Steckenborn - Geglückte Nachhilfe für wilde Narzissen in der Nordeifel

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Geglückte Nachhilfe für wilde Narzissen in der Nordeifel

Von: P. St.
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Als Hobbyzüchter ganze Arbeit geleistet: Auf dem Grundstück von Wolfgang und Friedlinde Höschel in Steckenborn gedeihen die wilden Narzissen inzwischen in verschwenderischer Pracht. Foto: P. Stollenwerk

Steckenborn. Wer die wilden Narzissen im Frühjahr in aller Pracht erleben möchte, der ist in diesen Tagen im Perlenbach- und Fuhrtsbachtal bei Monschau genau richtig, aber auch außerhalb dieser geschützten und von Besuchern hochfrequentierten Tallagen findet man in der Nordeifel vielfach beachtliche Vorkommen wilder Narzissen in Vorgärten und auf Hauswiesen.

Fragt man die Besitzer nach deren Ursprung, dann erhält man meistens zur Antwort, dass die Narzissen dort immer schon blühten. Das kann Wolfgang Höschel von seiner Narzissenwiese in Steckenborn nun wirklich nicht behaupten. Er übte sich über 30 Jahre in Geduld, ehe sich die gelbe Pracht großflächig entfaltete und inzwischen die Blicke anzieht. Auch Anemonen, Schlüsselblumen und wilde Primeln gesellen sich dazu.

Regelmäßig abgemäht

Der heute 78-Jährige aus Thüringen stammende Bauingenieur war schon immer ein Bewunderer der Eifeler Natur. So wurde die Eifel für das in Meerbusch lebende Ehepaar Wolfgang und Friedlinde Höschel praktisch zur zweiten Heimat. Vor 35 Jahren kaufte man ein naturnahes Grundstück in Steckenborn, Auf der Höhe 24. Das bescheidene Wohnhaus nutzte man vornehmlich als Gartenhaus.

Das Ehepaar nutzte die Wochenenden und die Ferien, um sich hier an der Natur zu erfreuen. „Fünf oder sechs wilde Narzissen standen damals auf der Wiese“, erinnert sich Höschel. Da diese von den Vorbesitzern nach der Blüte regelmäßig abgemäht wurden, konnte auch keine Vermehrung stattfinden.

Dieses ehrgeizige Ziel setzte sich dann Wolfgang Höschel: „Wir haben die Narzissen nach der Blüte stehen lassen und festgestellt, dass sie Samen bilden. Das waren glänzende, schwarze Tropfen. So fing alles an“, erzählt der Naturfreund, der zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht ahnen konnte, dass neben unendlicher Geduld und viel Arbeit auch intensive Überlegungen erforderlich waren, ehe die Nachhilfeaktion für die Narzissenwiese glückte.

„Eine Pflanze, die Samen ausbildet, muss sich auch vermehren“, lautete die Schlussfolgerung, und dann startete das Experiment. Der etwa Mitte Juni ausgereifte Samen kam in Pflanztöpfe und diese wurden beschriftet. Doch im darauf folgenden Frühjahr passierte nichts. Die Mühe war umsonst.

Dann erhielt Wolfgang Höschel von einem Fernsehgärtner des WDRs den Rat, den Samen vor Ort einzusäen. Drei Jahre vergingen, aber wieder passierte nichts. Der Narzissenfreund vom Niederrhein wollte den Vermehrungsversuch schon zu den Akten legen, ehe er dann zufällig entdeckte, „dass da etwas gekeimt sein muss“. Dünn wie Schnittlauch hatten sich ein paar neue Blätter gebildet, aber es sollten noch viele weitere Jahre bis zur ersten Blüte der neuen Narzissen vergehen.

Wolfgang Höschel übte sich weiter in Geduld. Die Keimdauer kann sich bis zu zwölf Jahren hinziehen, und die Wachstumsphase noch einmal weitere Jahre in Anspruch nehmen, wusste er inzwischen. „Als Züchter von wilden Narzissen muss man also im ungünstigsten Falle bis zu 20 Jahre einkalkulieren. Das geht nicht von heute auf morgen“, lacht Höschel.

Heute blühen rund 1000 wilde Narzissen rund um den alten Kirschbaum im Garten. „Das ist das Ergebnis rund 30-jähriger Arbeit als Hobbyzüchter“, sagt der Naturfreund, der bei Bedarf auch die künstliche Bestäubung anwendet, wenn die Frühjahrskälte Hummeln und Bienen noch fernhält.

„Das ist schon ein mühsames Geschäft, was ich mir da ausgesucht habe“, schmunzelt Wolfgang Höschel, aber beim Anblick der verschwenderischen Blütenpracht der wilden Narzissen im April verschwendet er daran kaum noch einen Gedanken.

 

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