Führerschein im Umgang mit Menschen

Von: ck
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Der ambulante Hospizdienst Roetgen „begegnen und begleiten” stellt sein Kozept vor. Das erste Exemplar wurde von Koordinator Alois Goffart(rechts) an Pfarrer Wolfgang Köhne (links) überreicht. Im Hintergrund freuen sich einige der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen über das fertige Werk. Foto: Carmen Krämer

Roetgen. „Erst haben alle gesagt, du bist verrückt, dass du das machst, das zieht dich nur runter. Aber ich bereue nichts und würde die Entscheidung immer wieder so fällen”, blickt Barbara Gabor-Rietfort, ehrenamtliche Mitarbeiterin des ambulanten Hospizdienstes Roetgen zurück.

„Hätte ich das Wissen schon damals gehabt, als meine Mutter starb, dann wäre alles anders gewesen.” Barbara Gabor-Rietfort ist eine von 15 Frauen, die unter der Leitung des evangelischen Pfarrers und Gründers der Gruppe Wolfgang Köhne Menschen, die schwerkrank sind und deren Angehörige, ungeachtet ihrer kulturellen, gesellschaftlichen, weltanschaulichen und religiösen Herkunft, in schweren Zeiten zu begleiten.

Der ambulante Hospizdienst Roetgen („Begegnen und Begleiten”) stellte jetzt den Vertretern verschiedener regionaler Einrichtungen wie ambulanten Pflegediensten, Krankenhäusern und Altenheimen seine neues Konzept vor. Dieses wurde gemeinsam von den Ehrenamtlichen aufgestellt und soll über ihre Arbeit informieren. Seit 14 Jahren gibt es die Einrichtung, in der alle Mitarbeiter ehrenamtlich arbeiten, bereits in Roetgen. Hier befindet sich ihr Raum, in dem sich die Frauen regelmäßig auch mit einer Psychologin treffen und sich über ihre Erfahrungen austauschen. Die Zuständigkeit reicht jedoch in den ganzen Altkreis Monschau.

Meist sind die Frauen, die diese Arbeit neben ihrem Alltag durchführen, selbst durch einen Todesfall in ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis zur Hospizgruppe gekommen. „Als mein Lebensgefährte starb, da habe ich gemerkt, dass ich damit umgehen kann. Aber andere können das vielleicht nicht, also wollte ich ihnen Hilfe bieten”, erklärt eine der Frauen, warum sie sich dieser schwierigen Herausforderung stellte.

Jedes Mitglied der Hospizgruppe absolviert zunächst eine einjährige theoretische Ausbildung, bevor ein Praxisjahr folgt. Wolfgang Köhne bezeichnet die Ausbildung als „Führerschein im Umgang mit Menschen”, die einen auch im Alltag bereichert. Nach der Ausbildung stehen die Ehrenamtler dann dem Hospizdienst zur Verfügung.

Koordinator der Gruppe ist Alois Goffart aus Simmerath. Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befinden, können sich bei ihm melden. Er geht dann in die Familien und überlegt, welche der Mitarbeiterinnen für den jeweiligen Fall geeignet sein könnte, erläutert Pastor Köhne die Vorgehensweise des Hospizdienstes.

Zwischen 15 und 20 Begleitungen kommen so im Jahr zustande. „Es gibt jedoch immer noch Hemmschwellen, obwohl es jedem irgendwann so geht”, bemerkt Alois Goffart.

Eines der Ziele der Hospizgruppe ist es, das Sterben zu Hause zu ermöglichen und dabei dem Sterbenden und den Angehörigen Hilfe zu leisten, indem gemeinsam über Gefühle, Dinge, die in der Außenwelt geschehen oder auch gestörte Beziehungen gesprochen werden kann. Aber auch durch praktische Hilfe bei Handreichungen oder der Organisation der „letzten Dinge” soll allen Beteiligten die schwere Zeit erleichtert werden.
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