Dedenborn - Freies Jahr gewonnen, Vater geworden und Unternehmen gegründet

Freies Jahr gewonnen, Vater geworden und Unternehmen gegründet

Von: Andreas Gabbert
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Markus Wimmer aus Dedenborn hat ein freies Jahr gewonnen und sich einen Traum erfüllt: Der 33-Jährige hat sich sein eigenes Tonstudio aufgebaut und will jetzt mit am liebsten mit Bands aus der Eifel arbeiten. Foto: A. Gabbert

Dedenborn. Was macht man, wenn man ein freies Jahr geschenkt bekommt? Legt man entspannt die Füße hoch und genießt den Müßiggang, oder macht man sich daran einen Traum zu verwirklichen? Markus Wimmer aus Dedenborn hatte sich für die Verwirklichung seines Traumes entschieden, nachdem er Ende September 2011 bei der Aktion „WDR2 schenkt Ihnen ein Jahr“ gewonnen hatte. Im Keller seines Hauses baute er sich ein Tonstudio auf, wurde Vater einer kleinen Tochter, und jetzt will er sich selbstständig machen.

Seine Frau Angelika war es, die ihn damals überredete, an dem Gewinnspiel teilzunehmen. Dafür musste er sich zunächst bei dem Radiosender bewerben und schildern, was er mit einem freien Jahr anstellen würde. An einem Samstag füllte er das Formular aus und verschwendete keinen weiteren Gedanken daran. Erst als ihn die Redaktion des Senders am Mittwoch darauf anrief und ihm mitteilte, das er am nächsten Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen würde, wurde die Sache langsam konkret.

Eine Woche lang, von Montag bis Freitag, traten Kandidaten im Rateduell gegeneinander an, und wer am Freitag übrig blieb, durfte sich über den Preis freuen. Nachdem Wimmer die erste Runde überstanden hatte, galt es nur noch einmal gegen einen anderen Kandidaten zu bestehen. Dafür hat er sich dann auch vorbereitet und zum ersten Mal im Leben die Fußball-Ergebnisse im Kicher studiert, schließlich hätte ja auch eine Frage aus dem Sportbereich kommen können.

Jeder hatte einen anderen Tipp für ihn, wie er sich am besten vorbereitet und was alles wichtig sein könnte. Da damals gerade der Papst in Deutschland unterwegs war, empfahl ihm sein Schwiegervater: „Merk Dir den Papst.“ Wirklich ernst genommen hat Wimmer den Ratschlag nicht.

Am nächsten Tag ging das Gewinnspiel weiter, und welcher Begriff wurde natürlich gesucht?: der Papst. Wimmer punktete und stieß einen lauten Jubelschrei aus. „Die vom Radio haben vorher gesagt, wenn ich gewinnen sollte, müsse man meine Freude auch hören können, schließlich würden mich die Menschen ihm Radio ja nicht sehen“, erzählt der 33-Jährige.

Was der Gewinn genau bedeutete, wusste er damals auch noch nicht. Das stellte sich erst später raus.

Ab dem 1. Januar 2012 erhielt Wimmer dann eine monatliche Zahlung, die ihm finanzielle Freiheit gab. Aufgehört zu arbeiten hat der Ton-Techniker, der bei einem Kölner Unternehmen im Filmbereich tätig ist, aber nicht. „Wenn ich ein Jahr lang nicht mehr gekommen wäre, hätte ich mir auch gleich die Kündigung abholen können“, erzählt Wimmer. Also hat er den Job etwas zurückgefahren, für sich die Vier-Tage-Woche eingeführt und damit begonnen, seinen Traum zu verwirklichen.

In seiner Bewerbung hatte er geschrieben, dass er den Keller seines Hauses in Dedenborn zu einem Tonstudio ausbauen wolle, um dann auch junge lokale Bands zu fördern. „Ein eigenes Studio war schon immer mein Traum“, sagt er. Wimmer erstellte einen Zeitplan, den er über das Jahr hinweg abarbeitete. Am vergangenen Sonntag feierte er schließlich die Eröffnung des „Rurtonstudios“ in Dedenborn. Der schönste Tag in seinem „freien“ Jahr war es aber nicht. Das war der 16. September, der Tag, an dem seine Tochter Martha geboren wurde.

Für Musik hat sich Wimmer schon im Kindergartenalter interessiert, auch wenn er sein erstes Instrument – eine Blockflöte – nicht leiden konnte. „Die habe ich gehasst“, sagt er und lacht dabei. Ob er dann zuerst mit Keyboard oder Trompete angefangen hat, weiß er nicht mehr so genau.

Mit acht Jahren spielte er im Musikverein „Allzeit fröhlich“ Dedenborn. Im Alter von elf, zwölf Jahren bekam er Klavier- und Orgelunterricht. Später lernte er auch E-Bass, spielte in verschiedenen Bands und in Dedenborn die Kirchenorgel. Die Berufswahl fiel ihm nach der Schule nicht schwer. „Für mich stand fest, dass ich Tontechniker werden wollte.“ Er studierte in Köln und fand später dort auch eine Anstellung.

Zehn Jahre hat er dort gewohnt. „Aber irgendwie wurde mir, je länger ich in Köln wohnte, klar, dass ich auf keinen Fall mit einer Familie dort leben möchte“, sagt Wimmer. Also hat er sich mit seiner Frau damals dazu entschlossen wieder in die Eifel zu ziehen. Zunächst mal als ein Versuch. „Wir haben festgestellt, dass die Zeit, die wir täglich für das Pendeln investieren – es sind so ungefähr vier Stunden – für uns beide nicht wirklich ins Gewicht fällt. Für uns überwiegt die viel höhere Lebensqualität in der Eifel im Gegensatz zur Stadt“, sagt der überzeugte Eifeler.

Einen Teil seines Traumes hat er verwirklicht. Jetzt geht es darum, die nächsten Schritte zu tun und sich im Musikbereich unabhängig und selbstständig zu machen. „Ich will weg vom Film und erfolgreich mit Musikern arbeiten“, sagt Wimmer, „am liebsten mit Musikern aus der Eifel.“

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