Fast 20.000 Euro für wenige Zentimeter

Von: Anja Klingbeil
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Ein schwebendes Pferd am Haken
Ein schwebendes Pferd am Haken: Die Pferdegruppe vor dem Bahnhof wurde gestern Morgen abmontiert, nur um sie nächste Woche erneut aufzustellen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Helmut Schulz setzt vorsichtig den Winkelschneider an. Langsam gleitet die Flex durch die schmale Eisenstange. Es dauert nur wenige Minuten, da ist der erste Pferdehuf aus seiner Verankerung befreit.

Seit Montag trabt die Pferdegruppe des Aachener Künstlers Bonifatius Stirnberg nicht mehr auf dem Bahnhofsplatz, sondern in der Werkstatt des Bildhauers.

Dem war die Position der bronzenen Rösser schon seit langem ein Dorn im Auge. „Die Pferde wurden von der Stadt falsch aufgestellt. Sie müssen näher zusammenrücken, der Abstand ist zu groß und die Höhe des Sockels stimmt nicht”, sagt Stirnberg. Dabei geht es wohlgemerkt um wenige Zentimeter: Gute zehn nämlich stehen die beiden hinteren Pferde nach Ansicht Stirnbergs zu weit auseinander. Und auch der Sockel, auf dem die Gruppe steht, ist zu uneben. Das erwecke den Eindruck, dass die Pferde bergauf traben. Auch das ist nicht im Sinne des Künstlers.

Die Verlagerung der Pferdeskulptur war nötig geworden, weil der ehemalige Standort auf der jetzigen Busspur lag. Nach der Umgestaltung des Bahnhofplatzes im Jahr 2007 war die Skulpturengruppe nicht wieder in ihrem ursprünglichen Zustand aufgebaut worden. Die Anordnung der bronzenen Pferde, die 1975 eingeweiht wurden, war verändert worden, Ausrichtung und Standort waren nicht mehr dieselben. Bonifatius Stirnberg fühlte sich durch die Veränderungen in seinem Urheberrecht verletzt. „Die Neugestaltung ist ohne mein Einverständnis abgelaufen”, wiederholt Stirnberg.

Und so musste der Amtsschimmel in Trab gesetzt werden. Der Schöpfer des Puppenbrunnens klagte. In erster Instanz entschied das Landgericht Köln, dass der Künstler kein Bestimmungsrecht hinsichtlich der Platzierung hat. Deshalb sei die Stadt nicht zu einer Versetzung der Pferdeskulptur an einen anderen oder den alten Standort verpflichtet. Das bestätigte auch das Oberlandesgericht Köln mit seinem Urteil von 2009. Zugleich verpflichtete das Gericht die Stadt, das Ensemble in sich detailgetreuer zu rekonstruieren.

Zwei Jahre lang tat sich nichts Sichtbares. Montagmorgen dann rückt Bonifatius Stirnberg mit zwei Helfern an, um das mit dem Abbau beauftragte Tief- und Straßenbau-Unternehmen Gebr. Reuber zu unterstützen. Straßenbaumeister Mario Sistermann und sein Team sind mit einem kleinen Bagger vor Ort. Denn so ein Pferdekörper will erstmal in den Anhänger gehoben werden. 200 Kilogramm wiegt jedes einzelne Huftier. Gut eine Stunde dauert es, bis die Rösser abgebaut und aufgeladen sind. Schon vorher war das Mosaikpflaster aufgebrochen worden. Dort wünscht sich Bonifatius Stirnberg nun einen ebenen Untergrund, damit seine Pferde auf gleicher Höhe traben.

Maximal 20.000 Euro soll die Neuanordnung der Pferdegruppe kosten, wie Rita Klösges vom Presseamt der Stadt auf Anfrage sagt. Ob zudem noch ein Schachtdeckel dem Ensemble weichen muss, steht indes noch nicht fest. Klar ist allerdings, dass nicht die Stadt auf den Kosten sitzen bleibt. Aufgrund des rechtskräftigen Urteils zahlt für die Wiederherstellung die Haftpflichtversicherung der Stadt. Schon am Montag packt Bonifatius Stirnberg selbst an, als es darum geht, die Pferde aufzuladen.

Auch kommenden Montag wird der Künstler wieder vor Ort sein. Dann nämlich sollen seine Skulpturen wieder zurückkehren auf den Bahnhofsplatz. Dieses Mal in richtiger Anordnung. Ob das außer dem Künstler irgendwem auffällt? „Da bin ich mir sicher, die falsche Aufstellung passte einfach vom Plastischen her nicht”, sagt Stirnberg. Man wird sehen.
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