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„Exodus“: Eine atemberaubende Geburtstagsshow

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
Gymnasien
Schüler und Lehrer der Gymnasien Vossenack und Monschau begeistern 2000 Zuschauer in drei Aufführungen des Musicals „Exodus“. Foto: Heiner Schepp

Vogelsang. Die jungen Zuschauer müssen sich vorgekommen sein, wie bei einer großen Musical-Aufführung in der Kölnarena, in Hamburg oder in Bochum. Die Stars aber, die da auf der Bühne professionell tanzten, sangen und spielten waren ihre Mitschüler, Lehrer und Freunde.

Die Gymnasien aus Vossenack und Monschau hatten sich anlässlich des 60. Geburtstages von St. Michael auf der Haag erstmals zusammengetan und mit 60 Schülern und Lehrern beider Einrichtungen sowie mit Unterstützung des exART-Theaters am Franziskus-Gymnasium eine Neuauflage des Erfolgs-Musicals „Exodus“ auf die Beine gestellt.

Besonders geeigneter Spielort

Das Ergebnis war überwältigend: Im Kulturkino Vogelsang erlebten 2000 Zuschauer in drei Aufführungen die wunderbare Musik des 1996 von Markus Kamps komponierten Stücks und die berührende Geschichte des Managers Ben, eine moderne Fassung des biblischen Gleichnisses vom verlorenen Sohn.

Einen geeigneteren Ort als die gute Stube der einstigen Nazi-Kaderschmiede Vogelsang hätte man für das Stück mit dem Untertitel „Die Freiheit liegt in Dir“ nicht wählen können, erstickten hier doch totalitäre Ideologien einst jedes Aufbegehren der Freiheit im Keim.

Ehe alle 850 Schüler und das gesamte Kollegium des MGM die schuleigene Aufführung am Freitagmorgen aber dort erleben konnten, war eine logistische Meisterleistung erforderlich. In mehr als einem Dutzend Busse wurden alle Jahrgangsstufen von Monschau zum geschichtsträchtigen Ort gekarrt; „das war schon ein Kraftakt“, blickte Schulleiter Dr. Lothar Stresius vor der ersten Aufführung erleichtert auf das beeindruckende Bild der riesigen Schulfamilie in den Sitzreihen.

Aus diesen riss die folgende, mehr als zweistündige Show dann das überwiegend junge Publikum förmlich. Schlag auf Schlag wechselten sich schwungvolle Choreographien, gefühlvolle Balladen, fast schon slapstickartige Einlagen und nachdenklich stimmende Dialoge ab und erzählten den Gang des erfolgreichen Jungunternehmers Ben, der sein Heil und seine Freiheit im Ausstieg sucht und am Ende reumütig erkennen muss, wer auf seinem Weg die wirklich wichtigen und guten Berater waren.

„Der Junge ist einfach Klasse“, schwärmte Gesamtleiter und Drehbuchautor Clemens Amendt, Lehrer am FGV, über Hauptdarsteller Felix Offermanns, der nicht nur sängerisch und darstellerisch das Stück fantastisch lebte. „Er stand unter starken Schmerzmitteln auf der Bühne“, verriet Amendt und berichtete, dass der junge Hauptdarsteller aus Roetgen bei der Generalprobe am Vorabend bei einem – vom Drehbuch vorgesehenen! – Faustschlag auf den Tisch einen Trümmerbruch in der rechten Hand erlitten hatte. Mit Gips und schmerzstillenden Medikamenten aber hielt Felix Offermanns alle drei Aufführungen durch und durfte sich zu Recht mit stehenden Ovationen feiern lassen.

Großartig auch die Leistung des Ensembles. Sarah Eischet brachte in der Rolle der Punkerin ihre wunderschöne Stimme voll zur Geltung, Gunnar Leschenar hatte als „Fat Tony“ höchsten Unterhaltungswert, und Profisängerin Sabrina Pelzer brachte in der Rolle der Mutter ihre klassische Stimme voll zur Geltung. Elisabeth Amendt als Zoe, Simon Kirch und Fabio Krämer als „Bad Boys“ der Pokergang, Bruder Winfried Abs (Vater), Samira Lauscher (Schwester) sowie Cyrill Hejnen und Daniel Hejna verkörperten, sprachen und sangen weitere teils solistische Rollen ohne Fehl und Tadel.

Für die Schüler natürlich eine besondere Gaudi: Französischlehrer Bernd Jansen als „Stubbi-exender“ Chefmüllmann oder die Pizzabäcker Katja Gillessen und Markus Probst, zwei weitere insgesamt fünf „Paukern“, die auf der Bühne standen.

Den Stein ins Rollen gebracht

Das alles war eine derart runde Sache, die eigentlich noch weitere Aufführungen verdient hätte. „Daran ist nicht gedacht – es sei, es saß ein Agent im Publikum, der uns unbedingt verpflichten will“, meinte lachend Anja Schramm, die als ehemalige FGV- und jetzt MGM-Lehrerein sozusagen den Stein von Vossenack nach Monschau ins Rollen brachte. Es bleibt ein unvergessenes Geburtstagsgeschenk, das lange nachwirken wird und vielleicht manchem Schüler sein besonderes Talent und einen beruflichen Weg aufgezeigt hat.

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