„Estrade“: Alte Turnhalle nun ein Treffpunkt für Künstler

Von: Peter Stollenwerk
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Richard Vernout betrachtet sein Werk von oben: Aus der ehemaligen Turnhalle im Monschauer Rosenthal ist ein besonderer Ort der Begegnung geworden. Foto: P. Stollenwerk
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Sehr individuell: Diese Nägel stammen aus dem morschen Dachstuhl; jetzt dienen sie als Lampenschirm. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Der Schwebebalken befindet sich noch immer mitten in der alten Turnhalle im Rosenthal, aber die Turner können ihn nicht mehr benutzen, denn das Sportgerät dient jetzt als stabiler Unterbau für einen meterlangen Gruppentisch. Und wenn man genauer hinschaut, dann ist der Charakter des über 80 Jahre als Sportstätte genutzten Gebäudes noch vielerorts sichtbar.

Der Schwebebalken befindet sich noch immer mitten in der alten Turnhalle im Rosenthal, aber die Turner können ihn nicht mehr benutzen, denn das Sportgerät dient jetzt als stabiler Unterbau für einen meterlangen Gruppentisch. Und wenn man genauer hinschaut, dann ist der Charakter des über 80 Jahre als Sportstätte genutzten Gebäudes noch vielerorts sichtbar.

Aus den Kästen wurden Sitzgelegenheiten und der bei den Sportlern stets ungeliebte Betonboden hat auch die Zeit überdauert, und dennoch ist in der Turnhalle nicht mehr wie früher: 18 Monate lang haben das aus Holland stammende Ehepaar Juanita und Richard Vernout der Turnhalle mit einem enormen Arbeitsaufwand eine neue Bestimmung gegeben.

„Estrade“ (Podium) nennt sich der kürzlich fertiggestellte Gebäudekomplex, und pünktlich zum Monschauer Weihnachtsmarkt in Monschau können die Besucher hier schauen und staunen, was man aus einer dem Verfall geweihten Immobilie zaubern kann. Unter der Adresse Rosenthal 5 findet sich hier direkt am Ufer der Rur ein Veranstaltungs-, Seminar- und Feriendomizil.

Gruppen bis zu 18 Personen mit eigener Lounge, Küche und Terassengarten finden im Hauptgebäude Platz, aus der Hausmeisterwohnung wurde ein Ferien-Appartement für vier Personen. In der ehemaligen Halle ist Platz für die Gruppen oder, wie jetzt an den Advents-Wochenende, Raum für Kunstausstellungen.

Beim Gang durch das Gebäude muss man immer wieder innehalten und bewundern, mit welcher individuellen Präzision, Phantasie und Originalität die neuen Besitzer dem Haus eine neue Bestimmung gegeben haben.

Richard Vernout (58) wusste genau, was er tat. Sechs Tage in der Woche arbeitete er an seinem Objekt und in manchen Nachtstunden entwickelte er eine Konzeption, die den Gästen nicht nur Erholung garantiert, sondern sie auch einmal Atemholen in einem nicht alltäglichen Raumklima lässt: „Die Gruppen und Gäste sollen hier eine gute Atmosphäre erleben und sich wohlfühlen.“ Der Niederländer arbeitete viele Jahrzehnte als Gebäude-Restaurator, vor allem in der Amsterdamer Altstadt, ehe er vor acht Jahren der Liebe wegen ins ostbelgische Bütgenbach zog.

Die Idee von einem Haus für Veranstaltungen und Seminare beschäftigte ihn schon länger. Als er dann einmal einen Ausflug nach Monschau machte und von Höfen kommend auf die Altstadt zusteuerte, fiel ihm sogleich das stolze Gebäude der alten Volksschule ins Auge. Seine Idee nahm von diesem Augenblick an Gestalt an. Er erkundigte sich bei Nachbarn und dann bei der Stadt nach der Zukunft des Gebäudes.

Da die alte Schule wie auch das gegenüberliegende ehemalige RWE-Grundstück seit Jahren im Besitz einer holländischen Investorengruppe ist, deren Hotelbaupläne aber seit Jahren ruhen, konnte die Stadt dem neuen Interessenten nur alte Turnhalle anbieten, die soeben zum Verkauf freigegeben worden war. Nur zwei Kaufangebote gingen ein, und Richard Vernout erhielt den Zuschlag, weil der Stadt das Konzept auf Anhieb zusagte. Das war Anfang August 2011.

Dach war ein großes Problem

Die nachfolgende Zeit des Umbaus brachte dann alle jene Begleiterscheinungen mit wie sie einer seit über zehn Jahren leerstehenden Altbausubstanz eben eigen sind. Besonders das undichte Dach bereitete Sorgen, zumal die Stadt Wert auf die Originaleindeckung mit Schiefer legte. Dank Unterstützung aus Denkmalschutzmitteln konnte das dann der Charakter des Gebäudes, einschließlich Fassade und Fenster, erhalten bleiben.

Das rund 800 Quadratmeter Gebäude im Rosenthal ,1912 bis 1913 im Auftrag von Kaiser Wilhelm III gebaut, war ursprünglich als Festsaal für die Einwohner von Monschau gedacht. Es wurde ab 1921 von der Stadt Monschau mit zu einer Turnhalle umgebaut.

Das Baugerüst in der Turnhalle bleibt übrigens stehen. Der Bauherr hat es an die Innenwände geschoben und nun dient es als begehbare Galerie.

Wechselnde Künstler sind in diesem Monat hier zu sehen, ansonsten aber stellt sich Richard Vernout „multikulturelle Aktivitäten“ vor. Kleine Musikdarbietungen oder auch „Unplugged“-Konzerte mit jungen Leuten plant er, ebenso auch Workshops, Seminare oder auch Trainings-Einheiten und Teambildung für Firmen. Bei großen Gruppen steht man zwecks Kooperation in Kontakt mit weiteren Unterkünften in Monschau.

Die ersten Teilnehmer haben das Haus bereits kennengelernt und Richard Vernout hofft, dass er mit seinem Konzept auch neue Zielgruppen für Monschau anspricht: „Die Stadt hat mich stark unterstützt; da möchte ich auch etwas zurückgeben.“

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