutieren Politiker über eine Reduzierung der Öffnungszeiten oder sogar die Schließung von Büchereien. Zu teuer, nicht mehr zeitgemäß in einer Welt der E-Books und des Internets, heißt es da vorschnell. Nicht so in Simmerath.

Erstmals hat die kleine Bibliothek mit Plum eine Fachkraft. Im Laufe des Jahres soll auch die Karteikarten- und Zettelwirtschaft ein Ende haben. Mit einem modernen EDV-System zur Erfassung der Bücher und Ausleihen plant Plum den nächsten Schritt in die Zukunft. „Bisher wird hier noch gestempelt”, sagt sie und lacht. Die neue Technik, die im Anmarsch ist, heißt RFID. Das steht für „Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen”.

Büchereien, die die neue Technik einsetzen, werden vom Land gefördert. Dafür müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt werden: Unter anderem setzt ein Förderantrag eine Gesamtöffnungszeit von mindestens 20 Stunden pro Woche voraus. Bisher öffnet Simmeraths Lesestube 15 Stunden lang die Türen. „Das wird sich dann sicherlich ändern”, sagt Brigitte Jansen von der Gemeindeverwaltung. Politik und Bürgermeister stehen hinter dem Projekt.

All das hält Rita Plum für bemerkenswerte Signale. „Deswegen habe ich auch den Schritt hierher gewagt, um etwas aufzubauen.” Mit der Umgestaltung der Büchereiräume hat sie eine eindrucksvolle 100-Tage-Bilanz vorgelegt. Der Eingang wirkt nun offener, Hemmschwellen werden schon an der Tür abgebaut.

Im rechten Raum reihen sich Eifelkrimis und Heimatkunde-Angebote an Romane für Jugendliche und Erwachsene. Dazu lädt der Lesetisch vor dem imposanten kunsthandwerklichem Fenster zum ersten Anlesen ein. Im linken Hauptraum fällt gleich der kunterbunte und helle Kinderbereich ins Auge. Daneben finden die Besucher Sachliteratur, Ratgeber und Reiseführer.

150 Stunden haben Plum und ihre fleißigen Helfer in die Renovierung gesteckt. 1300 Euro hat die Ausstattung der Regale mit Rollen gekostet, um die Bücherwände für Veranstaltungen unkompliziert beiseite schieben zu können. Rita Plum sieht zufrieden aus. Die Anstrengungen scheinen sich zu lohnen.

Vor wenigen Tagen kamen an einem Nachmittag 88 Besucher innerhalb von vier Stunden. „Das ist sehr viel”, sagt sie. 5113 Besucher und 14.285 Entleihungen verzeichnete die Gemeindebücherei im vergangenen Jahr insgesamt - die Zahlen könnten dieses Jahr steigen. Denn der Umbau war nicht Rita Plums letzte Idee...
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