Konzen/Marokko - Extremläufer auf Tour durch Marokko

Extremläufer auf Tour durch Marokko

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Konzen/Marokko. Der Toubkal, der diesem Extremlauf den Namen gibt, ist der höchste Berg des Hohen Atlasgebirges in Marokko. Diesen galt es zwar nicht zu besteigen, aber in seinem Schatten mussten 105 Kilometer mit 6500 Höhenmetern im An- und Abstieg bewältigt werden. Holger Lapp aus Konzen stellte sich dieser extremen Herausforderung.

Dieser Lauf sollte nicht nur hinsichtlich der Rahmenbedingungen sein schwierigster Lauf bislang werden, sondern gleichzeitig auch eine Begegnung mit einer anderen Kultur.

Die Anreise zum Startort des Laufs Oukaïmeden war noch kein Problem. Bei der Ankunft in dem Skigebiet auf 2700 Metern Höhe wurde Lapp allerdings klar, dass dieser Lauf etwas ganz anderes werden würde als er bisher gewohnt war. Die dünne Luft ließ ihn kurzatmig werden, und der trockene und stürmige Wind machten ihm zu schaffen. Diese Bedingungen ließen erste Zweifel am Gelingen seines Vorhabens aufkommen.

Eigens für dieses Wochenende hatte der Veranstalter eine Zeltstadt in die karge Felsenlandschaft gebaut. Zwei Versorgungszelte sowie ein Zeltdorf für die Übernachtungen standen flatternd im Wind. In einem dieser Zelte wurden gegen das Vorzeigen der Pflichtausrüstung die Startnummer ausgehändigt. Auf geeignete Ausrüstung wurde dort besonderen Wert gelegt, da dieser Lauf als autonomer Lauf ausgeschrieben war.

Das bedeutet, der Veranstalter stellt nur ein geringes Maß an Verpflegung bereit, alles andere muss getragen werden. So kamen für den Konzener rund sechs Kilogramm Gepäck, bestehend aus 2,5 Liter Wasser, Essen, lange Kleidung, ein Erste-Hilfe-Set und Regenkleidung zusammen. Außerdem musste er Wasseraufbereitungstabletten nachweisen, damit er sich im Notfall an Wasserläufen versorgen konnte.

Nach einer stürmischen und unruhigen ersten Nacht erfolgte der Startschuss am 2. Oktober um sechs Uhr morgens. Noch bei Dunkelheit machten sich die rund 150 Läufer für die 105 Kilometer Strecke auf den Weg in ihr Abenteuer. Schon vom Start weg hatte Holger immer wieder mit der trockenem Luft zu kämpfen. Ständig das Gefühl zu haben, etwas trinken zu müssen, aber nicht genau zu wissen, wie lange man zur nächsten Wasserstelle braucht, stellte für ihn eine besondere Herausforderung dar.

Nach dem Start erfolgte ein Anstieg auf über 3000 Meter. Anschließend ging es bergab ins Flusstal. Da zu diesem Zeitpunkt die Sonne aufgegangen war, stiegen zudem die Temperaturen an, jedoch nicht so stark wie der erfahrene Läufer erwartet hatte. Der anfangs störende Wind brachte etwas Abkühlung. Am ersten Verpflegungspunkt wurden die Flüssigkeitsreserven aufgefüllt und weiter ging es mit seinen Mitläufern Oliver Binz und Oliver Karst zu einem weiteren langen Anstieg von 1800 Meter auf wieder über 3000 Meter.

Auf diesem Teilstück trafen die Läufer in abgelegenen Berberdörfern auf das sehr einfach lebende Bergvolk. Es gibt dort keine Straßen, sondern nur schmale Pfade, die die Versorgung der Menschen sicher stellen. Die Läufer stellten fest, dass Esel, die in Deutschland als Haus- und Hoftiere gelten, in diesem unwegsamen Gelände das Haupttransportmittel sind.

Nach der Hälfte der Strecke führte der Weg auf über 3000 Meter Höhe. Von da an folgte Lapp alleine dem Weg. Nach einem Abstieg lief er an einem Fluss entlang zur zweiten Verpflegungsstelle nach 68 Kilometern. Da laut Höhenprofil jetzt erst ein erneuter Anstieg auf 3200 Meter und danach von 2800 Meter auf satte 3660 Meter anstand, nutzte er die Gelegenheit, sich dort mit Suppe, Obst und Nüssen zu versorgen. Das Terrain war zwar schwierig zu laufen, denn Steine und loses Geröll ließen die Strecke gefühlt ziemlich lang werden. Aber bis dort ging es Holger Lapp soweit gut.

Der folgende Anstieg auf den höchsten Punkt des Extremlaufs wurde zäh. Unterwegs kam der Konzener an Sportlern vorbei, die vor Erschöpfung am Wegesrand saßen und nicht weiterlaufen konnten. Ein Abbruch des Laufes und ein Transport ins Ziel, so wie man es von anderen Veranstaltungen her kennt, war dort jedoch nicht möglich.

Die einsetzende Dunkelheit machte es den Teilnehmern nicht leichter. „Oben angekommen gab es aber endlich Handyempfang und ich konnte mich bei meiner Ina melden und ihr mitteilen, dass alles okay ist“, berichtete Lapp vom Kontakt zu seiner Frau, die nach Marokko mitgereist war, um ihren mann zu unterstützen. Sie wartete im Zielbereich auf eine Nachricht ihres Mannes, dessen Kräfte langsam schwanden.

„Nach dem Auf und Ab und nach 80 Kilometern war ein Abstieg von 1600 Metern keine leichte Sache“, erzählt er. Ein Sturz nach der Hälfte des Abstieges ging glimpflich aus – der Läufer büßte nur einen seiner Trekkingstöcke ein und musste den Rest der Strecke mit einem Stock auskommen. Nach dem Abstieg war die letzte Verpflegungsstelle erreicht. Für die restlichen 16 Kilometer kalkulierte der Ultraläufer nochmals fünf Stunden ein.

Um 5.22 Uhr nach 23 Stunden und 22 Minuten traf Holger Lapp als erster Deutscher und als 34. von 110 Teilnehmern im Ziel an und bekannte: „Der Sternenhimmel an diesem Morgen war besonders schön...“

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