Simmerath - Führt Radweg zur Revolution?

Führt Radweg zur Revolution?

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:

Simmerath. Sollte der Ravel-Radweg tatsächlich so verwirklicht werden, wie es die derzeitige Planung vorsieht, dann führt er zu einer Revolution der Straßenverkehrsordnung. Einer kleinen zumindest, wenigstens an einigen Stellen.

Dort nämlich, wo die Route Straßen quert, die von verhältnismäßig wenigen Kfz befahren werden, sollen Radler bedingungslos Vorfahrt haben. In der jüngsten Sitzung des Simmerather Tiefbau-, Verkehrs- und Denkmalauschusses (TVDA) sorgten die Pläne Pläne für eine lebhafte Diskussion. Der Reihe nach.

Die Ravel Route soll nach ihrer Fertigstellung im Jahr 2012 auf einer Gesamtlänge von etwa 130 Kilometern die Städte Aachen, Monschau, St. Vith und Ulfingen miteinander verbinden.

Dabei führen 28,5 Kilometer über das Gebiet der Städteregion. Letztere steuert 650 000 Euro zur Realisierung des Projekts bei, das voraussichtlich mit Gesamtkosten in Höhe von 11,3 Millionen Euro zu Buche schlägt. 5,1 Millionen Euro fließen aus Mitteln der EU.

Investitionen, die sich lohnen sollen. Städteregionsrat Helmut Etschenberg sprach beim ersten Spatenstich von einer „Flagschiff-radroute”, die es „als Rückrat des Fahrradtourismus” zu etablieren gelte.

Schön und gut, so der einhellige Tenor der Mitglieder des TVDA, gegen das Projekt habe man ja generell nichts einzuwenden, im Gegenteil. Aber die uneiheitlichen Regelung der Vorfahrt, die an manchen Stellen den motorisierten Verkehr und an anderen die Fahrradfahrer bevorzugt, wurde parteiübergreifend als Problem gesehen.

Die Vorfahrt für Radfahrer widerspreche dem „allgemeinen Verkehrsgefühl”, es werde dadurch „auf den Kopf gestellt”, sagte Franz-Josef Hammerstein (SPD). Gefährliche Situationen an den Querungsstellen seien programmiert. Jens Wunderlich (CDU) teilt die Bedenken.. Er sagte: „Wir müssen klären, wie das woanders läuft. In Roetgen zum Beispiel.”

Von Seiten der Verwaltung wurde hervorgestrichen, dass es für Simmerath keine Sonderregelung gäbe. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass die uneinheitliche Vorfahrtsregelung für den gesamten Verlauf der Route auf dem Gebiet der Städteregion gilt.

Konkret geht es im Falle Simmeraths um Querungsstellen an der B 399 in Höhe Hoscheiter Straße/Bahnhofstraße, am Wiehweg, Im Venn und Im Brand. Geplant ist, dass zukünftig allein an der Bundesstraße Autofahrer Vorfahrt vor den Velos haben werden. An den anderen drei Stellen wird es dagegen freie Fahrt für Radler heißen. Dort wo die Route die Straßen quert soll dies durch Rampen - 12 Zentimeter hoch, bis zu 1,70 Meter lang - verdeutlicht werden.

Der Vorschlag von Marc Topp (SPD) in die nächste Sitzung einen Vertreter der Städteregion einzuladen, der über die Beweggründe der Vorfahrtsregelung aufklärt, fand eine einstimmige Mehrheit. „Ich gehe davon aus, dass die Planer sich über diesen Punkt Gedanken gemacht haben”, sagte der Beigeordnete Roger Nießen.

Damit liegt er richtig. „Wir haben uns da lange, lange, lange Gedanken gemacht”, sagt Manfred Strang auf Anfrage unserer Zeitung. Strang ist bei der Städteregion als Projektleiter für die Ravel Route zuständig und erklärt, wie es zu der gemischten Vorfahrtregelung gekommen ist.

Letztlich ausschlaggebend für den eingeschlagenen Weg seien eine Empfehlung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club und der auch der eigene Anspruch an das Projekt. „Wenn man alle 300 Meter anhalten muss, wird das kein Premium-Radweg”, sagt Strang.

Er betont allerdings, dass er die in Simmerath vorgebrachten Bedenken nachvollziehen könne, gleichsam sagt der Projektleiter, dass man alles tue, damit sie sich im Nachhinein nicht als begründet erweisen. So würde jede Querung unübersehbar markiert und beschildert.

„Und jeder Radfahrer ist eben ein Verkehrsteilnehmer, der die Augen offen halten muss”, sagt Strang. Er würde sich auch auf der Ravel Route gegenseitige Rücksichtnahme wünschen. Revolution klingt anders.
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