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Es fehlt an Wohnraum für Menschen mit Behinderung

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Der monatliche Stammtisch der KoKoBe ist ein wichtiger und regelmäßiger Treffpunkt. Bei der vorweihnachtlichen Zusammenkunft in der Straucher Biker-Ranch fanden sich jetzt rund 80 Teilnehmer ein. Foto: Andreas Gabbert
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Sozialarbeiterin Andrea Hein koordiniert die Aktivitäten der KoKoBe.

Simmerath. Koordinierung, Kontakt, Beratung: Wer auf diese drei Hilfsangebote zurückgreifen kann, ist bei der Bewältigung des Lebensalltags schon ein gutes Stück weiter. In ganz besondere Maße sind es Menschen mit Behinderung, die auf eine kompetente Form der Begleitung angewiesen sind. Eine verlässliche Größe ist dabei seit vielen Jahren die KoKoBe, die eben für Koordinierung, Kontakt und Beratung steht.

In allen Kommunen der Städteregion Aachen ist die KoKoBe mit einem Angebot präsent, und auch für die Eifelkommunen Simmerath, Monschau, Roetgen gibt es eine Gruppe, die von Andrea Hein koordiniert wird. Eine wesentliche Stütze des Netzwerkes ist dabei auch der wöchentlich stattfindende KoKoBe-Stammtisch. Rund 100 Betroffene in der Nordeifel nutzen die unterschiedlichen Angebote der KoKoBe.

Ziel der KoKoBe Nordeifel ist es, Menschen mit Behinderungen dabei zu unterstützen, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen.

Als kostenloser und unabhängiger Service für Menschen mit geistigen, körperlichen und mehrfachen Behinderungen steht die KoKoBe zur Verfügung, die vom Landschaftsverband Rheinland finanziert wird.

In der zurückliegenden Sitzung des Simmerather Sozialausschusses stellte Sozialarbeiterin Andrea Hein das in Teilen der Öffentlichkeit noch wenig bekannte Netzwerk vor, das Menschen mit besonderen Bedürfnissen Perspektiven für Arbeit, Wohnen und Freizeit bieten möchte.

Ein Problem begleitet die KoKoBe und die sich ihr anvertrauenden Menschen seit Jahr und Tag: Es fehlt an geeignetem Wohnraum für Behinderte. Die beiden in der Nordeifel verfügbaren Einrichtungen, die Wohngruppe im St. Josefshaus in Höfen wie auch auch das Helena-Stollenwerk-Haus des Vinzenzheimes Aachen in Simmerath, sind laut Andrea Hein „chronisch belegt“. Es existierten lange Wartelisten.

Es müssten in der Eifelregion „dringend neue Ideen der Unterbringung entwickelt werden“, beispielsweise Wohngemeinschaften mit einer 24-Stunden-Betreuung. Voraussetzung dafür sei zunächst einmal, dass die Menschen sich auf die besonderen Bedürfnisse von Behinderten einließen und Hemmschwellen abgebaut würden. Der „inklusive Gedanke“ habe sich noch längst nicht überall durchgesetzt.

Gefragt ist bei der KoKoBe aber auch menschliche Zuwendung. Ständig gesucht, so der Aufruf von Andrea Hein, würden junge Leute, die bereit seien, sich als ehrenamtliche Freizeitbegleiter für Behinderte sozial zu engagieren, sei es ein Besuch im Kino oder ein anderweitiger kleiner Ausflug. Damit trage man zu einer großen Entlastung der Familien bei, die oft an ihre Belastungsgrenze stoßen würden. Grundsätzlich sei es ihr Wunsch, „dass die Gesellschaft ihre Behindertenbrille absetzt und in erster Linie den Menschen sieht“.

Zumindest, was die Wohnsituation für Behinderte in der Nordeifel betrifft, konnte Andrea Mießen-Comuth, die Leiterin des Helena-Stollenwerk-Hauses in Simmerath, ein wenig Hoffnung machen. Mitte bis Ende des nächsten Jahres plane das Vinzenzheim auf dem Gelände der Einrichtung in Simmerath den Baubeginn von etwa 20 Einzelappartements für Menschen mit Behinderung.

Im Rahmen der anschließenden Diskussion im Ausschuss begrüßte es Manfred Sawallich (SPD), dass der Begriff der Inklusion endlich aus dem „verengten Blickwinkel der Schulen“ herausgenommen werde. Bernd Goffart (CDU) wusste von mehreren gelungenen Integrationsansätzen zu berichten. Besonders in Vereinen sei es nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit Behinderungen eingebunden würde.

Mit Blick auf die Schulsituation im Südkreis Aachen merkte Andrea Hein an, dass sie es als „horrend“ empfinde, dass die Förderschule in Eicherscheid in zwei Jahren geschlossen werde. Die ersten Erfahrungen mit dem Thema Inklusion in Schulen zeigten, „dass Kinder mit besonderem Förderbedarf in großen Klassen untergehen“. Sie bezeichnete es als „großes Missverständnis“ zu glauben, dass eine Regelschule „allen Kindern gerecht werden kann“. Auf diese Weise missverstanden „kommt die Inklusion zurück wie ein Bumerang“.

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