Mützenich - Erntedank-Umzug in Mützenich: Liebenswerte Tradition

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Erntedank-Umzug in Mützenich: Liebenswerte Tradition

Von: P. St.
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Unterwegs in Mützenich: Die Holzdiebe konnten im Erntedankzug ungestört ihrer Wege gehen. Foto: Peter Stollenwerk

Mützenich. Die Traktoren werden immer größer beim Erntedankzug in Mützenich, und die Gäste am Straßenrand schauen ehrfurchtsvoll hinauf zum Piloten in seiner geschlossenen Kabine. Ein solches Gefährt sicher durch die Zuschauerreihen auf der Eupener Straße zu bewegen, bedarf höchster Konzentration und bedeutet für den Fahrer, dass für ihn die Erntedankfeier erst dem Zug beginnen sollte.

Noch mehr erfreuen sich die Zuschauer aber an den historischen Landmaschinen, wie zum Beispiel am 15 PS-Deutz-Traktor, dem kultigen Bauernschlepper, luftgekühlt und mit dem unverwechselbaren Ein-Zylinder-Viertakt-Motorengeräusch oder auch an herausgeputzten Hanomags oder leuchtend roten Porsche-Dieselrössern.

Das Wichtigste aber beim Erntedankzug sind die Mitwirkenden aus Mützenich, die zum Teil viele Wochen des Jahres opfern, um den weit über die Region hinaus bekannten Erntedankzug in seiner Qualität zu halten, denn die Erwartungen der vielen tausend Zuschauer werden nicht geringer.

Kein Aufwand scheint zu groß, um das gewählte Motto möglichst eindrucksvoll darzustellen. Als Beispiel seien hier die Mützenicher Weinbauern genannt, die einen kompletten Weinberg mit Schieferplatten und Rebstöcken errichtet hatten.

Die Themen werden ohne vorherige Absprache gewählt; da greift die Ortsbauernschaft als Veranstalter nicht ein, und so kommt es vor, dass einige Themen auch mehrfach dargestellt werden. Damit sich den Gästen die Absicht der Wagenbauer auch umfassend erschließt, sorgte Moderator Rolf Müller an der „Eintracht-Schänke” für eine flotte Moderation mit hohem Spaßfaktor.

Am Spaß mangelte es ohnehin nicht. Die rund 600 Teilnehmer im Zug zeigten sich sehr spendabel, und die Auswahl an niederprozentigen Getränken war enorm. Auch hier regierte die Farbenfreude, und das Knirschen der kleinen Einweg-Plastikbecher, die am Straßenrand platt getreten wurden, gehörte auch zu den typischen Nebengeräuschen des Zuges.

32 Wagen und fünf Fußgruppen machten sich auf den Weg durch den Ort. Vor dem Start machten sich Dieter Esser und Karl Läufer vom Vorstand der Ortsbauernschaft noch ein paar Notizen, um den Moderator mit aktuellen Informationen zu versorgen.

Nicht nur für Mützenich, sondern auch für die 40 Mitglieder der Ortsbauernschaft, darunter noch zehn Vollerwerbsbetriebe, ist das Erntedankfest weitaus höher angesiedelt als das andere Brauchtum im Jahr. Die Politik lässt man am liebsten außen vor im Zug, auch wenn sich in diesem Herbst die Thematisierung der Milchpreisekrise nicht vermeiden ließ. Der Erntedankzug 2010 ist unterdessen gar nicht mehr so weit. „Nach dem Erntedankzug ist vor dem Erntedankzug”, weiß man bei der Ortsbauernschaft.

Die geplagten Milchbauern aber wussten sich zu helfen: „Ist der Milchpreis noch so klein, bringen Champignons das Geld herein”, dichteten sie, und präsentierten eine komplette Pilzzucht auf dem Wagen.

Möhren spielten auch eine große Rolle im Zug; sie wurden empfohlen für besseres Sehen, während die „Kappesköpp usser Worbelsheed” für ihre Sache warben. „Popcorn aus Mais steckt voller Energie, drum wollen wir Euch Freude machen und lassens in der Pfanne richtig krachen”, dichteten die Maisbauern, während es Popcorn für alle gab und der Jäger hoch über dem Maisfeld vom Hochsitz aus den einen oder anderen Zuschauer ins Visier nahm.

„Sauerkraut und Federweißer wecken die Eifelgeister” konnte man glauben oder auch nicht, aber auch drastisch sehen, was der „Kräuterwahn” so alles anrichten kann („Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihre Kräuterhexe”). „Junges Gemüse, zart und frisch, bringt die Landfrau auf den Tisch,” wussten die Bäuerinnen, umrankt von hunderten Möhren, während sie sich selbst als „dufte Bienen” bezeichneten.

Aus „Iris Waldstübchen” gab es verlockende Köstlichkeiten, in der Räucherei qualmte und duftete es gleichermaßen, während sich für die künftigen Weinbauern aus der Eifel vor dem Hintergrund des Klimawandels nur die Frage stellte: „Weiß oder Rosé?”

Selbst die Zitronen- und Orangenernte wurde nach Mützenich verlegt, auch wenn die Südfrüchte vorerst noch an einem Birnbaum pendelten. Die Riesenkartoffel aus Mützenich erschien da nicht minder unrealistisch, während die „Knollebuure” klebrigen Sirup verwerteten. Die Holzdiebe waren in großer Zahl in Mützenich unterwegs und auch fündig geworden („Zum Holzklauen in den Wald man geht, seit in fast jedem Haus ein Ofen steht.”)

Der Müll am Ende

Massenweise Pflaumen und Äpfel wurden auch durch das Venndorf gekarrt, natürlich untermalt mit dem passenden Sinnspruch: „Gab es Obst in Hülle und Fülle, war der Bauer meistens knülle.”

Staunen konnten die Besucher auch über die Holzfäller mitsamt einer laufenden Motorsäge, die im Mützenicher Zug wohl ihre letzten Arbeitsstunden verrichtete.

Mit viel Beifall wurde der der 45 Minuten dauernde Zug begleitet: Nur der letzte Wagen hätte noch etwas mehr Zuwendung verdient: Hier konnten die Besucher auf dem Müllsammelwagen ihren Abfall entsorgen. Da kam einiges zusammen.
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