Nordeifel - Fichten in Bachtälern des Nationalparks haben ausgedient

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Fichten in Bachtälern des Nationalparks haben ausgedient

Von: Michael Hamacher
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Das Projekt „Wald-Wasser-Wild
Das Projekt „Wald-Wasser-Wildnis” stellten Markus Vollmer (v.l.), Florian Zieseniß, Bettina Krebs, Gabriela Geitz und Gerd Ahnert vor. Mit bis zu 300 PS starken Harvestern werden die Fichten im Nationalpark Eifel gefällt und entastet - bis zu 80 Festmeter täglich. Foto: Hilgers

Nordeifel. Zurzeit werden im Gebiet der Dreiborner Hochfläche des Nationalparks die Sünden der Vergangenheit aufgearbeitet. Ein Blick in die Geschichte des Gebietes erklärt den Grund. Vor rund 500 Jahren wurden die Auwälder in den Bachtälern zu Heuwiesen gerodet und damit wirtschaftlich genutzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine erneute Nutzungsänderung: In den Bachtälern pflanzte man Fichten an. Eine nicht heimische Baumart, die im Nationalpark nicht gern gesehen wird, weil sie den Zielen des Schutzgebietes widerspricht.

Der Fichte geht es seit dem vergangenen Jahr in den Bachtälern der Dreiborner Hochfläche, des Kermeters und in den Gebieten von Dedenborn und Wahlerscheid an den Kragen - besser gesagt, an den Stamm. So auch am Sauerbach auf der Hochfläche.

„Hier werden nicht nur die Fichte, sondern auch andere Nadelbäume auf einem bis zu zehn Meter breiten Bachuferbereich mit Harvestern entfernt. Die bis zu 300 PS starken Vollerntemaschinen fällen und entasten die Bäume (bis zu 80 Festmeter täglich), deren Stämme wirtschaftlich verwandt werden, wobei das Geäst jedoch weitgehend der natürlichen Kompostierung überlassen bleibt”, erläuterte Markus Vollmer, der als Mitarbeiter des Bundesforstbetriebes für die Maßnahme auf dieser Fläche verantwortlich zeichnet.

Die Renaturierungsmaßnahmen finden noch bis 2015 im Rahmen des von der EU und dem Land NRW geförderten Projekts „Wald -Wasser -Wildnis” statt, da die Fichte die natürlichen Prozesse in diesen Bachtälern nachhaltig stört. „Nun jedoch können in den Bachtälern im Nationalpark wieder ausschließlich Laubbäume wie ehedem Eschen, Erlen, Weiden und Birken wachsen”, ergänzte Gabriela Geitz, Leiterin des Nationalparkbezirks Wolfgarten und verantwortlich für die Umsetzung der Waldmaßnahmen im „Life-Projekt”. Dieses Projekt umfasst rund 30 Kilometer Bachläufe, davon wurden bereits im vergangenen Jahr zehn Kilometer im Bereich von Sauer und Helingsbach von Fichten befreit. In diesem Jahr sollen es zwei Kilometer, vorwiegend im Lorbachtal im Kermeter, sein. Betroffen davon werden, wenn auch in den Folgejahren, die Täler von Mühlen- und Effelsbach sowie Mückefuhrt sein.

Von der Naturverjüngung profitieren dann insgesamt rund 500 Hektar Nationalparkfläche. Von der Förderung der Laubwälder im Schutzgebiet werden in Zukunft auch viele heimische und teilweise selten gewordene Tiere profitieren. Zu ihrem Lebensraum in oder an einem Mittelgebirgsbach gehört neben einem intakten Fließgewässer auch eine naturnahe bachbegleitende Pflanzenwelt.

Dazu Projektleiterin Bettina Krebs von der Biologischen Station Städteregion Aachen: „Zum Beispiel der Biber, der durchaus bis zu Sauerbach vordringen kann, ernährt sich rein vegetarisch. In einem Laubwald wachsen ausreichend Kräuter, die im Sommer auf der Speisekarte des Nagetieres stehen. Im Winter lebt der Biber von der Rinde von Weidenhölzern wie Birke und Weide”.

Zum Verständnis und zur Erläuterung der Maßnahmen für Wanderer und Naturfreunde haben die beteiligten Einrichtungen Informationstafeln aufgestellt.


Das „Life-Projekt” wird von der Nationalparkverwaltung und der Biologischen Station der Städteregion Aachen unter Beteiligung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) durchgeführt. Da der ehemalige Truppenübungsplatz Vogelsang auf der Dreiborner Hochfläche dem Bund gehört, ist der Bundesforstbetrieb Rhein-Weser als naturschutz- und forstfachliche Behörde der BImA mit diesen Aufgaben auf den Flächen betraut worden.

Insgesamt stehen rund 4,2 Millionen Euro für die Verbesserung von Wald- und Wasserlebensräumen einschließlich nachgelagerten Arbeiten zur Verfügung. Die Projektgebiete liegen nahezu vollständig im Nationalpark und sind Teil von Natura 2000, einem länderübergreifenden Netz von Naturschutzgebieten in der EU.

Dieses Netz soll seltenen Tier- und Pflanzenarten ausreichendem Lebensraum bieten, ihr Überleben sicherstellen und natürliche Lebensräume für nachfolgende Generationen erhalten. Insgesamt werden durch das Projekt etwa 500 Hektar Wald in einen naturnahen Zustand versetzt, den Weg in die Wildnis bahnt sich die Natur anschließend selbst.

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