Fringshaus - Fringshaus: Starenkasten seit Jahren eine taube Nuss

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Fringshaus: Starenkasten seit Jahren eine taube Nuss

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
Fringshaus / Starenkasten
Der Starenkasten in Höhe Fringshaus Richtung Roetgen hat seit fast vier Jahren keine Kamera mehr gesehen. Die Nähe zur belgischen Grenze macht eine Geschwindigkeitsüberwachung an diesem neuralgischen Punkt unmöglich. Foto: Heiner Schepp

Fringshaus. Erfahrungsmäß wirkt ein „Starenkasten” bereits durch sein bloßes Herumstehen im Gelände auf Autofahrer disziplinierend. Auf einige auch deprimierend, weil sie für ein nur in äußert seltenen Fällen vorzeigbares Foto, das sie nicht einmal bestellt haben, 15, 25 oder noch mehr Euro hinblättern müssen.

Die zumeist einheimischen Autofahrer, die mit ihren Karrossen aus Richtung Konzen über die belgische „Transitstrecke” Richtung Kleine Himmelsleiter und Roetgen rauschen, wissen längst, dass der Starenkasten an Fringshaus, dort, wo man Richtung Lammersdorf abbliegen kann, eine taube Nuss ist. Diese stationäre Überwachungsstation an der Grenze zwischen Belgien und Deutschland hat bereits seit fast vier Jahren keine Kamera mehr gesehen.

Früher Unfallschwerpunkt

Die B258 führt ab Konzen über belgisches Staatsgebiet und wird erst kurz vor Fringshaus wieder deutsch. In den 1980er und Anfang der 1990er Jahre waren die langgezogene Linkskurve vor Fringshaus und der Abzweig nach Lammersdorf berüchtigt und ein Unfallschwerpunkt. Viel zu häufig krachte es dort beim Linksabbiegen.

Deshalb wurde am 16. Juni 1993 die „Blitze” vom zuständigen Kreis Aachen, der auch die Baulast für das Stück der B258 durch Belgien trägt, an Fringshaus aufstellt und fotografierte künftig alles, was nicht rechtzeitig den Fuß vom Gaspedal nahm.

Denn die zunächst erlaubten 90 km/h (belgisches Schild) wurden bei Annäherung an die Kreuzung auf 70 und schließlich 50 km/h (deutsche Schilder auf belgischem Boden) reduziert. Damit handelte die Kreisverwaltung widerrechtlich, war aber im festen Glauben, juristisch auf der sicheren Seite zu sein.

Eines Besseren belehrt wurde der Kreis im Jahr 2005, als ein „geblitzter” Autofahrer gegen sein Knöllchen Sturm lief. Im Rahmen dieses Verfahrens stellte sich heraus, dass Geschwindigkeitsbeschränkungen im Ausland, und das waren die 70er und 50er Schilder in Belgien, ab der Landesgrenze keinerlei rechtliche Wirkung mehr haben.

Da half es auch nicht, dass es sich um deutsche Verkehrszeichen handelte.

Dumm gelaufen also für den Kreis, der alle laufenden Bußgeldverfahren einstellen musste. Geld zurück rückwirkend bis 1993 gab es allerdings nicht, denn die Daten waren bereits gelöscht, wie Hans-Josef Heinen, Pressesprecher der Kreises Aachen, betonte.

200 Meter vorgeschrieben

Auch ein Schild auf deutscher Seite mit der Beschränkung auf 50 km/h, das anschließend aufgestellt wurde, brachte nicht wirklich den Durchbruch. Denn nach gutem deutschen Recht muss ein solches Schild 200 Meter von einer „Blitze” entfernt stehen. Aus territorialen Zwängen war ein Vorrücken des Schildes nicht möglich, dann hätte es wieder in Belgien gestanden, mit den beschriebenen Konsequenzen.

Wäre nur die Möglichkeit geblieben, den Starenkasten „nach hinten”, also Richtung Roetgen zu versetzen. Der hätte dann weit hinter dem Abzweig Lammersdorf auf der Kleinen Himmelsleiter gestanden, und die beabsichtigte Entschärfung des Unfallschwerpunktes, so Heinen, wäre damit für die Katz´ gewesen.

Demontieren will der Kreis die Überwachungsanlage aber auch heute nicht. Immerhin, so hofft man im Aachener Kreishaus, habe der Starenkasten noch eine präventiv geschwindigkeitsreduzierende Wirkung auf ortsfremde Autofahrer und die vielen Touristen, die in die Eifel strömen. Denn, wie man weiß, hat eine „Blitze” durch ihre bloße Existenz etwas Disziplinierendes.

So steht es nun dort am Straßenrand, das gute Stück, als ein Symbol für die kleinen bürokratisch-nationalen Probleme im großen und grenzenlosen Europa.
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