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Fotos vom All: Roetgener soll in New York ausstellen

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
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Eines der Bilder von Mark Hellweg, die in New York ausgestellt werden: Es zeigt den großen Orionnebel. Er ist circa 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt. Innerhalb dieses Gebietes gibt es rund 3000 Einzelsterne. Foto: Mark Hellweg
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Der Blick in die Sterne hat Mark Hellweg schon als kleiner Junge fasziniert. In Roetgen betreibt der 40-Jährige eine Sternwarte.

Roetgen/New York. Sterne, Planeten und die unendliche Weite des Weltalls fängt Mark Hellweg aus Roetgen in seinen Bildern ein. Er macht sichtbar, was sonst verborgen bleibt. Das gelingt ihm so gut, dass auch eine große Galerie in New York auf ihn aufmerksam geworden ist und ihn eingeladen hat, seine Bilder dort auszustellen.

„Ich habe das für einen Scherz gehalten und nicht dran geglaubt. Deshalb bin ich erst gar nicht darauf eingegangen“, sagt der 40-Jährige.

Das Weltall hat ihn fasziniert, seit er denken kann. Schon als kleiner Junge stand er abends am Fenster, um mit einem Fernglas, das ihm sein Vater geschenkt hatte, in die Sterne zu schauen. Damals war er sechs Jahre alt. Die Eltern erkannten, wie viel Freude ihm das bereitete und kauften ihm ein Teleskop mit Stativ, das er im Garten aufbauen konnte.

Mit acht Jahren entdeckte er dann die Fotografie, mit zwölf Jahren begann er mit der Astrofotografie. „Ich kann mich gut daran erinnern, wie es zu den Fotos gekommen ist“, sagt Hellweg. Immer wieder rief er seine Eltern, um ihnen zu zeigen, was er am Sternenhimmel beobachtet hat. „Eigentlich war das immer nur ein kleiner weißer Punkt vor einem grauen Hintergrund.“

Trotzdem wollte er seine Beobachtungen mit anderen teilen und selbst auch etwas in der Hand haben, was er aus der Nacht mitnehmen kann. „Irgendwann habe ich verstanden, dass man Sternennebel und Galaxien nur mit sehr großem Aufwand sehen kann. Man muss sie fotografieren, um die Farbenpracht überhaupt zu erkennen“, sagt er.

Sein erstes Foto, das den Planet Jupiter zeigt, hat er heute noch. Doch das Ergebnis war damals für ihn ernüchternd. Immer noch war lediglich ein weißer Punkt zu sehen. „Es reicht eben nicht, einfach den Auslöser zu drücken. Man braucht sehr lange Belichtungszeiten und muss einen enormen Aufwand betreiben. Damals begann für mich eine Lernphase, die bis heute anhält“, erläutert Hellweg.

Im Jahr 2004 baute er seine erste Sternwarte in einem besseren Holzverschlag mit einem aufschiebbaren Dach auf. „Ab da machte die Qualität der Bilder einen Quantensprung. Der Vorteil war, dass man sich den Auf- und Abbau schenken konnte. Das spart Zeit und bringt mehr Präzision“, sagt der gelernte Dreher, der heute im Roetgener Gewerbegebiet ein Unternehmen führt.

Er trat der Fachgruppe für Astrofotografie der Vereinigung der Sternenfreunde bei. „Da werden Profis und Amateure in Projekten zusammengeführt. Das macht die Sache enorm spannend“, sagt Hellweg. Während sich bei Profi-Astronomen alles um Zahlen und wissenschaftliche Werte drehe, könne er freier und einfacher agieren und entscheiden.

Dabei strebe er aber das gleiche Niveau an und nutze die gleiche Software und die gleichen Kameras. „Die Profis arbeiten gerne mit guten Amateuren zusammen, weil sie keinen Zwängen unterliegen“, sagt Hellweg. Viele seiner Aufnahmen dienen daher auch der Wissenschaft. „Ich bin kein Wissenschaftler, aber die Bilder bearbeite ich mit dem gleichen Anspruch“, sagt er. Auch von der Aachener Sternwarte wurde er schon zu Vorträgen eingeladen.

Inzwischen hat er sich einen Traum erfüllt: eine vollautomatische Kuppel-Sternwarte, die via Internet vom Wohnzimmer aus gesteuert werden kann. „Die sieht auch aus wie eine Sternwarte. Aufgebaut ist sie aber leider noch nicht.“

Ein weiterer Quantensprung war das Aufkommen der digitalen Technik. „Früher konnten die größten Sternwarten solche Bilder nicht erstellen“, sagt Hellweg. Wenn es gut läuft, gelingen ihm fünf Astrobilder im Jahr. „Ein gutes Astrofoto ist nie ein Glücksgriff. Man hat die Naturgewalten und physikalische Gesetze gegen sich. Ein gutes Foto gelingt nur, wenn man diese Gegner eliminiert“, erklärt der Fotograf, der sich sein gesamtes Wissen autodidaktisch angeeignet hat.

Er hatte nie die Absicht, mit seinen Bildern Geld zu verdienen. „Irgendwann fingen die Leute aber an zu fragen“ und er begann die Fotos hobbymäßig auf Astro-Messen anzubieten. Auch in diversen Ausstellungen waren seine Bilder zu sehen. Außerdem veröffentlichte er die Fotos auf verschiedenen Internet-Plattformen. So wurde die namhafte Agora-Galerie mit Sitz im Künstlerviertel Chelsea in Manhattan auf ihn aufmerksam und schrieb ihn an. Hellweg hielt das für einen schlechten Witz und reagierte nicht.

Doch die Mitarbeiter der Galerie ließen nicht locker und schrieben ihn wieder an. Er traute der Sache immer noch nicht und da er gerade eine Ausstellung im Saarland hatte, antwortete er scherzhaft, dass er momentan für New York keine Zeit habe. Die Galerie schrieb, er solle sich Zeit nehmen, man würde auf ihn warten und er solle gerne auf sie zukommen. „Da habe ich realisiert, dass die das ernst meinen könnten“, sagt Hellweg.

In den folgenden Monaten wurde die Sache konkreter und Hellweg beschloss, im November 2015 mit einem Verwandten nach New York zu reisen, um sich vor Ort einen Eindruck von der Galerie zu machen. „Ich war sehr beeindruckt. Das war, wie man sich das so in New York vorstellt. Alles war irgendwie ein wenig surreal“, berichtet Hellweg. Nach einem Gespräch war dann alles klar: „New York, ich komme.“

Vier seiner Astro-Bilder bis zu einer Größe von 1,80 Meter mal 1,20 Meter werden nun vom 8. bis 29. März in einer Gemeinschaftsausstellung mit dem Titel „From here to there“ in New York ausgestellt. Die offizielle Vernissage findet am 10. März statt. Das will sich der Fotograf nicht entgehen lassen und wird dann auch dabei sein.

Die Bilder werden per Luftfracht in die USA gebracht. Dabei müssen eine Reihe von Zollbestimmungen beachtet werden. „Das muss ich alles noch beackern“, sagt der Roetgener. Außerdem wird die Galerie 16 seiner Bilder, darunter auch Landschaftsaufnahmen aus der Eifel, 18 Monate lang auf dem amerikanischen Kunstmarkt promoten. Preise von 880 bis 2800 Dollar hat die Galerie angesetzt. „Dabei habe ich der Galerie freie Hand gelassen. Ich bin ja der Mark aus Roetgen und kenne mich mit den Preisen auf dem New Yorker Kunstmarkt nicht aus“, sagt Hellweg und lächelt glücklich.

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