Fast für jedes Problem gibt es in der Städteregion eine Gruppe

Von: Jutta Geese
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Eschweiler/Aachen. Manchmal müssen auch Astrid Thiel und Elmar Burger passen. Für den Mann mit Brustkrebs und die Frau mit einer äußerst seltenen Allergie fanden die beiden Fachleute einfach keine Gruppe oder andere Betroffene, die zumindest an einem telefonischen Erfahrungsaustausch interessiert gewesen wären.

Doch das sind absolute Ausnahmen. Für die meisten der jährlich rund 3800 Ratsuchenden - zu 75 Prozent sind es Bürger, zu 25 Prozent „Profis” wie Ärzte, Therapeuten oder Mitarbeiter von Beratungsstellen - finden Thiel und Burger entweder ein passendes Angebot oder unterstützen sie dabei, selbst eine Gruppe ins Leben zu rufen.

Thiel und Burger arbeiten für das Selbsthilfebüro der Städteregion und für die Aachener Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Akis).

Ob Krebs, Diabetes, Epilepsie oder Sucht, ob Osteoporose, Schlafapnoe, Ängste, Depressionen, verwaiste Eltern oder Mobbing: 200 bis 300 Selbsthilfegruppen gibt es in der Städteregion. Wie viele es genau sind, wissen die beiden Fachleute nicht. Gruppen werden neu gegründet, andere schlafen mangels Interesse wieder ein, wieder andere erhalten im Laufe der Zeit einen eher privaten Charakter und sind nicht mehr offen für Neue. „Wir bekommen nicht alles mit. Die Gruppen sind ja nicht verpflichtet, mit uns zusammenzuarbeiten”, sagt Astrid Thiel vom Selbsthilfebüro der Städteregion.

Das wurde erst vor drei Jahren gegründet, die Akis schon vor 25 Jahren. Seither hat sich der Stellenwert der Selbsthilfe im Gesundheitssystem enorm verbessert, sagt Elmar Burger rückblickend: „Vor zehn Jahren war es fast unmöglich, die Krankenkassen an einen Tisch zu bekommen. Das ist heute anders.” Inzwischen sei anerkannt, dass sich der Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung in Selbsthilfegruppen in vielerlei Hinsicht positiv auf die Patienten auswirken. Auch Krankenhäuser öffnen sich mehr und mehr der Selbsthilfe, sagt Thiel: „Und immer mehr Ärzte oder Thereupeuten weisen ihre Patienten explizit auf Selbsthilfe hin.”

Das habe natürlich auch mit der Reduzierung von Leistungen zu tun, meint Burger. Denn die Liegezeiten in Krankenhäusern würden immer kürzer, die Nachbehandlungszeiten ebenso. „Da muss Selbsthilfe sich aber auch abgrenzen und klarstellen: Wir können nicht alles auffangen”, betont Thiel. „Man kann nicht alles auf Selbsthilfe abwälzen.”

Die Gefahr sei schon da. Aber, sagt Burger: „Es gibt Krankheiten, durch die die Betroffenen hoch belastet sind. Dazu gehören etwa Parkinson oder Morbus Crohn.” Aber auch Angehörige von Demenzkranken dürften sich nicht zu viel zumuten. Darauf weisen Burger und Thiel auch andere Ratsuchende auch hin. „Viele stellen es sich einfach vor, eine Gruppe zu gründen oder am Leben zu halten”, sagt Thiel. „Aber man muss auch bereit sein, Veranstwortung zu übernehmen, darf nicht gleich aufgeben, wenn es mal nicht so gut läuft.

So eine Selbsthilfegruppe ist wie eine Fußballmannschaft: Jeder hat seine Rolle, muss sich aktiv einbringen. Und man kriegt nur so viel raus, wie man einbringt.” Burger würde sich wünschen, „dass sich mehr Bürger in der Selbsthilfe engagieren, die vielleicht nicht selbst betroffen sind, aber von ihrer Lebenserfahrung her in der Lage wären, eine Gruppe zu begleiten”.

Es sind zu 70 Prozent Frauen und vor allem Menschen mittleren und älteren Alters, die nach Selbsthilfegruppen suchen. Der Grund? „Frauen tun sich oft leichter als Männer, über ihre Krankheit zu sprechen”, sagt Thiel. Und Burger ergänzt: „Glücklicherweise sind Jüngere seltener chronisch krank.”

Aber auch das Internet spiele bei Jüngeren eine große Rolle. Da gibt es laut Thiel „wunderbare Foren, in denen man sich völlig anonym austauschen kann”. Allerdings ersetze das nicht unbedingt den persönlichen Kontakt. Burger und Thiel stellen sich dennoch darauf ein, dass sie immer häufiger auch online beraten müssen: „Wir müssen schauen, dass wir am Ball bleiben, um die jüngere Generation abzuholen.”

Kontaktadressen und Ansprechpartner

Wer eine Selbsthilfegruppe sucht oder eine neue Gruppe gründen möchte, erhält Unterstützung bei der Aachener Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Akis/angesiedelt bei der Volkshochschule) und beim Selbsthilfebüro beim Gesundheitsamt der Städteregion Unterstützung. Die Adressen und Ansprechpartner:

Akis: Volkshochschule Aachen, Peterstraße 21-23, Raum 215a, in 52062 Aachen, 0241/49009 (Beratung) oder 0241/4792-240 (Büro); Ansprechpartner: Elmar Burger, E-Mail: Elmar.Burger@akis-aachen.de.

Selbsthilfebüro der Städteregion: Gesundheitsamt, Steinstraße 87 in 52249 Eschweiler, 0241/5198-5319; Ansprechpartnerin: Astrid Thiel, E-Mail: mailto:selbsthilfebuero@ staedteregion-aachen.de.

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