Familienbibeln nach 65 Jahren zurück in Höfen

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
bibel-theißen
Damit hatte die Familie Pauls nicht mehr gerechnet: Höfens Ortsvorsteher Peter Theißen (Foto) vermittelte, dass die fünf alten Bibeln wieder in den Besitz der Familie zurückkehrten. Foto: P. Stollenwerk

Höfen. An diesen Moment hätte die Familie Pauls aus Höfen nie mehr geglaubt: Vor einigen Tagen überbrachte Ortsvorsteher Peter Theißen der Familie einen kleinen orangefarbenen Karton, der schon lange verloren geglaubten, wertvollen Familienbesitz enthielt. Es handelte sich um fünf Familienbibeln, die nach über 65 Jahren zurück nach Höfen gelangten.

Es war im Jahr 1944, als der 23-jährige amerikanische Soldat Carl Montgomery gemeinsam mit hunderttausenden Streitkräften der Alliierten nach Europa ausrückte, mit dem Ziel, dem 2. Weltkrieg ein Ende zu setzen. Doch der Befreiung ging die berühmt gewordene Schlacht im Hürtgenwald voraus. Carl Montgomery gehörte der 28. Division an, eine der ersten Einheiten, die im September 1944 nach Deutschland kamen.

Der Zufall wollte es, dass er ab dem 15. Oktober in Höfen stationiert und im Haus der Familie Pauls in der Triftstraße/Ecke Hauptstraße bis zum 1. November einquartiert wurde, ehe es weiter in Richtung Hürtgenwald ging.

Der junge Mann wird sich möglicherweise nicht viel dabei gedacht haben, als er im Hause Pauls fünf alte Bibeln fand, die sein Interesse weckten und die er deshalb an sich nahm. Es handelte sich um aufwändig gestaltete Büchlein, die in besser gestellten Familien gerne als Hochzeitsgeschenke dienten.

Die Bibeln, die aus den Jahren 1780 bis 1884 stammen, wurde durch handschriftliche Aufzeichnungen, wie Geburten, Sterbefälle oder das Familienstammbuch ergänzt. So sind in den Büchern beispielsweise zwischen 15 und 20 Kinder einer Familie eingetragen, allerdings auch mit einer hohen Sterberate.

Die in Leder eingebundenen Bibeln schickte Carl Montgomery in seine Heimat nach Pennsylvania und dort ruhten sie bis zum Jahr 2010. Nun war es erneut ein glücklicher Zufall, der dazu führte, dass dieser wertvolle Familienschatz wieder in die Hände seiner rechtmäßigen Besitzer gelangte.

Erste Kontakte wurden über den amerikanischen Kriegsveteranen Dr. Merle Hill (84) geknüpft, der bis heute in Veröffentlichungen die Geschichte des 2. Weltkrieges aufarbeitet. Dieser Dr. Hill erzählte Anfang des Jahres seinem amerikanischen Kriegskameraden Carl Montgomery von Kontakten, die er bis heute zu einer Familie in Paustenbach unterhält. Da rückte Montgomery damit heraus, dass er noch fünf Bibeln besitzt, und den Wunsch verspüre, diese zurückzugeben. Dr. Hill informierte dann in Hannover einen Bekannten namens Hans G. Sandmann, der hier Schriftführer der Zeitschrift „Der Veteran” ist. Nach einem kleinen Umweg über den Kesternicher Ortsvorsteher Ulrich Offermann war dann der Kontakt zur Peter Theißen in Höfen hergestellt, der anschließend in eine mehrmonatige intensive Korrespondenz mit Dr. Merle Hill über die Rückgabe der Bibeln führt.

Der Höfener Ortsvorsteher holte schließlich die wertvolle Fracht, die Carl Montgomery 50 Dollar Gebühr kostete, beim Zollamt Aachen ab. „Überrascht und begeistert” sei die Familie Pauls bei der Rückgabe gewesen”, freut sich auch Peter Theißen darüber, dass die Bibeln nun wieder an ihren Ursprungsort zurückgekehrt sind.

Hätte Carl Montgomery die Bibeln damals nicht an sich genommen, dann würden diese heute mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr existieren. Das Haus der Familie Pauls wurde 1960 durch ein Feuer total zerstört, so dass der amerikanische Soldat letztendlich die Bibeln gerettet hat.

Auch für Carl Montgomery ist es im hohen Alter von 89 Jahren nun eine Erleichterung, dass die Bücher wieder in Höfen sind. „Ich habe keine Erinnerung, wo ich die fünf Bibeln fand,” schreibt er in einem Brief an die Familie Pauls. „Ich nahm sie und brachte sie zum Haus meiner Familie in Pennsylvania. Ich war schon immer interessiert in Familiengeschichte und ich fühlte, dass diese Bibeln ein wichtiger Teil für die Familie ist”, heißt es weiter.

„Ich hatte den Wunsch nach dem Krieg nach Europa zurückzukehren. Ich plante, zu einer Film-Schule nach Paris zu gehen. Aber trotzdem endete ich in New York, wo ich mit 25 Jahren zur Schule ging. Ich arbeitete fünf Jahre in der Wall Street. Dann ging ich ins Hotel Business von 1954 bis 1983, Ich begann als ein Nachtwächter, dann wurde ich Manager”, erzählt er weiter.

Montgomery schreibt auch, dass er 1995 nach Europa zurückkehrte, anlässlich des 50. Jahrestages des Kriegsendes. Man sei sogar in Stavelot in Belgien gewesen, doch leider habe es mit einem Besuch in Höfen nicht geklappt.

„Ich hoffe wirklich, dass sie die Bibeln in einem guten Zustand sind. Sie waren in einem Stahlcontainer gemeinsam mit zwei Kunstbüchern untergebracht, seit ich 1946 nach New York ging.” Zum letzten Mal habe er ihm Jahr 1969 einen Blick auf die Bibeln geworfen.

So schließt sich nach langer Zeit der Weg für die Familienbibeln, und auch an dieser Begebenheit wird sichtbar wie lange und intensiv die Ereignisse des 2. Weltkrieges auch in der Nordeifel immer noch nachwirken.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert