Aachen - Euregiobahn-Ausbau: „Wir arbeiten uns scheibchenweise voran”

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Euregiobahn-Ausbau: „Wir arbeiten uns scheibchenweise voran”

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
Euregiobahn Langerwehe ddp
Ein Triebzug der Euregiobahn im Bahnhof Langerwehe. Foto: ddp

Aachen. Mit Verspätungen kennt sich Hans Joachim Sistenich aus. Von Berufs wegen sozusagen. Schließlich sitzt er als Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) und von Nahverkehr Rheinland (NVR) oft genug im Regionalexpress und pendelt zwischen den Dienstsitzen Aachen und Köln.

Doch wenn der 59-Jährige über die Euregiobahn spricht, dann zählt er keine Minuten oder Stunden. „Zeitlich hängen wir drei bis vier Jahre hinter unseren ursprünglichen Plänen her”, sagt Sistenich, der maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass das Projekt Ende der 90er Jahre auf die Schiene gesetzt worden ist und tatsächlich vor zehn Jahren mit der ersten Fahrt von Stolberg in Richtung Aachen und Heerlen ins Rollen kam.

Natürlich wäre Sistenich schon gerne weitergefahren mit der Euregiobahn. Doch er ist froh, so weit gekommen zu sein, dass die rot-blauen Talent-Züge Ende 2012 auf dann insgesamt rund 81 Schienenkilometern bis Düren, Heerlen, Alsdorf, Stolberg und Eschweiler fahren. „Für ein solches Projekt braucht man einen langen Atem”, sagt er und betont, dass man ohne eine „Salami-Taktik” längst nicht so weit wäre. „Auch jetzt beim Ringbahnschluss von Herzogenrath über Alsdorf, Eschweiler und Würselen nach Stolberg arbeiten wir uns scheibchenweise voran”, sagt Sistenich: „Sonst wäre so manche Fördermillion im Laufe der Jahre weg gewesen.”

Nach Fertigstellung des Ringschlusses werden insgesamt knapp 150 Millionen Euro in das Projekt Euregiobahn investiert worden sein - für die Reaktivierung der Bahntrassen, für die Modernisierung der Bahnhöfe etwa in Stolberg oder Herzogenrath, für den Bau neuer Haltepunkte wie Herzo-genrath-Alt-Merkstein oder Alsdorf-Annapark, für die Sicherung der Straßenkreuzungen.

Und einige Besonderheiten waren dabei. So wurde 2009 zwischen Weisweiler und Langerwehe erstmals seit 40 Jahren in NRW eine Regionalbahnstrecke neu gebaut. Allein die 2,5 Kilometer lange Trasse kostete 16 Millionen Euro einschließlich der anteiligen Kosten für das elektronische Stellwerk im Stolberger Bahnhof. „Für wenige Streckenkilometer müssen immer wieder viele und neue Probleme gelöst werden. Das kostet Zeit”, sagt Sistenich.

Dabei war die Euregiobahn, wie der AVV-Chef sagt, in einem Rekordtempo und trotz aller Unkenrufen pünktlich zum Fahrplanwechsel im Juni 2001 gestartet: „Nachdem das Gesamtkonzept 1998 erarbeitet wurde, haben wir bereits 1999 den Rahmenvertrag mit dem Land NRW unterzeichnet.

Heute würden wir das gar nicht mehr hinbekommen.” Wichtiger Mitstreiter waren für Sistenich die Unternehmer Ewald Schmitz und Helmut Conrads, die die Euregio Verkehrsschienennetz (EVS) GmbH gründeten und als privater Netzbetreiber im Jahr 2000 insgesamt 69 weitgehend stillgelegte Schienenkilometer von der Deutschen Bahn (DB) übernahmen. Seitdem wird der Fahrplan mit der Bahntochter DB Regio NRW als weiterem Partner sukzessive ausgebaut.

Dabei wird vielleicht in einigen Jahren das realisiert, was Sistenich schon in den 90er Jahren gefordert hatte - eine kombinierte Stadt- und Regionalbahn. „Ich hatte damals für die Verschmelzung beider Konzepte in Stadt und Kreis Aachen plädiert. Darauf zu verzichten, war eine strategische Fehlentscheidung”, sagt der AVV-Geschäftsführer und fügt an: „Wenn wir ein gemeinsames Konzept umgesetzt hätten, würden heute schon auf den ersten beiden Strecken Züge durch Aachen rollen.” Doch er hofft, dass das ursprünglich als Stadtbahn konzipierte und verworfene Konzept schon bald als Campusbahn eine Renaissance erfährt. „Schließlich würde eine Verbindung von Aachen über Merzbrück nach Würselen auch die Euregiobahn ein weiteres Stück attraktiver machen.”

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Konkreter sind da die Pläne, die Stadt Heinsberg bis Ende 2012 ans Schienennetz anzubinden. Zudem soll die Vernetzung mit den Niederlanden optimiert werden: So soll über die Anbindung des Gewerbegebietes Avantis eine bessere Verbindung nach Heerlen und darüber hinaus nach Maastricht erreicht werden. „Das macht verkehrlich Sinn”, sagt Sistenich, der zudem seit Jahren an der IC-Verbindung Eindhoven-Aachen über Sittard und Heerlen arbeitet, die spätestens 2016 realisiert sein soll. Voraussetzung dafür ist der derzeit laufende Ausbau des Herzogenrather Bahnhofs.

Zudem soll die Euregiobahn komplett elektrifiziert werden, damit die bisher eingesetzten Diesel-Triebzüge ausrangiert und durch umweltfreundlichere sowie günstigere Elektro-Modelle ersetzt werden können. Zielmarke ist 2016. Aber Sistenich ist Bahnexperte genug, um zu wissen, dass es immer Verspätungen geben kann.

Zug um Zug neue Haltestellen und mehr Fahrgäste

Am 10. Juni 2001 nahm die Euregiobahn den Betrieb von Stolberg-Altstadt über Aachen nach Heerlen auf. Dazu musste die Strecke zwischen Stolberg-Hauptbahnhof und Stolberg-Altstadt reaktiviert werden. Im Sommer 2004 folgte die Verbindung von Stolberg nach Eschweiler-Weisweiler.

Seit Dezember 2004 fährt die Euregiobahn von Weisweiler über Aachen und Herzogenrath-Bahnhof bis Herzogenrath-Merkstein zum August-Schmidt-Platz. 2005 wurde der Ringbahn-Ast um zwei Haltestellen bis Alsdorf-Annapark verlängert. Im Sommer 2009 ging die Neubaustrecke von Weisweiler nach Langerwehe in Betrieb, Ende 2009 erreichte die Euregiobahn erstmals Düren. Ende 2011 sollen drei weitere Haltepunkte in Alsdorf hinzukommen. Bis Ende 2012 soll über Eschweiler-St.-Jöris und Merzbrück der Ringschluss bis Stolberg erfolgen.

Fuhren im Jahr 2001 erst 2900 Fahrgäste pro Tag mit der Euregiobahn, wuchs die Zahl schnell. Im Jahr 2008 waren es bereits 8900, mit der Inbetriebnahme des Abschnitts zwischen Weisweiler und Langerwehe wurde 2009 die 10.000er-Marke geknackt. Derzeit nutzen täglich 11.000 Fahrgäste das Angebot. Mit dem Ringschluss sollen es noch mehr werden.

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