Facettenreich: Die Geschichte des Amtsgerichts Monschau

Von: Vera Monterey
Letzte Aktualisierung:
7040038.jpg
Relikt aus alten Zeiten: Robert Plastrotmann (links), Direktor des Amtsgerichtes Monschau, und Helmut Schmidt, Diplom-Rechtspfleger a. D., im alten Gefängnishof des Amtsgerichtes. Foto: V. Monterey

Monschau. Wie viele Schmuggler einst in den neun kleinen Gefängniszellen des Monschauer Amtsgerichtes in der Laufenstraße saßen und auf ihre Verurteilung warteten, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Es werden wohl beträchtlich viele gewesen sein, die seinerzeit dem lukrativen Nebengeschäft im Grenzgebiet nachgegangen und erwischt worden waren.

Gebaut wurde das Amtsgericht im Stil der preußischen Gerichtsgebäude, wie sie so oft in Deutschland zu sehen sind. Es passt sich wenig dem Stadtbild der Altstadt an mit seinem geschwungenem Giebel und dem altrosa Anstrich zur Straßenseite. Was sich innerhalb und hinter dem imposanten Backsteingebäude verbirgt, lässt sich nur erahnen. „Ganz unumstritten soll der Bau schon damals nicht gewesen sein“, berichten Robert Plastrotmann, Direktor des Amtsgerichtes, und Helmut Schmidt, Diplom Rechtspfleger a. D., der seit dem Jahr 1962 in Monschau tätig gewesen war. „Der Platz reichte nicht aus, um einen symmetrischen Bau zu erstellen“, sagt Schmidt, da das Nachbargebäude, der Konzeption des Architekten zufolge noch vom Gerichtsgebäude einverleibt werden sollte.

Das Richtfest feierte man im November des Jahres 1899, so stand es im „Montjoie‘r Volksblatt“ und trug zum wochenlangen Stadtgespräch bei, nicht zuletzt weil mehrere Menschen bei den Bauarbeiten ums Leben gekommen waren. Ein Maurerpolier stürzte „infolge eines Fehltritts“, ein Jahr später gab es einen Toten und mehrere Schwerverletzte als drei übereinanderliegende Deckengewölbe einstürzten. Die Tatsache, dass die Schuld des zweiten Unglücks der „vollkommen verfehlten Gewölbekonstruktion“ zuzuschreiben war, entlastete die Baumeister der damaligen Zeit vor dem Gericht in Aachen. Das Richtfest wurde mit großem Trara, Pomp und Troubadour gefeiert und der Bau als „Zierde des schönen Städtchens“ gelobt, so der damalige Bürgermeister Breuer.

Dann endlich am Januar 1901 öffnete das königliche Amtsgericht seine Pforten, wo einst eine alte Fabrik des Alexander Scheibler gestanden hatte und später, im Jahr 1842, der erste Kindergarten (Kinderbewahrschule) eingerichtet wurde. Bis der Justizfiskus das Terrain kaufte, wobei die Stadt Monschau 5500 Mark beigesteuert und Bernhard Scheibler „den gleichen Betrag auf den Kaufpreis nachgelassen“ haben soll, so die Chronik des Amtsgerichtes.

Die neun Gefängniszellen, die bis auf eine, heute nur noch zur Aktenaufbewahrung dienen, wurden „bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg genutzt“, sagt Plastrotmann. Zu den häufigsten Vergehen zählten Trunkenheit am Steuer und Delikte wie Holzfrevel, Holzdiebstahl, Streufrevel und Grasfrevel, gerne auch das Verändern von Gewichten. So sei die Versuchung groß gewesen, „ein halbes Pfund gern 240 Gramm sein zu lassen“, schrieb Schmidt in einem Bericht in dem Heimatkalender von 1972. Und dann natürlich die Zeit „als die Schmuggler alle Nas‘ lang hier saßen“, so Plastrotmann, was ungefähr bis zum Jahr 1949 oder 1950 der Fall gewesen sein soll.

Das Gebäude birgt hinten zum Berg noch mindestens eine Wachtmeisterwohnung und eine darüber für den Amtsgerichtsrat. Zeitweise hätten sogar zwei Richter mit ihren Familien dort gewohnt, der letzte bis zum Jahr 1994. Heute werden die Räumlichkeiten als Büro und für die Unterbringung der Studenten der Justizausbildungsstätte genutzt

Neben den Gefängniszellen existiert immer noch ein rund 70 Quadratmeter großer Innenhof, eingefasst von einer mindestens fünf Meter hohen Mauer, der von außen kaum einsehbar ist. Hier durften die Gefängnisinsassen tagtäglich für eine Weile Luft schnappen. Gleich daneben die Hausmeisterwohnung. Von dem angrenzenden Garten ist die eindrucksvolle Bauweise des Amtsgerichts zu sehen. Es wurde über den Laufenbach gebaut und mit einem Gewölbe von der rechten zur linken Uferseite verbunden. Sehenswert in dem alten Amtsgericht mit drei Etagen und einem Speicher ist auch der alte Sitzungssaal mit einer Wandvertäfelung aus der Zeit der Jahrhundertwende. Man habe das erhöhte Richterpodium heruntersetzen wollen, aber bis auf eine Stufe war das „aufgrund des darunterliegenden Gewölbes nicht möglich“.

Heute sind die Tage der Schmuggler und Tagediebe sind längst vorbei. Auch die Digitalisierung hat die schweren, leinenbezogenen Grundbücher mit Metallschließen verbannt. Die „Vorführzelle“ wird als Ausstellungsraum für eines der Bilder der Ausstellung „Monschauer Land – Gestern und Heute“ (schwarz-weiß Fotografien aus den 1930er Jahren) von Professor Doktor Gustav Grimme genutzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert